Angst ist nicht unbezwingbar – Techniken und andere Ideen

Angst ist wie ein Gedanke, ein Gedanke wie ein vorbeifahrendes Auto.

Ein vorbeifahrendes Auto hört man kommen, dann ist es da fährt vorbei und man hört, wie es sich entfernt. Gedanken und Gefühle verhalten sich ebenso.

Ich kann auch das Auto, den Gedanken, das Gefühl aufhalten, ich muss aber nicht.

Wenn ich also das Auto kommen höre und es als etwas vorübergehendes definiere, ohne hinauszusehen oder nach draußen zu gehen bekommt es nicht viel Aufmerksamkeit. Es kommt, ist da, und ist weg.

Geräusche wie auch Gedanken oder Gefühle kann man nicht einfach verleugnen. Man kann sie nicht einfach abstellen und sich weigern sie wahrzunehmen. Sie tauchen auf, sind da und manchmal gehen sie einfach nicht wieder weg und je mehr ich mich darauf konzentriere je mehr beeinflussen sie mich.

Ängste sind wie Geräusche, Gefühle, Gedanken, auf die man sich konzentriert. Kontrollierbar sind sie nicht, was verständlicherweise noch mehr Angst macht. Wenn ich den Fokus verändere, frühzeitig, schon beim ersten Ansatz meiner Wahrnehmung erobere ich mir Kontrolle zurück. Ich mache Gedanken, Gefühle zu Autos, die vorbeifahren.

Ich entscheide mich nicht ans Fenster zu treten und sie nicht anzuhalten und mich anderweitig zu beschäftigen.

Relativierung, eine weitere Technik kann man mit dem Nachdenken über das Schlimmstenfalls, also was ist das Schlimmste was passieren kann? Wahrscheinlichkeit? Das zweitschlimmste? Wahrscheinlichkeit? Das nächst Schlimmste? Wahrscheinlichkeit? Das nächst Schlimmste? Wahrscheinlichkeit? So kann man im Selbstgespräch erkennen, dass die erwartete, herbei gedachte Katastrophe wahrscheinlich eher nicht eintritt.

Oder mit der Frage, interessiert mich das in 2., 5, 10 Jahren noch? Wird es in meiner Grabrede erwähnt?

Eine weitere gute Technik ist die 5-4-3-2-1-Übung (von Yvonne Dolan Psychologin (M.A.), Leiterin des Institute for Solution-Focused Therapy (Highland, Indiana, USA) und international tätige Trainerin für lösungsfokussiert-hypnotherapeutische Arbeit mit traumatisierten Klienten). 

Mit offenen Augen den Blick auf einen festen Punkt richten. 5 Dinge aufzählen (laut oder leise) die im Blickfeld sind, 5 Dinge, die man hören kann und 5 Dinge, die man spüren kann.

Diese drei Aufzählungen wiederholt man immer mit einem Ding pro Durchlauf weniger.

Beim Einschlafen möchte man nicht unbedingt die Augen offenlassen. Hier kann man seine Atemzüge zählen, ein und aus sind immer eine Zahl. Man sollte versuchen immer bis 5 zu kommen. Da einen Gedanken davon abbringen muss man häufig von vorne beginnen. Ziel sind fünf Durchläufe, ohne abzuschweifen.

Wichtig: Bei der Umsetzung dieser Übungen gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist völlig in Ordnung dieselben Dinge zu benennen. Verzählen oder Abschweifen mit den Gedanken ist auch kein Problem, einfach wieder von vorne beginnen.

Alles das kann man in nicht so überwältigenden Angstsituationen üben, so dass man eine wirkungsvolle Technik als Gegenmaßnahme hat.

Ideen wie es noch geht? Ich freue mich sie in den Kommentaren zu lesen!

2020/2021 – Abschied und Neubeginn?

Es wird viel geschrieben, geredet und diskutiert über die aktuelle Situation 2020/2021. Unsere Seifenblase der Absicherung gegen „fast“ alles ist geplatzt. Das Gefühl es ginge immer so weiter wie bisher in unserer Lebenszeit ist vorbei und zurückgeblieben ist Unsicherheit die uns tagtäglich unter Stress setzt.

Aus dem Ausland sieht das was in Deutschland passiert, getan wurde gut und ziemlich erfolgreich aus, erzählt man mir. Hier bei uns ist es unruhig und viele Menschen sind unzufrieden mit der Regierung und den Regelungen die diese trifft. Egal wie man es beurteilt, etwas Besseres als das was ist haben wir nicht. Es ist kein Traum, aus dem wir aufwachen werden und alles ist wie vorher, unser Leben wird anders sein als zuvor. Jeder von uns muss sich daher jetzt damit beschäftigen wie er in Zukunft leben will, in dieser fragilen Welt, in dieser aktuell und auch in Zukunft gespaltenen Gesellschaft, mit dieser neuen aber dauerhaft bestehenden Instabilität die unsere Leben zutiefst erschüttert hat.

Es sind viele Artikel erschienen zur Bewältigung der Situation, zur Vermeidung von Ängsten, Stress, zur Bewältigung der Veränderung. Fakt ist aber, wir haben für das was wir seit März 2020 erleben keine Verhaltensnormen, keine Anleitung wie wir damit umgehen können. Wir müssen daher unser Leben alleine und miteinander neu „erfinden“.

Es ist ähnlich wie die Auflösung der DDR. Alles sah aus wie zuvor, die Natur, die Häuser, die Menschen. Aber von einem Tag auf den anderen war ein Land abgeschafft worden. Vieles was zuvor „wahr“ oder „richtig“ erschien, galt so nicht mehr. Menschen mussten ihr Leben, ihr Denken, ihr Verhalten, ob sie wollten oder nicht, völlig verändern. Wahrscheinlich kennt jeder jemandem dem das sehr gut gelungen ist und auch jemand anderen der völlig aus der Bahn geraten ist. Geforscht wird zu diesem und ähnlichen Themen dazu aktuell unter anderem in Mainz „DDR-Psych„, in Jena und Dortmund, Erlangen Nürnberg, Greifswald-Rostock „SiSaP“.

Wahrscheinlich gibt es viele Gründe warum Menschen so unterschiedlich gut oder schlecht mit der aktuellen Situation umgehen können. Bestimmt hängt es mit ihrer Resilienz, ihrer Flexibilität, ihrer Vulnerabilität und vielem mehr zusammen.

So oder so muss jeder von uns durch diese Zeit und kann in weiten Teilen selbst bestimmen, ob dies mehr oder weniger erfolgreich geschieht. Es ist wie dieser Spruch mit den Gläsern, halbvoll – halbleer, jeder einzelne bestimmt über seine geistige und körperliche Gesundheit u.a. durch seine Perspektive auf die Situation. Das bedeutet im Klartext:

Du bist der aktuellen Situation nicht ausgeliefert!

Es gibt viele Tipps, die Du im Netz finden kannst, von Podcasts zur Prokrastination (Aufschieberitis), oder Vera F. Birkenbihl Videos mit denen Du Dich und Dein Verhalten reflektieren kannst, über online Lehrgänge mit denen Du Dein Wissen erweiterst, wie HPI, das Auditorium Netzwerk, die immer wieder kostenlose Seminare anbieten. Der Chaos Computerclub mit seinem Podcast vermittelt sein Wissen und seine Einschätzung zur politischen Lage, verständlich und oft mit viel Humor. Ich könnte noch lange so weiter machen, aber jeder der möchte findet sicher etwas mit dem er sich beschäftigen mag, mit sich oder mit anderen oder mit Wissen.

Denn auch wenn unser Leben in vielerlei Hinsicht anders ist, viele Möglichkeiten, die zuvor selbstverständlich waren, nicht mehr vorhanden sind, es eingeengter und reduzierter erscheint, so haben sich dafür andere Türen geöffnet, Freiräume ergeben.

Also entscheide heute und jeden weiteren Tag neu – halbvoll? halbleer?

PS: Ich selbst betrachte Corona als eine Art Serie im Fernsehen. Es erscheinen ständig neue Folgen, ich kann sie sehen, muss nicht, je nachdem wie es mir gerade geht, ich Zeit und Lust habe. So oder so kann ich durch diese Sicht auf Corona Distanz schaffen zwischen mir und der Belastung. Fernseher an oder aus?

Nicht genug – Teil: Gefühl und Sprache

Es ist schrecklich sich bedürftig / hilflos zu fühlen.

Ob es dadurch bedingt ist,
– dass man etwas Physisches oder Psychisches zur Existenzerhaltung benötigt,
– man einfach nicht genug bekommen kann, um sich sicher zu fühlen oder zufrieden zu sein,
– oder ob man das Gefühl hat, das man selbst nicht / nie gut genug ist,
ist dabei völlig egal.

Das Gefühl von Bedürftigkeit und Hilflosigkeit lässt einen schrumpfen, immer kleiner und immer verletzlicher werden.

Aber es gibt Unterschiede.
Um die Existenzgrundlage kämpfen zu müssen ist anstrengend, ängstigend, frustrierend und vielleicht sogar lebensgefährlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies jedoch durch eigene Aktivität veränderbar, zielorientiert und meist endlich.

Um Sicherheit und Zufriedenheit durch mehr von etwas“ zu erreichen ist ebenfalls anstrengend, oft frustrierend, aber man kann auch hier aktiv sein, kann versuchen sich so zu kontrollieren oder zu organisieren, dass man nahe an das Ziel des „Genug“ um sich sicher zu fühlen herankommt.

Selbst nicht genug zu sein beinhaltet die Gefühle des Kampfs um die Existenzgrundlage (eher als eine Form der Existenzberechtigung) und den Wunsch nach Sicherheit und Zufriedenheit (aber basierend auf Misstrauen und Abwertung all dem gegenüber was man erhält, erarbeitet, spürt).
Die Prägung „nicht gut genug“ zu sein ist wie ein schwarzes Loch in der Mitte des eigenen Seins.

Ein stabiles und unterstützendes soziales Umfeld wäre gut. Menschen, die den Selbstwert stärken, Anerkennung geben, dieses „nicht gut genug“ widerlegen.
Aber die Prägung ist stark, tief verankert und führt zu seltsamen Mechanismen.
Positives ist unglaubwürdig, kann oft kurzfristig angenommen werden und wird dann zerlegt, landet dann in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen. Gedanken, wie „würde er/sie mich kennen, würde er das nicht sagen“, „ich hätte es besser machen müssen“, „das war nur Zufall“, „ohne ihn/ sie hätte ich das nicht gekonnt“, sind hier gebräuchliche Zerlegungs-, Widerlegungswerkzeuge.

Zudem suchen sich Menschen, die nicht gut genug sind häufig ein Umfeld, Partner bei denen alte Verhaltensmuster wiederholt werden.
Denn so paradox es ist, erscheint ihnen das weniger anstrengend, eher erträglich als der innere Kampf gegen die Prägung.

„Wenn man mich lobt, fühle ich mich unwohl und weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Es fühlt sich gut an, aber ich befürchte immer, man meine eigentlich nicht mich, oder es zeige sich das jenes Lob ungerechtfertigt war, der andere es nicht so gemeint hat. Mit Kritik und Abwertung kann ich besser umgehen, dagegen kann ich aktiv angehen, mich rechtfertigen, das fühlt sich echter an, ich fühle mich sicherer und ich kann freier atmen.“ (Zitat Klient A. G.)

Reaktionen, die erprobt sind, das Selbstbild bestätigen können in alte Verhaltensmuster besser integriert werden. Alles andere muss erst die Widerstände überwinden und landet oft in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen.
Zudem müssen „nicht gut genug“ Geprägte nicht nur gut sein, sondern besser, perfekt. Sie neigen zu zwanghaftem Verhalten, zur Überforderung bis hin zum Zusammenbruch.

Abweisung, Abwertung, Kritik können sie als gerechtfertigt hinnehmen, sind verletzt und erniedrigt, aber das kennen sie und auch die daraufhin beginnenden von selbst laufenden Mechanismen, Selbstkritik, -zweifel, -vernichtung. Das Gefühlschaos von Wut, Trauer im Wechsel, von Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit ist wie ein alter Freund, mal wieder da. Nicht erwünscht, aber irgendwie erleichternd.

Hört sich schräg an? Ja. Man müsste meinen sie gieren nach positiven Erlebnissen, aber daran sind sie nicht gewöhnt, dem können sie kaum vertrauen.

Hier wird auch Freundschaft zum Problem. Akzeptanz, Nähe und Unterstützung stürzen in sich wiederholende Kreisläufe von diesen selbst laufenden Mechanismen und sind oft sehr anstrengend. Um diesen zu entgehen werden Menschen die diese Freundschaft anbieten, ohne Bereitschaft dem „nicht genug“ geprägten Menschen in seinem Verhaltensmuster zu bestätigen abgewertet.

Was tun?
Zuerst verstehen. Den Speicher kennen und damit Zugangswege finden.
Als Kind, ohne adäquate Möglichkeit sich verbal zu äußern werden Gefühle abgespeichert, die mit Worten nur schwer zugänglich sind. Sie liegen, vernetzt mit Auslösern, mit Verhaltensweisen, tief vergraben und oft ohne fassbare Verbindung zu Worten im Speicher / Gehirn. Das heißt nicht, der Erwachsene könne diese nicht benennen, das kann er so gut oder so schlecht wie jeder andere, aber eher rational, auf der Basis der eigenen Erkenntnisse im Verlauf seines Lebens. Der Weg dorthin, ein wirklicher Bezug, an dem man arbeiten kann, fehlt.

  • Identifizierung der ersten diese Gedanken prägenden Bezugspersonen.
  • In Gesprächen über diese das Wechseln in den Gefühlen zwischen „Hass“ und „Liebe“ genau beobachten und beide Seiten so akzeptieren, wie sie geäußert und gefühlt werden. Beide sind wahrhaftig, intensiv und gerechtfertigt.
  • Häufig findet sich in früher Kindheit eine Überforderung durch Parentifizierung, manchmal jedoch auch nur eine tief sitzende und durchgängige Ablehnung des damaligen Kindes, eine psychische Erkrankung der Bezugsperson.
  • Mit Mindmaps kann man dies aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sichtbar machen und dadurch „bewusstere“ Verbindungen von Gefühlen und nahezu automatischen Gedanken schaffen.
  • Man kann sozusagen „Reiz-Reaktionswege“ sichtbar machen und was sichtbar ist kann bearbeitet werden.

Allerdings ist die „nicht gut genug“ Prägung eine scheinbare Komfortzone, gewohnt und irgendwie bequemer, auch wenn es anstrengend ist als das große Unbekannte, das außerhalb dieser Prägung liegt. Und sie ist nicht immer da, sie wird verdrängt, kommt nicht jeden Tag, jede Stunde vor, verschwindet zeitweise und ist dann weder wichtig, noch es wert bearbeitet zu werden.

Ohne Leidensdruck, anhaltenden Veränderungswillen kommen dann wieder Widerstände hoch, die abgebaut werden müssen. Eine Bearbeitung dieser Prägung bedeutet dann ein scheinbares gegen den „nicht genug“ Menschen agieren, der doch in diesen Zeiten nur seine Ruhe und seinen Frieden haben will.

Wenn hier die Bindung der Arbeitsbeziehung nicht intensiv ist, (für den Therapeuten eine anstrengende Gratwanderung) verschwindet er und erscheint, wenn überhaupt, erst wieder in einer extremen Leidensphase.

Geduld, viel Zeit, ständige Wiederholungen, immer wieder aufflammender Widerstand machen allen Beteiligten das Leben schwer. Ungeschulte Menschen verlieren hier oft irgendwann die Geduld, haben das Gefühl der andere spiele mit ihnen, alles sei nur Show um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Erneut eine Bestätigung „nicht gut genug“ zu sein…

 

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.

Am Telefon werde ich häufiger gefragt, „Haben Sie gerade Zeit für eine kurze Frage?“.

Wie man erahnen kann, sind diese kurzen Fragen meist längere Gespräche.
Beim Formulieren der Frage merkt mein Gegenüber meist schnell das seine Frage Vorwissen meinerseits benötigt und fängt an unsortiert zu berichten worum es ihm geht. Die Zeit für solche Gespräche habe ich genauso wenig oder viel, wie jeder andere. Ich muss meine Kliententermine wahrnehmen, meine Dokumentationen schreiben, meinen Bürokratieteil erledigen, einen Haushalt führen, für mich sorgen, so wie jeder andere im Leben so seine eigenen Verpflichtungen hat. Also habe ich die Zeit?

Nein. Ich habe keine Zeit, aber paradoxerweise kann ich sie mir fast immer nehmen.

Ja klar, das gehört zur Klientenakquise höre ich, wenn ich über so etwas mit anderen spreche. Mhh, ja, vielleicht auch, aber in erster Linie gehört das zu meinen persönlichen Prioritäten. Nicht nur das ich neugierig auf andere Menschen bin, grundsätzlich erst mal jeden mag bis er mir beweist, dass ich ihn nicht mögen sollte (Vielleicht schon die gesteigerte Optimismusbias des Alters? ([http://de.in-mind.org/blog/post/warum-altern-gluecklich-macht]), sondern auch, weil ich für mich beschlossen habe das Menschen mir wichtig sind und ich mich auf sie einlassen möchte.

Hätte ich einen anderen Beruf gewählt, hätte ich vielleicht andere Prioritäten, aber mehr Zeit hätte ich dadurch nicht. Ich würde mir aber mehr Zeit für andere Dinge nehmen. In meinem Freundeskreis gibt es viele Menschen die gerne auf Konzerte gehen. Ich bin oft verblüfft darüber wie viel Zeit sie sich nehmen, um diese zu besuchen, mit wie wenig Schlaf sie dann auskommen und wie sie an anderer Stelle Geld einsparen, um diese zu finanzieren. Solche und andere Beispiele für das Ausleben von Prioritäten finden sich viele, manche für mich nachvollziehbar, andere eher unverständlich.

Von vielen Menschen hört man den Satz: „Ich habe keine Zeit“.

Schon der vorige Abschnitt lässt erahnen, sie hätten die Zeit, haben aber andere Prioritäten gesetzt. Nicht das dies negativ zu bewerten wäre, es ist einfach eine Entscheidung die sie getroffen haben. Jeder hat das Recht sich seine Zeit einzuteilen, wie auch immer er mag. Aber jeder sollte sich immer mal wieder fragen:

Hast Du die Prioritäten selbst gesetzt?
Fühlst Du Dich wohl mit Deiner Zeiteinteilung?
Schiebst Du oft Dinge vor Dir her? (Prokrastination)
Fühlst Du Dich ständig unter Zeitdruck?

Für jede dieser Fragen solltest Du Dir dann doch mal Zeit nehmen. Denn jede erklärt Dir etwas über Dich.

Prioritäten die andere setzen könntest Du prüfen, inwieweit sie wirklich in Dein Leben passen, inwieweit sie zu Dir gehören und Du sie leben möchtest. Welche von diesen Prioritäten sind von Dir gesetzt? Welche vom Außen? Welche stammen womöglich noch aus Deiner Kindheit?

Zeiteinteilung. Wer teilt Deine Zeit ein? Hast Du schon mal darüber nachgedacht wie es zu dieser Einteilung kommt? Was wäre wenn Du eine andere Zeiteinteilung wählst?

Prokrastination. Verschieberitis genannt. Weit verbreitet, sehr nervend und Energie raubend. Mag sein das Du unter Druck gut arbeitest, aber das vor Dir her schieben sorgt für einen ständigen Energieaufwand. Dein Bulldozer muss immer mehr und mehr schieben, die Belastung für Deinen Rücken steigt dabei, ist doch ständig alles im Rucksack dabei und wiegt von Tag zu Tag mehr. Machst Du Dir Listen? Datiert? Oder kleine gelbe Zettel in Deinen Kalender? Hast Du überhaupt einen Kalender? Planst Du Deine Freizeit? Viele Fragen, recherchiere doch mal über Prokrastination, da haben schlauere Leute als ich Artikel verfasst die Dich informieren und Dir Wege aufzeigen.

Zeitdruck. Ein echt ekelhaftes Wort! Da übt etwas Druck auf mich aus das doch eigentlich mir gehört und von mir so eingeteilt werden sollte, wie ich das möchte. Kurzfristig, bei Terminen völlig okay, aber dauerhaft, bäh, will ich das in meinem Leben nicht haben.

Die Lösungen liegen allesamt in Dir.

Ärgerlich aber wahr. Heißt, es liegt an Dir wie Du Dich in Deinem Umgang mit Deiner Zeit fühlst. Heißt auch, nur Du kannst etwas verändern, Entscheidungen treffen, Zeiteinteilungen ausprobieren, umstellen, neu einteilen und wieder ausprobieren. Dabei solltest Du aber bitte immer die Frage im Hinterkopf behalten – wer entscheidet? Woher kommen die Prioritäten? Und dann kann es los gehen, nimm Dir Zeit um zu…

Planen – von freien Zeiten. Hoffentlich langweilst Du Dich dann auch, denn das macht kreativ und kreative Lebensgestaltung macht selbstbewusster und zufriedener.

Wählen – womit Du Dich beschäftigen möchtest. Denn aus dem womit Du Dich beschäftigst, besteht Dein Leben.

So, noch Fragen?

Ich nehme mir gerne Zeit für Dich!

Schreib mich an, ruf mich an, komm vorbei, wenn Du Dir Zeit dafür genommen hast.

 😀

 

 

Ich sehe Dich, ich schaue tiefer…

…und ich will Dich nicht manipulieren!

Am Wochenende habe ich es schon wieder erlebt. Begegnungen mit Menschen die tiefer sehen und sich nicht äußern. Menschen, die Dich sehen können, die tiefer schauen und bewusst oder unbewusst mehr über Dich wissen als Du eigentlich preisgibst.

Auf meine Nachfrage, „Warum sagst Du mir dann nicht was Du siehst, so wie ich es oft ungefragt tue?“ kam erstmal nur Schweigen. Dann folgte ein vorsichtiges positives Beschreiben meiner Person, meiner Eigenschaften. Ich ermunterte dazu weiter zu sprechen und auch negative Dinge offen zu benennen, bzw. Defizite. Wieder nur Schweigen. Dann eine vorsichtige Antwort mit aufmerksamem Blick in mein Gesicht, zögerlich Wort für Wort, Reaktionen abwartend und direkt nachgeschoben, „Du bist Psychologin, Du hast das ja studiert.“

😉 Ja und nein!

Im Studium lernt man nicht „tiefer zu schauen“, man lernt Zeichen zu deuten und Symptome zu erkennen. Ein Menschenkenner wird man dadurch nicht. Ein wissenschaftlicher Ansatz erlaubt nur ein geringes Maß an Intuition und „tiefer sehen“ ist Intuition / Unterbewusstsein. Es ist eine Wahrnehmung, die so schnell geht, dass sie da ist, unbemerkt, nicht „erfassbar“ und kaum festzumachen, wann oder wodurch sie entstand.

Es ist wahrscheinlich eine Reaktion auf Mimik, Micromimik, Gestik, Microgestik, auf Geruch, auf, ach was weiß denn ich… Es gibt bestimmt Fachleute die das genauer und besser erläutern können als ich. („Lie to me?“ kann es ja anteilig erklären 😉 )

Auf jeden Fall ist es kein Hellsehen oder in den Kopf gucken. Es ist erlernt, aber meist in früher Kindheit, oft aufgrund der Wahrnehmung einer Gefährdung, zumindest aus einer Notwendigkeit heraus. Und es ist eine Fähigkeit!

Kinder von psychisch Erkrankten können es oft sehr gut. Sie scannen andere Menschen und wissen dabei oft nicht das sie es tun und woher sie wissen, was sie wissen. Die Unsicherheit, ob sie richtig liegen, ob sie jemanden verletzen, ob sie wirklich richtig liegen, verhindert das Aussprechen der „intuitiven Vermutung“. Auch die Befürchtung der Andere, das Gegenüber fühle sich angegriffen, durchschaut, überfahren und wende sich dann ab.

Wir haben da draußen daher viele Menschen, die so viel mehr wissen, als sie sagen. Menschen die, wenn sie sich denn äußerten, anderen viel über sich selbst erzählen könnten und die leider stumm bleiben.

Wir sprechen zu wenig miteinander in dieser Gesellschaft.

Zu viel übereinander.

Wenn Du etwas sehen kannst, was Du von Dir selber kennst, berichte von Dir, ohne den Anderen einzubeziehen oder ihn darauf hinzuweisen, dass es bei ihm auch so sein könnte. Dann kann der Andere einsteigen oder auch nicht. Dann kannst Du die Bereitschaft für ein „Tiefgang Gespräch“ abtasten.

Vielleicht gibt es ab und an mal schwierige Situationen, wenn Du direkt und klar sagst,  was Du wahrnimmst. Dann bist Du über das Ziel hinausgeschossen, warst zu schnell, zu intensiv, zu schwierig für Dein Gegenüber.

Aber es gibt Möglichkeiten sich vorsichtig an diese spezielle Fähigkeit anzunähern.

Du kannst Dich vorsichtig an den Anderen herantasten. Anfangs langsam machen, nur positives aussprechen. Es dabei als Wahrscheinlichkeit ausdrücken und Formulierungen, die wertschätzend sind nutzen, oder, ich denke, ich glaube, ich spüre. Das funktioniert meist ganz gut.

Lass Dich nicht abschrecken falls jemand verunsichert oder gereizt reagiert. Mach dann nur noch viel langsamer. Drücke Dich noch etwas vorsichtiger aus, lass dem anderen Zeit zu verdauen.

Es braucht ein bisschen Übung, Geduld und Durchhaltevermögen. Dann wirst Du aber Menschen um Dich haben vor denen Du Dich nicht verstecken und verstellen musst. Mit denen Du offener sprechen kannst.

Nur Vorsicht, wenn Du einmal auch nur ansatzweise Dein Wissen zu Manipulation nutzt, ist es rum. Das ist so unverzeihlich, dass Dein Umfeld Dich daraufhin nur noch misstrauisch betrachten wird. Fähigkeiten dieser Art zu missbrauchen hat unangenehme und dauerhafte Folgen.

Denk daher daran, es geht darum Dich mitzuteilen, Dich auszutauschen.

Hast Du erste positive Erfahrungen gesammelt kann es Dir passieren das Du in einen Größenwahnsinn verfällst. Nicht schlimm, das ist wie bei Deiner Erfahrung mit allem was Du gelernt hast und zu beherrschen glaubst, die Bauchlandung folgt und ernüchtert.

Hast Du gute Freunde die Dich zurechtstutzen? Umso besser, dann kannst Du vielleicht eine weiche Bauchlandung machen.

Nur gib nicht auf und übe weiter – denn Deine Fähigkeit tiefer zu sehen wird immer wichtiger in unserer Gesellschaft, wenn sie denn aktiv von Dir gelebt wird.

Zu schnell, zu viel, zu wenig: „Haltet die Welt an, ich will aussteigen.“

Es gibt diese Tage, an denen ich verstehe und fühle was dieser Spruch aus den 80-ern wirklich bedeutet.

Diese Tage an denen viele Informationen, Erwartungen, Fragen mich überrollen, ich das Gefühl habe von allem erstickt zu werden. Ich bin dann hoffnungslos überfordert, hilflos ausgeliefert und völlig kraftlos.
Das sind die Tage, an denen ich denke, halte doch jemand mal die Welt an, ich muss nachdenken, ich brauche eine Auszeit, jetzt, hier, sofort!

Ich wünsche mir, das ich mich zumindest kurz orientieren darf, aber ich muss weiter, Pause ist nicht.

Das sind die Zeiten, in denen ich zu viele Informationen bekomme, politische und gesellschaftliche, private, öffentliche. Überflutet von realen Ängsten, von Verschwörungstheorien und Katastrophenszenarien bin ich ängstlich und befürchte das „Ende der Welt“, wie ich sie kenne.

Das sind Tage an denen viele Erwartungen auf einmal an mich gestellt werden, ich schnelle Entscheidungen treffen soll, ohne die Chance zu haben mir die Hintergrundinformationen zu beschaffen.
Momente in denen Menschen von mir Antworten für ihre existentiell relevanten Fragen erwarten und ich mich zu klein und so dumm um diese schnell und so effektiv beantworten zu können.

Das ist der Augenblick, in dem alles es scheint als liefe alles schief, ich das Gefühl habe meine Lebensplanung funktioniert nicht, ich mich und mein Leben, meine Kompetenzen hinterfrage, in meine eigene existentielle Krise rutsche.

Diese Krise baut dann rasend schnell all meine Schwächen, mein Nicht-Wissen, wie Mauern vor mir auf und ich kann nichts anderes mehr sehen. Meine Stärken scheinen transparent und dann durchsichtig zu werden und verlassen mich inmitten meines scheinbaren Versagens.

Ich möchte in meinem Bett verschwinden, weglaufen, nichts hören, nichts sehen, nichts wissen.

Alles was ich zuvor wusste, zu wissen glaubte, wird unsicher, alles was ich geleistet habe wertlos und was ich glaubte leisten zu können scheint unmöglich zu bewältigen.
Meine mich zuvor schützenden Mauern, meine scheinbaren Stärken stürzen zusammen, werden als Lug und Trug entlarvt, als Einbildung von mir wahrgenommen und begraben mich unter sich, so dass ich mich schwer, bewegungslos und mutlos fühle.

Manchmal werde ich dann panisch vor Überforderung und ich ertrinke in Gedanken die kreuz und quer rasen, unstrukturiert, scheinbar sinnlos aneinander gereiht.

Das ist keine Krankheit, keine „Depression“, kein „Burn out“ oder ähnliches, das ist Leben, Alltag, das ist normal!

Dagegen hilft kein Medikament, das all das nur „egalisiert“ und verschiebt. Dagegen helfen Strategien und Rituale, Strukturen, Verhaltensweisen, die zuvor ausprobiert und für gut befunden wurden.

Ob ich dann spazieren gehe, Sport treibe, putze oder Möbel umstelle scheint oft unerheblich. Wichtig ist die körperliche Betätigung, der Ausstieg aus der Herrschaft meines Kopfes über meine Gefühlswelt.
Die körperliche Tätigkeit ist das Seil, die Hand oder die Leiter aus diesem Sog.

Kommt es tagsüber ist das Risiko groß es zu verdrängen, sich abzulenken ohne es zu bearbeiten, bewusst wahrzunehmen und einordnen zu können. Es ist wie ein Flackern, wie der Blitzer am Straßenrand, bei dem man sich fragt, ob er wirklich geblitzt hat.
Es muss verankert werden an körperlicher Tätigkeit ohne großen Anspruch an meinen Kopf damit ich es lösungsorientiert betrachten kann. Dann kann ich planen, Wege zu Lösungen durchdenken.

Tue ich das nicht, schiebe ich es weg, beschäftige ich den Kopf, vergesse ich es und es schleicht sich am Abend oder in der Nacht an wie eine Raubkatze, landet auf meinem Brustkorb und gräbt die Krallen tief in mich. Das schwarze Loch das sich Abends oder Nachts auftut kriege ich dann nur schwer in den Griff, deutlich schwerer als am Tag, im Licht.

Der Block neben dem Bett, der Stift in meiner Hand gibt mir dann Halt.
Ich notiere Stichworte, unsortierte Gedanken, Erwartungen an aktives Handeln, solange bis ich leer bin. Dann spüre ich das Nachlassen der inneren Vibration, das langsamer werden der drehenden Gedanken in meinem Kopf.

Ich kann entspannter, nicht gänzlich entspannt schlafen und bin am morgen fähig den Zettel zu sortieren und einzelne Punkte davon zu bearbeiten.

Habe ich es tagsüber nicht vergessen, holt es mich im Wachzustand ein, setze ich mich hin, noch vor dem Abschließen des Tages und notiere was mir durch den Kopf geht. Die bessere Lösung, aber oft war der Tag so anstrengend, so erschöpfend das ich erst einschlafen muss, um zu merken, dass ich noch nicht fertig bin mit all dem Chaos in meinem Schädel.

Notiert, registriert mein Verstand, die kümmert sich drum, ich darf abschalten, es bleibt nichts unerledigt, es wird nichts vergessen und gibt Ruhe.

All das funktioniert nur weil ich weiß wie ich mit mir umgehen muss, weil ich achtsam bin für Methoden, Verhaltensweisen die mich „denken lassen“ während mein Körper anderes tut.
Diese nehmen mir das Gefühl von Hilflosigkeit, geben mir inneren Widerstand gegen einstürzende Mauern, zeigen mir meine Stärken und meine Fähigkeit mich zu wehren, gegen außen und gegen innen.

In der digitalen Welt mit all den unsortierten Informationen, mit all den Nachrichten, Geschichten und all den offenen Fragen bezüglich meiner Zukunft, meiner Rente, meiner Gesundheit und der Sorgen um die Kinder brauche ich gute Methoden um mich zu erden.

Notiere Deine Methoden. Hänge Dir den Zettel irgendwohin. Lege den Block und den Stift neben das Bett. Bereite Dich vor und lass Dich nicht überrollen, von nichts und niemanden, auch nicht von Deinem Verstand und Deinen Gefühlen.
Schwarze Löcher gibt es immer wieder mal, aber diese Vorbereitungen sind der Halt und der Weg hinaus.

Also:

Halte Du Deine Welt an und steige aus, wenn Du es brauchst, warte nicht bis sie Dich abzuwerfen droht!

Es geht nicht „nur“ um Dich beim Grenzen setzen …

Böah, ich kann es nicht mehr hören, Grenzen setzen! Nein sagen…

 

„Nein sagen lernen…, abgrenzen, mich schützen, auf meine Ressourcen achten, achtsam sein… Ich will das nicht lernen, ich brauch das nicht, ich mag das Gefühl der Grenzenlosigkeit, des über meine Grenzen gehens! Laßt mich doch in Ruhe mit eurem Esoterikzeugs!!!“

All das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kämpfe selbst seit Jahren immer wieder mit meinen Grenzen anderen gegenüber. An manchen Tagen sehe ich ein: Ich brauche Grenzen, an anderen Tagen finde ich das doof! So oder so falle ich oft zurück in altes Verhalten und ärgere mich dann über mich selbst!

Es ist ein gutes Gefühl flexibel zu sein, zu geben, da zu sein für jemanden, ohne etwas dafür zu fordern. Es füllt mich aus, das Loch in meinem Bauch, es macht mich rund, ich fühle mich oft wohl damit. Aber… (immer dieses aber 😉 )

Grenzen setze ich nicht nur für mich, sie sind für andere ebenfalls wichtig!

Es gibt viele Menschen die können mit Flexibilität, Grenzenlosigkeit nicht gut umgehen.

Am Beispiel meiner Arbeit

Grenzenlosigkeit, Bereitschaft zu Flexibilität und Hilfsbereitschaft, wirkt sich bei meinen Klienten manchmal so aus:

  • sie rufen mich nachts an,
  • sie kontaktieren mich Sonntag abends und erwarten eine sofortige Antwort,
  • sie erwarten von mir, das ich etwas gerade biege, was sie vergessen, versäumt, versaut haben,
  • sie wollen dringliche Termine, weil sie etwas verschwitzt haben,
  • sie wollen mir die Verantwortung für ihr Leben übertragen.

Ich stehe dann echt dumm da – denn ich mag sie ja, würde Ihnen gerne jederzeit zur Seite stehen –  brauche ja aber auch meine Freizeit, meine Regenerationszeit.

Jedes Mal habe ich es bei dem „übergriffigen“ Klienten dann aber ja selbst verbockt, nicht erkannt wie ich mich selbst überlistet und ihn in seinen Fähigkeiten überfordert habe. Habe gerade mal schnell für…XY… „irgendwas“ getan, weil ich es kann, weil es mir leichter fällt als ihm, weil ich Zeit hatte, weil ich nicht genug nachgedacht habe, weil es schneller ging…, außerhalb der Arbeitszeit. Habe die Grenze für ihn, seinen Wahrnehmungsfähigkeiten entsprechend nicht klar genug gezogen: (für mich ist sie ja klar…)

Ja ich mag Dich, ja ich arbeite gerne mit Dir – Nein, wir sind keine „privaten“ Freunde! In meiner Freizeit arbeite ich nicht!

Als Psychologe ist man immer „auf Arbeit“. Auch im Privatleben wird einem ja grundsätzlich unterstellt man analysiere stets und ständig. Daher wird man auch immer wieder „arbeitsmäßig“ angesprochen.

Auch während der Arbeitszeit wirkt es von außen manchmal schweirig die Trennung von Job – Privat einzuschätzen. Da passiert es schnell, weil man ja eine Beziehung aufbaut – eine „Arbeitsbeziehung“ das jemand das nicht mehr von etwas „privatem“ unterscheiden kann. In einer „Arbeitsbeziehung“ baut man ja Vertrauen zu mir auf, berechtigter- und notwendigerweise, denn ich stehe unter Schweigepflicht, kann gut zuhören, verändere Blickwinkel, nehme mir Zeit, etc. …und das kennt man meist nur von engen Freunden.

Es entsteht Nähe, die ist oft notwendig ist , aber  von manchen eben verwechselt wird mit mehr als einem „Dienstleister-Kunde-Verhältnis“.  (Tut echt weh das so zu beschreiben! 😦 )

Diese Klienten / Kunden haben da ein Defizit in der Wahrnehmung. Das wird dann thematisiert und  – damit arbeiten wir dann… denn das ist mein Job!

Privat finde ich es aber noch schwieriger, wenn jemand meine mangelnde Grenzsetzung ausnutzt und mich überrollt. Dann fühle ich mich manipuliert, fühle mich überfordert, kriege mein Leben nicht so gut hin wie ich es möchte. Das tut mir nicht gut.

Nun habe ich mehrfach die Erfahrung gemacht – Grenzüberschreiter im privaten haben auch ein Defizit! Es fehlt Ihnen an dem Einfühlungsvermögen zu merken wo meine Grenze ist und nicht nur meine… Es fehlt oft grundlegend an dem Gefühl für Grenzen, an den Skrupeln sich selbst welche zu setzen, bevor man andere überfordert, an der Fähigkeit zur Selbstrefelektion oder der Fähigkeit nicht nur sich selbst in den Mittelpunkt des Seins zu stellen.

Mit den Menschen in meinem privaten Umfeld kann / will / darf / soll ich nicht arbeiten. Die Erkenntnis das ich diesen Menschen aber doch helfen kann, wenn auch anders als meinen Klienten – hat auch mir geholfen!

Ich setze Grenzen – nicht für mich, sondern für Dich!

(Bla, bla , bala… ich halte es aus mich auch mal nicht so gut zu fühlen… bla, bla, bla…)

Ich setze Grenzen – für andere!

  • für all jene die das nicht so gut können
  • für die, die nicht so ernst genommen werden, wie ich,
  • für die, die die Grenzen bei anderen nicht so gut sehen, spüren
  • und für die, die diese Grenzen bei anderen nicht interessieren.

Ich setze Grenzen, sage Nein, damit andere Menschen spüren wo Grenzen sind, Grenzen erkennen lernen, Grenzen anerkennen, ein Nein akzeptieren lernen.

Ich setze Grenzen und sage Nein! nicht / oder weniger für mich (das kann ich nämlich nicht so gut 🙂 ) , ich setze sie für Dich! für alle anderen – und das kann ich dann sehr gut!

Damit mein / Dein Gegenüber erkennen kann, gelernt hat, spürt – wo meine / Deine Grenze ist!

Seitdem ist Grenzen setzen und Nein sagen viel einfacher geworden 😀

 

PS: Das Bild wurde mir mal von einem Bekannten geschickt. Der Kontakt ist abgebrochen, ich hoffe ich verletzte keine Urheberrechte…falls doch lösche ich es sofort wieder! Einfach Bescheid sagen!

 

 

 

Plan- und Ziellos vor lauter Baustellen

„Ich stehe mal wieder am Anfang, oder am abgebrochenen Weg, mittendrin, am Ende? Hilfe, ich weiß noch nicht mal mehr wo ich stehe! Eigentlich stehe ich auch nicht, ich schwirre, schwebe, laufe, renne, nein ich stehe in meinem Leben, ich hänge fest. Ich gehe drei Schritte nach vorne, habe Angst das es verkehrt ist und gehe wieder zurück zu dem, wovon ich glaube das es der Platz war an dem ich zuvor gestanden habe. Ich habe meine Ziele verloren. Oder nein, ich bin zu alt, zu lange verkehrt gelaufen um sie zu erreichen und überhaupt weiß ich gar nicht ob es jemals meine waren. Ich bin gar nicht so wie ich sein wollte, wie versucht habe mich zu sehen. Ich weiß gar nicht mehr wer ich bin, wo ich hin will. Ich gehe einfach Schritt für Schritt weiter, weil das eben so ist und weil man ja nicht dauerhaft stehen bleiben kann. Ich hab immer Angst, vor vielem und vielen, vor dem Versagen, dem versagt haben im Spiel des Lebens. Ich komme mir vor als käme jetzt nichts mehr, wenn ich doch schon kein erreichbares Ziel mehr habe. Ich kann doch nicht ab jetzt darauf warten das mein Leben vorbei ist?“

Erschüttert höre ich Aussagen wie diese immer häufiger, sitzt mir eine Frau gegenüber, deren Gesichtszüge mehrfach für Sekundenbruchteile ungewollt entgleist, die ohne Luft zu holen ihr Hilfegesuch heraussprudelt, oder ein Mann, dem die Tränen in den Augen stehen und der langsam, schleppend fast dasselbe sagt.

Diese kleinen diffusen und auch großen, überwältigenden Ängste, diese Krise, dieses innere und äußere Chaos.

Das sind die Zeiten in denen alles in Frage stet, in denen man es nicht mehr aushält, endlich alles ändern will. Alles auf einmal beginnt und dann die Kraft verliert und auf halber Strecke nicht mehr vor oder zurück kommt.

Das sind die Zeiten in denen man sich in Zweifel zieht, das eigene bisherige, jetzige und zukünftige Leben, alles was man ist, tut, getan hat und wenn man könnte, auch alles was man jemals tun wird abwertet, weil man sich so klein, so unsicher, so „verkehrt“ fühlt.

Zu mir kommen diese Menschen dann, wenn sie es nicht mehr aushalten und sich zu sehr schämen mit anderen darüber zu reden. Manchmal kurz vor dem Aufgeben, manchmal wütend auf die Welt in der sie keinen Platz zu haben scheinen, oder die sie ganz einfach falsch eingeschätzt haben.

Meist haben sie dann schon lange an vielen Fronten gekämpft,

mit einem Beziehungspartner und dessen sozialem Umfeld,
mit dem Job und den Aussichten die dieser bietet,
mit sich, den eigenen Erwartungshaltungen, Zweifeln, Ängsten,
mit diversen kleinen und großen Lebenskrisen.

Sie haben sich verausgabt, sich chronisch überlastet, sind eben einfach brav funktionierend immer weitergegangen und haben dabei ihre persönlichen Ziele aus den Augen verloren, aufgegeben, zugunsten anderer oder weil die Lebenssituation es erforderte.

Nun ist Chaos um sie herum, weder sie noch ihr Umfeld kann die gelebten Strukturen so aufrechterhalten das sie nicht schier Unmengen von „aktuell nicht vorhandener“ Energie fressen. Ständige Müdigkeit, ein Gewirr aus negativen Gefühlen, Traurigkeit, Wut, Wert- und Hilflosigkeit sind die Folge.

Hier eine neue Perspektive zu geben fällt mir manchmal schwer. Zieht es mich doch in diesen Sog von „zu viel“ und mein Kopf ist voll mit unterschiedlichen Strategien für die einzelnen Punkte. Erst mit Abstand, auf Distanz zeigen sich neue Wege, Lösungen, auch für den Therapeuten.

Daher, kurze Pause!

So, jetzt, als erstes – umbennenen! Das Chaos heißt nun ungeordnet, nicht mehr Chaos! Ungeordnetes kann man ordnen, also Prioritätenliste: Per Brainstorming eine Liste der Baustellen niederschreiben, dann mit Strichen dahinter die Priorität für das „Überleben“ bewerten.

Gut, der erste Schritt ist getan. Nun Platz schaffen für mehr Ordnung:

Die drei wichtigsten Prioritäten bekommen Zeit, für ein weiteres Brainstorming:

Verbindungen zu anderen Themen
schon probierte Lösungswege
Menschen die man um Hilfe bitten oder fragen kann
Ideen was man noch probieren könnte, mit Stichworten was man dazu bräuchte.

Sieht schon recht ordentlich aus!

Nun den Rest: Übertragen in eine nach der Häufigkeit der Listen sortierte Rheinfolge – auf Karteikarten, bzw. geviertelte DIN A4 Blätter. Vorne die Baustelle, hinten das gleiche Prozedere wie bei den Prioritäten. Dann ab in eine Kiste damit, eine Schachtel oder ähnliches. Ist eine der großen Prioritäten abgearbeitet oder liegt auf Halde (man kann gerade nichts machen), kommt eine aus der Kiste dran.

Sehr schön!

Nicht das dies alles wirklich ihre (oder meine) schwierigen Lebenssituationen lösen, ändern, wegzaubern würde. Es verhindert das wir kopflos herumlaufen und das ungeordnete vergrößern oder etwas Unwiderrufliches tun. Es beendet das Gefühl der Hilflosigkeit, bringt uns aus der Verwirrung ins tun, ins Angehen und ins weiterleben. Mehr muss es auch nicht.

Wer mehr will, mehr Begleitung, mehr Hilfe, mehr Unterstützung, der muss sich diese einfordern. Dabei sollte er/sie darauf achten, wo sie die Grenze setzen, ab der sie sich das erlauben.

Bitte nicht erst dann wenn Sie ganz kraftlos sind! Dann ist es echt schwer Sie dort wieder herauszulotsen… erlauben Sie es sich doch einfach dann, wenn Sie das Gefühl haben, es ist zu viel für Sie, denn Ihr Gefühl wird Sie in diesem Fall eher nicht betrügen, oder zumindest weniger als Sie selbst dazu neigen zu denken, da geht noch was …

😉

Das Loch in meinem Bauch

Früher dachte ich, wenn ich erwachsen bin und in allen Belangen weiß was ich will und auch tun kann was ich will, dann geht es mir gut. So richtig rund herum gut.
Ich bin dann frei, kann entscheiden was ich will und Entscheidungen verändern wann und wie ich will.
So oder so ähnlich ist es ja auch, aber leider nur so ähnlich.
Denn zum gut gehen, so richtig rund herum gut gehen, würde es gehören das dieses Loch verschwindet.

Welches Loch fragst Du?
Na, dieses Loch in meinem Bauch, dieses nimmersatte, immer wieder auftauchende Loch. Getarnt als Sehnsucht, als Gier, als Leere. Das Loch das sich immer und immer wieder breit macht in mir.

Seit ich denken kann stopfe ich es.
Dann scheint es mal für eine Weile gefüllt, zufrieden, bis es sich oft völlig unerwartet wieder auftut und mit gähnender Leere und unendlich scheinender Tiefe mitten in mir ist. Könnte es so wie es wollte würde es mich sicher verschlingen und manchmal, kaum vorstellbar aber wahr, wünsche ich es täte genau das!
Es ist so anstrengend!
Ich kann es nicht lange ignorieren wenn es da ist, ich kann es nicht bitten zu verschwinden und mal eine Pause zu machen, mich verschnaufen zu lassen, es reagiert auf nichts, außer auf Futter.

Immer wieder muss ich nach etwas suchen womit ich es stopfen kann, denn tue ich es nicht versinke ich in dieser Leere. Es ist nicht auszuhalten ohne es zu verschließen und sei es nur für eine Stunde, einen Tag.
Also arbeite ich wie blöde und fülle es mit Leistung, oder ich stopfe es mit Essen, Alkohol, Lesen, Filmen, Menschen oder Drogen. Es ist ja recht genügsam mit dem Füllmaterial. Es muss nicht immer dasselbe sein, nur viel von dem was ich hineintue. Ach ja, Sex geht auch, Anerkennung, manchmal reicht es einkaufen zu gehen, Hauptsache ein Übermaß damit es wieder mal für eine Zeit gefüllt ist.

Manchmal komme ich mir vor wie eine Maschine. Immer dann, wenn es da ist und von mir gefüllt wird ohne das ich das merke. Denn manchmal fülle ich es, wie ein Schlafwandler, gar nicht bei der Sache und doch immer fleißig „stopf, stopf, stopf“ bis es zu ist. Bis ich es nicht mehr spüre, dieses innere, unsichtbare, mich ganz verschlingende, mich erdrückende, triebhafte Ding. Wie eine Würgeschlange hat es mich im Griff, bösartig oder lockend, je nachdem welche Strategie wirkungsvoller ist treibt es mich an und ich fülle, mit Zigaretten, mit arbeiten bis zum Umfallen und darüber hinaus, mit Mahlzeiten die einem schwer arbeitenden zustehen würden, von denen mir dann aber nur schlecht ist.

Ich weiß es taucht wieder auf, wird niemals ganz verschwinden, nie aufhören mich zu foltern. Ich habe es erforscht, weiß woher es kommt und kann es trotzdem nicht los werden.
Da hat erwachsen werden nichts genutzt.
Vor der Sehnsucht nach dem was ich früher nicht haben konnte, was man mir nicht geben wollte, vor der Leere kann ich nicht weglaufen. Die hat sich in mir ein Nest gebaut, ein unsichtbares, unstillbares Verlangen, dass kein Arzt entfernen, dass kein Mensch füllen kann, nicht dauerhaft, auch ich nicht…

Immer wieder Anlauf nehmen!

Tagtäglich habe ich mit Menschen zu tun, deren Eltern versagt haben.

Warum ist dabei nebensächlich! Wichtiger ist, die Kinder sehen es Ihnen meist nach, verzeihen, wollen trotzdem geliebt und anerkannt werden und geben die Hoffnung nicht auf dies eines Tages zu erleben.

Immer wieder versuche ich diesen erwachsenen „Kindern“ zu erläutern, dass sie keine Schuld am Versagen der Eltern haben, keine Verantwortung für deren Unfähigkeit übernehmen müssen und das diese Eltern es nicht anders konnten, wollten…

Dabei ist es völlig egal ob die Eltern überbehütend, kontrollierend, manipulativ oder grausam waren. Kinder sind schuldlos! Immer! Und tragen für den Rest ihres Lebens die Spuren mit sich, ähnlich körperlichen Narben, sichtbar wenn man genau hinschaut und spürbar.

Es ist nicht heilbar, man kann es verschleiern, man kann es verstecken, man kann es versuchen zu vergessen, verdrängen, wegsaufen, kiffen, oder wegarbeiten. Es bleibt und nur eine ständige Auseinandersetzung damit hilft daran nicht zu erkranken, oder unterzugehen.

Diese Auseinandersetzung hört nicht auf, egal wie alt man wird, egal wieviel man erkannt und verstanden hat, die Verhaltensmuster der Kindheit schlagen immer wieder zu und geben einem das Gefühl schon wieder in die Falle gegangen zu sein, wieder am Anfang zu stehen.

Ganz ehrlich?! Ja, das ist so! Diese Kinder stehen immer wieder da wie am Anfang als sie begannen daran zu arbeiten. Und? Schlimm? Nein, es ist eben einfach so und das mauss man akzeptieren – wehren hilft nicht!

Jedes Kind aus einem Elternhaus in dem die Eltern keine „Fähigkeit“ besaßen Eltern zu sein wird immer wieder „gefühlt“ am Anfang des Veränderungsprozesses landen. Wird gefangen von den Verhaltensmustern die es in der Kindheit gelernt hat. Diese sind zu Reflexen geworden, überfallen das Kind aus dem Hinterhalt und kehren immer und immer wieder zu ihm zurück, auch wenn es denkt es hat alles im Griff.

Aber das ist nicht schlimm oder schrecklich. Jedes Kind aus einem solchen Elternhaus hat dadurch Fähigkeiten erworben die andere Menschen so nicht haben. Fähigkeiten die diesem Kind selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Fähigkeiten die es sehen lernen muss, statt sich immer nur auf sein erneutes Versagen der Ablösung und Veränderung zu konzentrieren. Fange an Dich genau anzuschauen und Du wirst sehen was Du besser kannst als alle anderen!

Es geht nicht um ein „Fertig“ werden mit den Eltern, um ein „besser machen“, oder darum ein Verhalten abzulegen. Es geht darum dieses alles bewusst zu erleben, Vor- und Nachteile, und neue Entscheidungen für eigenes Verhalten zu treffen. Schuldgefühle als das zu sehen was sie sind, ungerecht, unangemessen und nicht sinnvoll. Und dann wieder dagegen anzugehen Verhalten zu wiederholen von dem man nicht mehr machen sollte, aufzuhören mit der ewigen Rebellion in Form eines Selbstboykotts, aufzuhören mit der ablehnenden Haltung gegen Hilfen um Abhängigkeiten zu vermeiden, und aufzuhören mit den ständigen Selbstzweifeln ob man endlich mal reicht, genug ist, genug getan hat.

Wie das alles geht? Immer wieder anfangen ist die Lösung!

Immer wieder von neuem anschauen was man getan hat, was man erreicht hat, Ziele setzen, vorwärts gehen, aber in dem Wissen und der Akzeptanz dafür, dass man auf seiner Vergangenheit aufbaut, aber der Aufbau ein eigener sein kann und soll.

Nicht aufhören – auch wenn es nie aufhört. Nicht aufgeben – auch wenn es Kraft kostet und es sich doch immer wiederholt. Denn es ändert sich bei jedem wieder aufstehen, ein bisschen, ein bisschen mehr und es wird immer einfacher – ganz sicher!