2020/2021 – Abschied und Neubeginn?

Es wird viel geschrieben, geredet und diskutiert über die aktuelle Situation 2020/2021. Unsere Seifenblase der Absicherung gegen „fast“ alles ist geplatzt. Das Gefühl es ginge immer so weiter wie bisher in unserer Lebenszeit ist vorbei und zurückgeblieben ist Unsicherheit die uns tagtäglich unter Stress setzt.

Aus dem Ausland sieht das was in Deutschland passiert, getan wurde gut und ziemlich erfolgreich aus, erzählt man mir. Hier bei uns ist es unruhig und viele Menschen sind unzufrieden mit der Regierung und den Regelungen die diese trifft. Egal wie man es beurteilt, etwas Besseres als das was ist haben wir nicht. Es ist kein Traum, aus dem wir aufwachen werden und alles ist wie vorher, unser Leben wird anders sein als zuvor. Jeder von uns muss sich daher jetzt damit beschäftigen wie er in Zukunft leben will, in dieser fragilen Welt, in dieser aktuell und auch in Zukunft gespaltenen Gesellschaft, mit dieser neuen aber dauerhaft bestehenden Instabilität die unsere Leben zutiefst erschüttert hat.

Es sind viele Artikel erschienen zur Bewältigung der Situation, zur Vermeidung von Ängsten, Stress, zur Bewältigung der Veränderung. Fakt ist aber, wir haben für das was wir seit März 2020 erleben keine Verhaltensnormen, keine Anleitung wie wir damit umgehen können. Wir müssen daher unser Leben alleine und miteinander neu „erfinden“.

Es ist ähnlich wie die Auflösung der DDR. Alles sah aus wie zuvor, die Natur, die Häuser, die Menschen. Aber von einem Tag auf den anderen war ein Land abgeschafft worden. Vieles was zuvor „wahr“ oder „richtig“ erschien, galt so nicht mehr. Menschen mussten ihr Leben, ihr Denken, ihr Verhalten, ob sie wollten oder nicht, völlig verändern. Wahrscheinlich kennt jeder jemandem dem das sehr gut gelungen ist und auch jemand anderen der völlig aus der Bahn geraten ist. Geforscht wird zu diesem und ähnlichen Themen dazu aktuell unter anderem in Mainz „DDR-Psych„, in Jena und Dortmund, Erlangen Nürnberg, Greifswald-Rostock „SiSaP“.

Wahrscheinlich gibt es viele Gründe warum Menschen so unterschiedlich gut oder schlecht mit der aktuellen Situation umgehen können. Bestimmt hängt es mit ihrer Resilienz, ihrer Flexibilität, ihrer Vulnerabilität und vielem mehr zusammen.

So oder so muss jeder von uns durch diese Zeit und kann in weiten Teilen selbst bestimmen, ob dies mehr oder weniger erfolgreich geschieht. Es ist wie dieser Spruch mit den Gläsern, halbvoll – halbleer, jeder einzelne bestimmt über seine geistige und körperliche Gesundheit u.a. durch seine Perspektive auf die Situation. Das bedeutet im Klartext:

Du bist der aktuellen Situation nicht ausgeliefert!

Es gibt viele Tipps, die Du im Netz finden kannst, von Podcasts zur Prokrastination (Aufschieberitis), oder Vera F. Birkenbihl Videos mit denen Du Dich und Dein Verhalten reflektieren kannst, über online Lehrgänge mit denen Du Dein Wissen erweiterst, wie HPI, das Auditorium Netzwerk, die immer wieder kostenlose Seminare anbieten. Der Chaos Computerclub mit seinem Podcast vermittelt sein Wissen und seine Einschätzung zur politischen Lage, verständlich und oft mit viel Humor. Ich könnte noch lange so weiter machen, aber jeder der möchte findet sicher etwas mit dem er sich beschäftigen mag, mit sich oder mit anderen oder mit Wissen.

Denn auch wenn unser Leben in vielerlei Hinsicht anders ist, viele Möglichkeiten, die zuvor selbstverständlich waren, nicht mehr vorhanden sind, es eingeengter und reduzierter erscheint, so haben sich dafür andere Türen geöffnet, Freiräume ergeben.

Also entscheide heute und jeden weiteren Tag neu – halbvoll? halbleer?

PS: Ich selbst betrachte Corona als eine Art Serie im Fernsehen. Es erscheinen ständig neue Folgen, ich kann sie sehen, muss nicht, je nachdem wie es mir gerade geht, ich Zeit und Lust habe. So oder so kann ich durch diese Sicht auf Corona Distanz schaffen zwischen mir und der Belastung. Fernseher an oder aus?

„Jedermann erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ Max Frisch

Da könnte man sauer sein auf Herrn Frisch, denken er hält uns alle für Erfinder von Lebensgeschichten, für Maskenträger, Lügner und Betrüger.

In Wirklichkeit jedoch hat er nicht nur Recht, wir können auch gar nicht  anders. Wir suchen nach einem roten Faden, nach einem Sinn, nach Zusammenhängen und ordnen denen dann Ereignisse in unserem Leben zu.

Das beste an dieser Aussage jedoch ist: Jedermann erfindet sich früher oder später

/ so oft er will, wann er will, mit jeder Entscheidung, in jedem Augenblick /

nicht nur

eine Geschichte, die er für sein Leben hält.

Sondern sich selbst und seinen Lebensweg neu!

Das ist jeden Tag, jede Stunde, jede Minute möglich!

Du willst etwas ändern – beginne wann immer Du magst – weil Du es kannst!

Ist das nicht wundervoll?

Zu schnell, zu viel, zu wenig: „Haltet die Welt an, ich will aussteigen.“

Es gibt diese Tage, an denen ich verstehe und fühle was dieser Spruch aus den 80-ern wirklich bedeutet.

Diese Tage an denen viele Informationen, Erwartungen, Fragen mich überrollen, ich das Gefühl habe von allem erstickt zu werden. Ich bin dann hoffnungslos überfordert, hilflos ausgeliefert und völlig kraftlos.
Das sind die Tage, an denen ich denke, halte doch jemand mal die Welt an, ich muss nachdenken, ich brauche eine Auszeit, jetzt, hier, sofort!

Ich wünsche mir, das ich mich zumindest kurz orientieren darf, aber ich muss weiter, Pause ist nicht.

Das sind die Zeiten, in denen ich zu viele Informationen bekomme, politische und gesellschaftliche, private, öffentliche. Überflutet von realen Ängsten, von Verschwörungstheorien und Katastrophenszenarien bin ich ängstlich und befürchte das „Ende der Welt“, wie ich sie kenne.

Das sind Tage an denen viele Erwartungen auf einmal an mich gestellt werden, ich schnelle Entscheidungen treffen soll, ohne die Chance zu haben mir die Hintergrundinformationen zu beschaffen.
Momente in denen Menschen von mir Antworten für ihre existentiell relevanten Fragen erwarten und ich mich zu klein und so dumm um diese schnell und so effektiv beantworten zu können.

Das ist der Augenblick, in dem alles es scheint als liefe alles schief, ich das Gefühl habe meine Lebensplanung funktioniert nicht, ich mich und mein Leben, meine Kompetenzen hinterfrage, in meine eigene existentielle Krise rutsche.

Diese Krise baut dann rasend schnell all meine Schwächen, mein Nicht-Wissen, wie Mauern vor mir auf und ich kann nichts anderes mehr sehen. Meine Stärken scheinen transparent und dann durchsichtig zu werden und verlassen mich inmitten meines scheinbaren Versagens.

Ich möchte in meinem Bett verschwinden, weglaufen, nichts hören, nichts sehen, nichts wissen.

Alles was ich zuvor wusste, zu wissen glaubte, wird unsicher, alles was ich geleistet habe wertlos und was ich glaubte leisten zu können scheint unmöglich zu bewältigen.
Meine mich zuvor schützenden Mauern, meine scheinbaren Stärken stürzen zusammen, werden als Lug und Trug entlarvt, als Einbildung von mir wahrgenommen und begraben mich unter sich, so dass ich mich schwer, bewegungslos und mutlos fühle.

Manchmal werde ich dann panisch vor Überforderung und ich ertrinke in Gedanken die kreuz und quer rasen, unstrukturiert, scheinbar sinnlos aneinander gereiht.

Das ist keine Krankheit, keine „Depression“, kein „Burn out“ oder ähnliches, das ist Leben, Alltag, das ist normal!

Dagegen hilft kein Medikament, das all das nur „egalisiert“ und verschiebt. Dagegen helfen Strategien und Rituale, Strukturen, Verhaltensweisen, die zuvor ausprobiert und für gut befunden wurden.

Ob ich dann spazieren gehe, Sport treibe, putze oder Möbel umstelle scheint oft unerheblich. Wichtig ist die körperliche Betätigung, der Ausstieg aus der Herrschaft meines Kopfes über meine Gefühlswelt.
Die körperliche Tätigkeit ist das Seil, die Hand oder die Leiter aus diesem Sog.

Kommt es tagsüber ist das Risiko groß es zu verdrängen, sich abzulenken ohne es zu bearbeiten, bewusst wahrzunehmen und einordnen zu können. Es ist wie ein Flackern, wie der Blitzer am Straßenrand, bei dem man sich fragt, ob er wirklich geblitzt hat.
Es muss verankert werden an körperlicher Tätigkeit ohne großen Anspruch an meinen Kopf damit ich es lösungsorientiert betrachten kann. Dann kann ich planen, Wege zu Lösungen durchdenken.

Tue ich das nicht, schiebe ich es weg, beschäftige ich den Kopf, vergesse ich es und es schleicht sich am Abend oder in der Nacht an wie eine Raubkatze, landet auf meinem Brustkorb und gräbt die Krallen tief in mich. Das schwarze Loch das sich Abends oder Nachts auftut kriege ich dann nur schwer in den Griff, deutlich schwerer als am Tag, im Licht.

Der Block neben dem Bett, der Stift in meiner Hand gibt mir dann Halt.
Ich notiere Stichworte, unsortierte Gedanken, Erwartungen an aktives Handeln, solange bis ich leer bin. Dann spüre ich das Nachlassen der inneren Vibration, das langsamer werden der drehenden Gedanken in meinem Kopf.

Ich kann entspannter, nicht gänzlich entspannt schlafen und bin am morgen fähig den Zettel zu sortieren und einzelne Punkte davon zu bearbeiten.

Habe ich es tagsüber nicht vergessen, holt es mich im Wachzustand ein, setze ich mich hin, noch vor dem Abschließen des Tages und notiere was mir durch den Kopf geht. Die bessere Lösung, aber oft war der Tag so anstrengend, so erschöpfend das ich erst einschlafen muss, um zu merken, dass ich noch nicht fertig bin mit all dem Chaos in meinem Schädel.

Notiert, registriert mein Verstand, die kümmert sich drum, ich darf abschalten, es bleibt nichts unerledigt, es wird nichts vergessen und gibt Ruhe.

All das funktioniert nur weil ich weiß wie ich mit mir umgehen muss, weil ich achtsam bin für Methoden, Verhaltensweisen die mich „denken lassen“ während mein Körper anderes tut.
Diese nehmen mir das Gefühl von Hilflosigkeit, geben mir inneren Widerstand gegen einstürzende Mauern, zeigen mir meine Stärken und meine Fähigkeit mich zu wehren, gegen außen und gegen innen.

In der digitalen Welt mit all den unsortierten Informationen, mit all den Nachrichten, Geschichten und all den offenen Fragen bezüglich meiner Zukunft, meiner Rente, meiner Gesundheit und der Sorgen um die Kinder brauche ich gute Methoden um mich zu erden.

Notiere Deine Methoden. Hänge Dir den Zettel irgendwohin. Lege den Block und den Stift neben das Bett. Bereite Dich vor und lass Dich nicht überrollen, von nichts und niemanden, auch nicht von Deinem Verstand und Deinen Gefühlen.
Schwarze Löcher gibt es immer wieder mal, aber diese Vorbereitungen sind der Halt und der Weg hinaus.

Also:

Halte Du Deine Welt an und steige aus, wenn Du es brauchst, warte nicht bis sie Dich abzuwerfen droht!

Weihnachten

Als Kind habe ich Weihnachten gefürchtet.

Diese vielen Überlegungen vorher, was sich wohl wer in der Familie und im Freundeskreis von mir wünscht …
Diese Hektik vorher, die Eltern arbeiten bis auf den letzten Drücker, heilig Abend muss dann schnell alles gerichtet und vorbereitet werden …

Ritual war, mit meinem Vater auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und ein Geschenk für meine Mutter zu kaufen.
Mit ihm alleine unterwegs zu sein fühlte sich fremd an, alles schien anders als sonst, meine Sinne sensibilisierter, offener.

Wir fuhren mit dem Zug. Für mich etwas sehr Seltenes, spannendes aber auch angsteinflößendes. Ich war mir nie sicher, ob wir rechtzeitig aussteigen würden, ob wir nicht doch den Zug nach Hause verpassten. Ob Mama dann nicht böse auf uns sein würde …

Der Weihnachtsmarkt war groß und laut und voller Menschen die keine Zeit zu haben schienen. Wir hatten Zeit. Mein Vater trank erst mal Glühwein und ich bekam ebenfalls ein heißes Süßgetränk. Es kühlte schnell ab und schmeckte dann gar nicht mehr gut, aber es war etwas Besonderes und bezahlt und daher würgte ich auch alles in mich hinein. Ich wollte meinem Vater gefallen, sein großes Mädchen sein. Es gab noch eine Bratwurst im Brötchen, ohne Ketchup oder Senf, damit ich nicht bekleckert nach Hause kam und meine Mutter mit Papa schimpfen könnte.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ging es dann in ein großes Kaufhaus. Nach der Kälte draußen fing ich in meiner dicken Winterjacke schnell an zu schwitzen. Ich konnte sie öffnen, aber ausziehen war nicht möglich. So rannte ich mit meinen kurzen Beinen in dem Menschengetümmel, den vielen großen Ständern und Regalen, hinter meinem Vater her. Dieser, so weiß ich heute, suchte um sich blickend eine Inspiration für ein Geschenk. Damals verstand ich nicht, wie viel Wert Erwachsene in Partnerschaften auf das richtige Geschenk legen. Mir war nur heiß, ich fühlte mich überfordert, hatte das Gefühl in meinem Bauch rolle etwas in meinem Magen hin und her. Das ängstigte mich, denn meinen Vater zu bitten mir eine Toilette zu suchen wäre peinlich, hätte irgendwie ein Versagen meinerseits bedeutet.

Hatte mein Vater gefunden was er suchte, machten wir uns auf den Heimweg. Wir sprachen die ganze Zeit kaum miteinander. Er schien ebenso wie ich angespannt. Vielleicht war auch er unsicher mir gegenüber. Vielleicht hatte er Befürchtungen in Bezug auf das Fest, ich weiß es nicht.

Vom Bahnhof nach Hause liefen wir. Vor lauter Reizüberflutung und Kälte kamen wir müde und genervt an.
Meine Mutter hatte in der Zeit unserer Abwesenheit alles für das Weihnachtsfest vorbereitet. Das Essen, den Weihnachtsbaum und wohl auch die Geschenke gerichtet. Sie war ebenso erschöpft wie wir.
So bedeutete das Zusammentreffen unserer Familie über kurz oder lang Streit über Kleinigkeiten.
Sie dachte wohl, wir hätten unendlichen Spaß ohne sie gehabt. Sie teilte uns Aufgaben zu, die wir, müde wie wir waren schnell zu erledigen versuchten. Egal ob es mein Gesichtsausdruck war, der Ton meiner Antwort, irgendetwas sorgte immer für den Ausbruch eines Wutanfalls. Geschrei mit mir, dann der Eltern untereinander und am Ende, Tränen meinerseits.

War dann endlich alles soweit fertig, gab es ein weiteres Ritual. Alle legten sich für eine Stunde schlafen oder ruhten sich zumindest aus. Argument: der Abend würde lang werden. Natürlich konnte ich nicht schlafen oder ruhen. Ich lag in meinem Bett, aufgewühlt und verletzt, wäre am liebsten weggelaufen und schon da hasste ich Weihnachten, wollte nur noch das dieser Abend vorbei wäre. Die Kritik meiner Mutter an allem was ich die letzten Stunden getan hatte spukte durch meine Gedanken und meist weinte ich und dachte darüber nach, ob ich mich wirklich so schrecklich benommen hatte. Oft schlief ich dann doch ein.

Mit den Kindern, die ich kannte sprach ich nie über das Fest, nur über Geschenke. So schien es mir, als ob alle anderen ein schönes Fest hatten und nur ich voller Ängste war und Weihnachten so katastrophal fand.

Irgendwann dann wurde ich geweckt oder hörte ich Geräusche und wusste meine Eltern waren aufgestanden. Wurde ich geweckt war ich verschlafen und lustlos. Ich zog mir meine Festtagskleidung an, in der ich mich wie die meisten Kinder nicht wirklich wohlfühlte.

Gemeinsam wurden die letzten Vorbereitungen für das Essen getroffen und dabei bemühte sich jeder nicht erneut für Streit zu sorgen. Während des Essens drehte sich das Gespräch um alles mögliche und als ich älter war, galt es den Themen aus dem Weg zu gehen die Ärger verursachen könnten. Auch achtete ich darauf nicht zu schnell und nicht zu langsam zu essen, schön anständig zu sein und mich nur ja nicht zu bekleckern.

Meine Mutter hob dann die Tafel auf, ging aus dem Raum und läutete ein Glöckchen. Mein Vater und ich gingen daraufhin ins Wohnzimmer und blieben „andächtig„ im Raum stehen und zeigten unsere Bewunderung für den Weihnachtsbaum. Ich konnte nie verstehen, warum die Tradition verlangte einen Baum ins Zimmer zu stellen. Nicht nur das er draußen besser aufgehoben gewesen wäre, nadelte er nach kurzer Zeit und machte Dreck, über den sich die Eltern dann ärgerten. Ich fand ihn auch nicht hübsch. Mit Schnee bedeckte Tannen im Wald sahen schöner aus.

Die Schallplatte mit den Weihnachtsliedern lief, während meine Eltern mit mir in Schweigen vor dem Baum saßen. Mir wurde ein Geschenk gereicht und sie sahen mir beim Auspacken zu. Ich erinnere mich gut an die „gefühlte“ Erwartungshaltung, an das Wissen, dass es erst etwas Praktisches sein würde, was ich sowieso brauchte, dass das Spaßgeschenk erst am Ende käme. Ich fürchtete mich jedes Jahr vor diesem Auspacken, fand es schrecklich mich über Socken und Unterwäsche freuen zu müssen. Aber als ich klein war fürchtete ich, wenn ich nicht genug Freude über die praktischen Dinge zeigte, bekäme ich die für mich schönen Sachen vielleicht nicht. Ich bemühte mich also zu jubeln und mich so offensichtlich wie möglich zu freuen. Es war anstrengend. Auch meinen Eltern sah ich an, dass sie sich nur mit Mühe über meine Geschenke freuten, über die Topflappen, die Bilder, das Geschnitzte oder Gebastelte, mit den sie nie wirklich etwas anfangen konnten. Ich glaubte ihre Bewertung meiner Fähigkeiten, meines Einfallsreichtums zu spüren. Einbildung? Ich weiß es nicht.

Danach saßen wir noch zusammen. Ich durfte spielen, meine Eltern schauten mir zu. Endlich wurde alles etwas entspannter, sodass ich mich zu fragen traute, ob ich in mein Zimmer dürfe. Nach Nachfragen, ob ich glücklich sei und bekommen hatte was ich mir wünschte, was ich so überzeugend wie möglich bestätigte, durfte ich mich in mein Zimmer entfernen.

Dort setzte ich mich meist erst ans Fenster, meinen Teddy im Arm. Ich betrachtete die Fenster, dachte über die anderen nach und wie sie wohl Weihnachten feierten. Ich war froh das unser Weihnachten fast vorbei war. Alles was jetzt noch anstand war ein Mitternachtsspaziergang. Vielleicht schauten auch meine Eltern sehnsuchtsvoll in die Fenster anderer Familien, vielleicht glaubten sie auch bei denen sei es ohne Streit und Stress gewesen?

Heute weiß ich, dass die meisten Menschen Weihnachten so ähnlich verbrachten wie wir. Damals glaubte ich, ich sei nicht brav genug, hätte mich nicht genug angestrengt, hätte Weihnachten mal wieder in einer Katastrophe für meine Familie verwandelt.

Lange Jahre später habe ich, nachdem mein Kind groß genug zu sein schien, Weihnachten für mich abgeschafft. Vorher hatte ich zu Anfang mehr oder weniger die gleichen Rituale wie meine Eltern durchgezogen, irgendwann dann aber meinen Weg gefunden und Freunde eingeladen, Spieleabende gemacht.

Heute feiern wir ohne Geschenke. Für andere Menschen, außerhalb der Familie gibt es schon welche, aber in meiner Familie schenken wir uns immer dann wann wir wollen etwas, übers Jahr hinweg, nur meist zu Weihnachten nichts. Stattdessen sitzen wir gemütlich zusammen, essen, trinken, reden, spielen und sind gerne zusammen.

Das ist jetzt für mich Weihnachten, Zeit füreinander zu haben.

Es geht nicht „nur“ um Dich beim Grenzen setzen …

Böah, ich kann es nicht mehr hören, Grenzen setzen! Nein sagen…

 

„Nein sagen lernen…, abgrenzen, mich schützen, auf meine Ressourcen achten, achtsam sein… Ich will das nicht lernen, ich brauch das nicht, ich mag das Gefühl der Grenzenlosigkeit, des über meine Grenzen gehens! Laßt mich doch in Ruhe mit eurem Esoterikzeugs!!!“

All das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kämpfe selbst seit Jahren immer wieder mit meinen Grenzen anderen gegenüber. An manchen Tagen sehe ich ein: Ich brauche Grenzen, an anderen Tagen finde ich das doof! So oder so falle ich oft zurück in altes Verhalten und ärgere mich dann über mich selbst!

Es ist ein gutes Gefühl flexibel zu sein, zu geben, da zu sein für jemanden, ohne etwas dafür zu fordern. Es füllt mich aus, das Loch in meinem Bauch, es macht mich rund, ich fühle mich oft wohl damit. Aber… (immer dieses aber 😉 )

Grenzen setze ich nicht nur für mich, sie sind für andere ebenfalls wichtig!

Es gibt viele Menschen die können mit Flexibilität, Grenzenlosigkeit nicht gut umgehen.

Am Beispiel meiner Arbeit

Grenzenlosigkeit, Bereitschaft zu Flexibilität und Hilfsbereitschaft, wirkt sich bei meinen Klienten manchmal so aus:

  • sie rufen mich nachts an,
  • sie kontaktieren mich Sonntag abends und erwarten eine sofortige Antwort,
  • sie erwarten von mir, das ich etwas gerade biege, was sie vergessen, versäumt, versaut haben,
  • sie wollen dringliche Termine, weil sie etwas verschwitzt haben,
  • sie wollen mir die Verantwortung für ihr Leben übertragen.

Ich stehe dann echt dumm da – denn ich mag sie ja, würde Ihnen gerne jederzeit zur Seite stehen –  brauche ja aber auch meine Freizeit, meine Regenerationszeit.

Jedes Mal habe ich es bei dem „übergriffigen“ Klienten dann aber ja selbst verbockt, nicht erkannt wie ich mich selbst überlistet und ihn in seinen Fähigkeiten überfordert habe. Habe gerade mal schnell für…XY… „irgendwas“ getan, weil ich es kann, weil es mir leichter fällt als ihm, weil ich Zeit hatte, weil ich nicht genug nachgedacht habe, weil es schneller ging…, außerhalb der Arbeitszeit. Habe die Grenze für ihn, seinen Wahrnehmungsfähigkeiten entsprechend nicht klar genug gezogen: (für mich ist sie ja klar…)

Ja ich mag Dich, ja ich arbeite gerne mit Dir – Nein, wir sind keine „privaten“ Freunde! In meiner Freizeit arbeite ich nicht!

Als Psychologe ist man immer „auf Arbeit“. Auch im Privatleben wird einem ja grundsätzlich unterstellt man analysiere stets und ständig. Daher wird man auch immer wieder „arbeitsmäßig“ angesprochen.

Auch während der Arbeitszeit wirkt es von außen manchmal schweirig die Trennung von Job – Privat einzuschätzen. Da passiert es schnell, weil man ja eine Beziehung aufbaut – eine „Arbeitsbeziehung“ das jemand das nicht mehr von etwas „privatem“ unterscheiden kann. In einer „Arbeitsbeziehung“ baut man ja Vertrauen zu mir auf, berechtigter- und notwendigerweise, denn ich stehe unter Schweigepflicht, kann gut zuhören, verändere Blickwinkel, nehme mir Zeit, etc. …und das kennt man meist nur von engen Freunden.

Es entsteht Nähe, die ist oft notwendig ist , aber  von manchen eben verwechselt wird mit mehr als einem „Dienstleister-Kunde-Verhältnis“.  (Tut echt weh das so zu beschreiben! 😦 )

Diese Klienten / Kunden haben da ein Defizit in der Wahrnehmung. Das wird dann thematisiert und  – damit arbeiten wir dann… denn das ist mein Job!

Privat finde ich es aber noch schwieriger, wenn jemand meine mangelnde Grenzsetzung ausnutzt und mich überrollt. Dann fühle ich mich manipuliert, fühle mich überfordert, kriege mein Leben nicht so gut hin wie ich es möchte. Das tut mir nicht gut.

Nun habe ich mehrfach die Erfahrung gemacht – Grenzüberschreiter im privaten haben auch ein Defizit! Es fehlt Ihnen an dem Einfühlungsvermögen zu merken wo meine Grenze ist und nicht nur meine… Es fehlt oft grundlegend an dem Gefühl für Grenzen, an den Skrupeln sich selbst welche zu setzen, bevor man andere überfordert, an der Fähigkeit zur Selbstrefelektion oder der Fähigkeit nicht nur sich selbst in den Mittelpunkt des Seins zu stellen.

Mit den Menschen in meinem privaten Umfeld kann / will / darf / soll ich nicht arbeiten. Die Erkenntnis das ich diesen Menschen aber doch helfen kann, wenn auch anders als meinen Klienten – hat auch mir geholfen!

Ich setze Grenzen – nicht für mich, sondern für Dich!

(Bla, bla , bala… ich halte es aus mich auch mal nicht so gut zu fühlen… bla, bla, bla…)

Ich setze Grenzen – für andere!

  • für all jene die das nicht so gut können
  • für die, die nicht so ernst genommen werden, wie ich,
  • für die, die die Grenzen bei anderen nicht so gut sehen, spüren
  • und für die, die diese Grenzen bei anderen nicht interessieren.

Ich setze Grenzen, sage Nein, damit andere Menschen spüren wo Grenzen sind, Grenzen erkennen lernen, Grenzen anerkennen, ein Nein akzeptieren lernen.

Ich setze Grenzen und sage Nein! nicht / oder weniger für mich (das kann ich nämlich nicht so gut 🙂 ) , ich setze sie für Dich! für alle anderen – und das kann ich dann sehr gut!

Damit mein / Dein Gegenüber erkennen kann, gelernt hat, spürt – wo meine / Deine Grenze ist!

Seitdem ist Grenzen setzen und Nein sagen viel einfacher geworden 😀

 

PS: Das Bild wurde mir mal von einem Bekannten geschickt. Der Kontakt ist abgebrochen, ich hoffe ich verletzte keine Urheberrechte…falls doch lösche ich es sofort wieder! Einfach Bescheid sagen!

 

 

 

Plan- und Ziellos vor lauter Baustellen

„Ich stehe mal wieder am Anfang, oder am abgebrochenen Weg, mittendrin, am Ende? Hilfe, ich weiß noch nicht mal mehr wo ich stehe! Eigentlich stehe ich auch nicht, ich schwirre, schwebe, laufe, renne, nein ich stehe in meinem Leben, ich hänge fest. Ich gehe drei Schritte nach vorne, habe Angst das es verkehrt ist und gehe wieder zurück zu dem, wovon ich glaube das es der Platz war an dem ich zuvor gestanden habe. Ich habe meine Ziele verloren. Oder nein, ich bin zu alt, zu lange verkehrt gelaufen um sie zu erreichen und überhaupt weiß ich gar nicht ob es jemals meine waren. Ich bin gar nicht so wie ich sein wollte, wie versucht habe mich zu sehen. Ich weiß gar nicht mehr wer ich bin, wo ich hin will. Ich gehe einfach Schritt für Schritt weiter, weil das eben so ist und weil man ja nicht dauerhaft stehen bleiben kann. Ich hab immer Angst, vor vielem und vielen, vor dem Versagen, dem versagt haben im Spiel des Lebens. Ich komme mir vor als käme jetzt nichts mehr, wenn ich doch schon kein erreichbares Ziel mehr habe. Ich kann doch nicht ab jetzt darauf warten das mein Leben vorbei ist?“

Erschüttert höre ich Aussagen wie diese immer häufiger, sitzt mir eine Frau gegenüber, deren Gesichtszüge mehrfach für Sekundenbruchteile ungewollt entgleist, die ohne Luft zu holen ihr Hilfegesuch heraussprudelt, oder ein Mann, dem die Tränen in den Augen stehen und der langsam, schleppend fast dasselbe sagt.

Diese kleinen diffusen und auch großen, überwältigenden Ängste, diese Krise, dieses innere und äußere Chaos.

Das sind die Zeiten in denen alles in Frage stet, in denen man es nicht mehr aushält, endlich alles ändern will. Alles auf einmal beginnt und dann die Kraft verliert und auf halber Strecke nicht mehr vor oder zurück kommt.

Das sind die Zeiten in denen man sich in Zweifel zieht, das eigene bisherige, jetzige und zukünftige Leben, alles was man ist, tut, getan hat und wenn man könnte, auch alles was man jemals tun wird abwertet, weil man sich so klein, so unsicher, so „verkehrt“ fühlt.

Zu mir kommen diese Menschen dann, wenn sie es nicht mehr aushalten und sich zu sehr schämen mit anderen darüber zu reden. Manchmal kurz vor dem Aufgeben, manchmal wütend auf die Welt in der sie keinen Platz zu haben scheinen, oder die sie ganz einfach falsch eingeschätzt haben.

Meist haben sie dann schon lange an vielen Fronten gekämpft,

mit einem Beziehungspartner und dessen sozialem Umfeld,
mit dem Job und den Aussichten die dieser bietet,
mit sich, den eigenen Erwartungshaltungen, Zweifeln, Ängsten,
mit diversen kleinen und großen Lebenskrisen.

Sie haben sich verausgabt, sich chronisch überlastet, sind eben einfach brav funktionierend immer weitergegangen und haben dabei ihre persönlichen Ziele aus den Augen verloren, aufgegeben, zugunsten anderer oder weil die Lebenssituation es erforderte.

Nun ist Chaos um sie herum, weder sie noch ihr Umfeld kann die gelebten Strukturen so aufrechterhalten das sie nicht schier Unmengen von „aktuell nicht vorhandener“ Energie fressen. Ständige Müdigkeit, ein Gewirr aus negativen Gefühlen, Traurigkeit, Wut, Wert- und Hilflosigkeit sind die Folge.

Hier eine neue Perspektive zu geben fällt mir manchmal schwer. Zieht es mich doch in diesen Sog von „zu viel“ und mein Kopf ist voll mit unterschiedlichen Strategien für die einzelnen Punkte. Erst mit Abstand, auf Distanz zeigen sich neue Wege, Lösungen, auch für den Therapeuten.

Daher, kurze Pause!

So, jetzt, als erstes – umbennenen! Das Chaos heißt nun ungeordnet, nicht mehr Chaos! Ungeordnetes kann man ordnen, also Prioritätenliste: Per Brainstorming eine Liste der Baustellen niederschreiben, dann mit Strichen dahinter die Priorität für das „Überleben“ bewerten.

Gut, der erste Schritt ist getan. Nun Platz schaffen für mehr Ordnung:

Die drei wichtigsten Prioritäten bekommen Zeit, für ein weiteres Brainstorming:

Verbindungen zu anderen Themen
schon probierte Lösungswege
Menschen die man um Hilfe bitten oder fragen kann
Ideen was man noch probieren könnte, mit Stichworten was man dazu bräuchte.

Sieht schon recht ordentlich aus!

Nun den Rest: Übertragen in eine nach der Häufigkeit der Listen sortierte Rheinfolge – auf Karteikarten, bzw. geviertelte DIN A4 Blätter. Vorne die Baustelle, hinten das gleiche Prozedere wie bei den Prioritäten. Dann ab in eine Kiste damit, eine Schachtel oder ähnliches. Ist eine der großen Prioritäten abgearbeitet oder liegt auf Halde (man kann gerade nichts machen), kommt eine aus der Kiste dran.

Sehr schön!

Nicht das dies alles wirklich ihre (oder meine) schwierigen Lebenssituationen lösen, ändern, wegzaubern würde. Es verhindert das wir kopflos herumlaufen und das ungeordnete vergrößern oder etwas Unwiderrufliches tun. Es beendet das Gefühl der Hilflosigkeit, bringt uns aus der Verwirrung ins tun, ins Angehen und ins weiterleben. Mehr muss es auch nicht.

Wer mehr will, mehr Begleitung, mehr Hilfe, mehr Unterstützung, der muss sich diese einfordern. Dabei sollte er/sie darauf achten, wo sie die Grenze setzen, ab der sie sich das erlauben.

Bitte nicht erst dann wenn Sie ganz kraftlos sind! Dann ist es echt schwer Sie dort wieder herauszulotsen… erlauben Sie es sich doch einfach dann, wenn Sie das Gefühl haben, es ist zu viel für Sie, denn Ihr Gefühl wird Sie in diesem Fall eher nicht betrügen, oder zumindest weniger als Sie selbst dazu neigen zu denken, da geht noch was …

😉

Du hast die Wahl…

Bitte keine Hühnchen essen
Viren in Hühner- und Putenfleisch sind Antibiotikaresistent. Rinder sind schon lange vom Wahnsinn befallen oder konnte das geheilt werden? Schweine sind ungesund, außerdem dem Menschen zu nahe. Das Meer ist überfischt, Hunde und Katzen mag ich zu gerne, Insekten gibt’s zu selten im Supermarkt und werden ja auch schon seltener. Auf Pflanzen ausweichen ist keine Option, die sind genetisch verändert. Selbst Eier und Honig sollte ich nicht mehr essen, denn darin wurde Gly… irgendwas gefunden.

Also Ernährungstechnisch bin ich ziemlich ratlos. Gesund ist nichts mehr, selbst gesundes nicht mehr.

Kleidung ist auch ein Problem, das preiswerte könnte aus dritte-Welt-Ländern kommen und ebenfalls giftig und unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt sein. Markenkleidung boykottiere ich um den Konsum und die Zerstörung der Umwelt nicht zu fördern. Bleibt nur der Secondhandshop.

Also Kleidungstechnisch sehe ich mich irgendwann schon in Lumpen herumlaufen.

Die Fortbewegung mit meinem Auto ist auch umweltschädlich, ein Diesel, sicher auch schlimmer als gedacht. Bahn fahren ist bei Hausbesuchen auf dem Dorf unmöglich und mit dem Fahrrad kriege ich nicht so viele Termine hin, das ich meine Miete zahlen könnte. Zum Glück fliege ich nicht oder reise mit dem Schiff, denn das würde der Umwelt ja noch mehr schaden.

Also Fortbewegungstechnisch wäre das einzig richtige zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren und ich bin ein Vollbrotversager und mache beides nicht ausreichend.

Die Wohnsituation da draußen scheint schlimm zu sein. Bei mir ist sie sogar mehr als ausreichend, eigentlich hätte ich ein Zimmer übrig. Aber für viele Menschen gibt es offensichtlich keinen bezahlbaren Wohnraum. Daher werden jetzt Häuser gebaut auf jeden freien Platz, alle nach gleichem Strickmuster und auch nicht mit allen energetischen Auflagen.

Also Wohnraumtechnisch bin ich aktuell gut versorgt, hab sogar supernette Vermieter. Aber ehrlich gesagt schäme ich mich das ich so viel Raum habe, den noch beheize und eigentlich nur mit unnötigen Konsumgütern vollstopfe

Die Arbeitssituation für mich und mein Leben finde ich gerade auch in Ordnung. Ich arbeite viel und gerne, es ist abwechslungsreich und ohne reich zu werden ist es ausreichend. Ab und an überfällt mich mal die Panik bezüglich der Rentenzeit. Rente kriege ich keine, ebenso wenig andere staatliche Leistungen, denn Steuern zahlen bedeutet nicht einen Leitungsanspruch zu haben. Steuern habe ich immer fleißig gezahlt, für was anderes hatte ich kein Geld, also private Versicherungen oder so, selbständig eben Nun werden mit mir ganz viele Leute alt. Ich bin in einen geburtenstarken Jahrgang geboren. Da weiß man heute schon das wir im Alter nicht versorgt werden können.

Also Alterstechnisch bleibt nur bis zum Tod fit sein und arbeiten oder eben früh sterben.

Um auf die Versicherungen zurückzukommen. Ich war gegen alles versichert, na fast alles. Dann habe ich die eine oder andere benötigt und ich habe festgestellt das alles ausgeschlossen ist, ich es einklagen müsste, oder wie bei der Krankenversicherung, es gerade seit letztem Jahr oder so nicht mehr bezahlt wird.

Also Versicherungstechnisch habe ich mich minimiert, denn gezahlt haben die bisher nicht, wenn was war.

Meine Informationen über das Weltgeschehen hole ich mir seit Jahren aus dem Radio und dem Internet. Fernsehen habe ich mit der ersten Übertragung von Kriegsbildern aufgegeben. Diese fallenden Bomben fand ich zu unrealistisch. Die Kriegsbilder vom menschlichen Leiden erst zu belastend, dann zu unethisch für diese Menschen und zu abstumpfend für mich. Hören und lesen reicht mir völlig um mich hilflos ausgeliefert, belogen, teil informiert und manipuliert zu fühlen.

Also Informationstechnisch bin ich zwar auf dem aktuellen Stand, weiß aber genau, dass ich nichts weiß.

Die Wahlen stehen an und ich habe mein Briefwahlformular hier vor mir liegen. Ich weiß was ich aus Überzeugung nicht wählen werde, ich weiß auch das ich wählen gehen muss, auch eine Überzeugung. Aber was soll ich da ankreuzen? Da bin ich so hilflos wie beim Essen, der Fortbewegung, dem Wohnen, dem Alter und den Versicherungen. Das Richtige gibt es für mich und den Staat in dem ich lebe nicht. Ich kann nur versuchen zu verhindern, dass das Falsche passiert – was auch immer das sein mag.

Also Wahltechnisch werde ich wohl auswürfeln was ich ankreuze, nachdem ich einiges ausgeschlossen habe

Das Leben, mit all den Informationen aus der ganzen Welt, dem Wissen aus meinen Ausbildungen (das plötzlich in vielerlei Hinsicht nicht mehr wahr ist; z.b. Öl scheinen wir ja noch in riesigen Vorkommnissen zu haben) gibt mir das Gefühl klein, dumm und hilflos zu sein.
Irgendwie bin ich noch gar nicht soooo alt, aber ich fühle mich an manchen Tagen viel älter, überfordert und wütend und traurig und alles zur gleichen Zeit.
Die Menschen, mit denen ich arbeite, kommen oft mit resignierten Haltungen, leben in den Tag, sind einfach ständig aktiv um möglichst wenig denken zu müssen. Definieren sich über Leistung, Konsumgüter, verdrängen, schlucken, versuchen irgendwie durch ihr Leben zu kommen.

Also Lebenstechnisch will ich nicht einfach nur durchkommen! Ich will lebendig sein, meine Ideale und meine Hoffnungen leben (und nicht vor ihnen sterben, weil sie ja am längsten leben wie man so sagt). Ich baue um mich herum die Welt, wie ich sie mir vorstelle.
Ich arbeite umsonst, um aufzufangen, was die Versicherungen nicht bieten, sofortige Beratung. Ich bemühe mich um ein wertschätzendes, authentisches Miteinander, auch und gerade, wenn andere das nicht leben. Ich engagiere mich ehrenamtlich (ohne Vereinsgedödels) und halte Vorträge zu diversen Themen.

Warum schreibe ich das?

Weil jeder der nichts tut, nur mit schwimmt, es über sich ergehen lässt, unweigerlich in Hilflosigkeit landet. Hilflosigkeit macht krank!
Also Leuteüberlegt, was Euch einmal wichtig war und wieder sein könnte und lebt es aktiv!
Das ist Wahltechnisch die beste Wahl, die Ihr treffen könnt – für Euch und für Euer Umfeld!
Wählt Euch, eure Ideale, Hoffnungen, Wünsche, Träume und lebt sie – hier heute, morgen

Viel Spaß mit einem Lebensgefühl, das deutlich besser ist als das im Schwarm!!!

:-*

Immer wieder Anlauf nehmen!

Tagtäglich habe ich mit Menschen zu tun, deren Eltern versagt haben.

Warum ist dabei nebensächlich! Wichtiger ist, die Kinder sehen es Ihnen meist nach, verzeihen, wollen trotzdem geliebt und anerkannt werden und geben die Hoffnung nicht auf dies eines Tages zu erleben.

Immer wieder versuche ich diesen erwachsenen „Kindern“ zu erläutern, dass sie keine Schuld am Versagen der Eltern haben, keine Verantwortung für deren Unfähigkeit übernehmen müssen und das diese Eltern es nicht anders konnten, wollten…

Dabei ist es völlig egal ob die Eltern überbehütend, kontrollierend, manipulativ oder grausam waren. Kinder sind schuldlos! Immer! Und tragen für den Rest ihres Lebens die Spuren mit sich, ähnlich körperlichen Narben, sichtbar wenn man genau hinschaut und spürbar.

Es ist nicht heilbar, man kann es verschleiern, man kann es verstecken, man kann es versuchen zu vergessen, verdrängen, wegsaufen, kiffen, oder wegarbeiten. Es bleibt und nur eine ständige Auseinandersetzung damit hilft daran nicht zu erkranken, oder unterzugehen.

Diese Auseinandersetzung hört nicht auf, egal wie alt man wird, egal wieviel man erkannt und verstanden hat, die Verhaltensmuster der Kindheit schlagen immer wieder zu und geben einem das Gefühl schon wieder in die Falle gegangen zu sein, wieder am Anfang zu stehen.

Ganz ehrlich?! Ja, das ist so! Diese Kinder stehen immer wieder da wie am Anfang als sie begannen daran zu arbeiten. Und? Schlimm? Nein, es ist eben einfach so und das mauss man akzeptieren – wehren hilft nicht!

Jedes Kind aus einem Elternhaus in dem die Eltern keine „Fähigkeit“ besaßen Eltern zu sein wird immer wieder „gefühlt“ am Anfang des Veränderungsprozesses landen. Wird gefangen von den Verhaltensmustern die es in der Kindheit gelernt hat. Diese sind zu Reflexen geworden, überfallen das Kind aus dem Hinterhalt und kehren immer und immer wieder zu ihm zurück, auch wenn es denkt es hat alles im Griff.

Aber das ist nicht schlimm oder schrecklich. Jedes Kind aus einem solchen Elternhaus hat dadurch Fähigkeiten erworben die andere Menschen so nicht haben. Fähigkeiten die diesem Kind selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Fähigkeiten die es sehen lernen muss, statt sich immer nur auf sein erneutes Versagen der Ablösung und Veränderung zu konzentrieren. Fange an Dich genau anzuschauen und Du wirst sehen was Du besser kannst als alle anderen!

Es geht nicht um ein „Fertig“ werden mit den Eltern, um ein „besser machen“, oder darum ein Verhalten abzulegen. Es geht darum dieses alles bewusst zu erleben, Vor- und Nachteile, und neue Entscheidungen für eigenes Verhalten zu treffen. Schuldgefühle als das zu sehen was sie sind, ungerecht, unangemessen und nicht sinnvoll. Und dann wieder dagegen anzugehen Verhalten zu wiederholen von dem man nicht mehr machen sollte, aufzuhören mit der ewigen Rebellion in Form eines Selbstboykotts, aufzuhören mit der ablehnenden Haltung gegen Hilfen um Abhängigkeiten zu vermeiden, und aufzuhören mit den ständigen Selbstzweifeln ob man endlich mal reicht, genug ist, genug getan hat.

Wie das alles geht? Immer wieder anfangen ist die Lösung!

Immer wieder von neuem anschauen was man getan hat, was man erreicht hat, Ziele setzen, vorwärts gehen, aber in dem Wissen und der Akzeptanz dafür, dass man auf seiner Vergangenheit aufbaut, aber der Aufbau ein eigener sein kann und soll.

Nicht aufhören – auch wenn es nie aufhört. Nicht aufgeben – auch wenn es Kraft kostet und es sich doch immer wiederholt. Denn es ändert sich bei jedem wieder aufstehen, ein bisschen, ein bisschen mehr und es wird immer einfacher – ganz sicher!

Bin ich „verrückt“ ?

Was auch immer „verrückt“ sein soll, ich weiß es ebenso wenig, wie ich weiß was „normal“ ist. So viele Menschen benutzen diesen Begriff (und scheinen zu wissen was er bedeutet), das ich mir manchmal sogar schon ein wenig dumm vorkomme wenn ich immer wieder betone es eben nicht zu wissen.

Falls damit ver-rückt, im Sinne von anders, also außerhalb der Norm (sozusagen „A-sozial“) gemeint wäre, das kenne ich. Dann wäre ich ganz sicher auch verrückt.

Immer wieder stelle ich fest, das mich manche Menschen komisch finden. Sie irritiert das ich genau zuhöre und sie dabei auch noch ansehe (ist vielleicht auch nur meiner Wissbegierde und meinem Beruf geschuldet), das ich keinen Fernseher habe (ich lese lieber), das ich nicht Urlaub im Ausland mache (ich fahre lieber über die Landstraßen, gucke mir Städte und Landschaften an), das ich nicht Radio und die Charts höre, (ich mag lieber Heavy-Metal und fahre so oft es geht auf Festivals).

Auch verhalte ich mich scheinbar oft auffällig, wenn ich sage was ich denke, über Gefühle spreche ,  mich ernsthaft für das Befinden der Menschen die ich treffe interessiere,  kaum Alkohol trinke, freiwillig  morgens gerne früh aufstehe um in den Wald zu gehen.

Das andere etwas komisch finden was man tut, kennt ja aber wohl jeder von sich selbst. In vielen Dingen ist man eben anders als andere (nicht nur ich).

Das ich mir zum Beispiel gerade einen anderen Stuhl geholt habe, der Kater meines Vermieters hat meinen Schreibtischstuhl belegt und ich möchte ihn in seinem friedlichen Schlummer nicht stören, kenne ich von anderen Menschen auch, zum Glück!
Und natürlich bin ich nicht so anders, so ver-rückt, dass ich mein Leben nicht ge-regelt, also den wichtigsten Regeln entsprechend gestaltet kriege.

Eine Auffälligkeit allerdings mit der ich lange gekämpft habe, war das ich schon vor Jahren begonnen habe Namen und Gesichter von Menschen schnell wieder zu vergessen. Ich habe irgendwann prüfen lassen ob mit mir alles in Ordnung ist. Kein Alzheimer oder ähnliches, pfft, ich habe ein gesundes Gehirn. Anscheinend sortiert das nur rigoros aus wenn ich jemanden nicht häufig sehe.  (Manchmal echt peinlich, vor allem wenn ich Klienten treffe die vor Jahren lange Zeit bei mir waren.)
Im Großen und Ganzen bin ich wahrscheinlich ein recht durchschnittlicher Mensch, zumindest sagt das meine körperliche Konstitution, mein Gewicht – passend zum Alter und meine Arbeitszeiten – passend zum Job, aber auch meine Alltagsprobleme entsprechen denen der meisten Menschen die ich so kenne.

Die Woche war ich allerdings insgesamt ein bisschen sensibler als sonst, etwas antriebsloser, müder, schlaffer, lustloser und etwas mutloser. Mag daran liegen das ich nicht so gut geschlafen habe. Allerdings istmir dann etwas sehr seltsames passiert.

Ich hatte den Eindruck mit mir stimmt was nicht…

Die Heilpraktikerin, bei der ich wegen Verspannungen war, hatte auch zu mir gesagt es gäbe da etwas „Verhärtetes“. Sie riet mir, ich solle mal zu ihrer Bekannten gehen. Auf die halte sie große Stücke, die sei Psychologin. Denn das was sie da spüre könne sie nicht weiter behandeln, das liege in der Seele. Man kann sich denken, sie wusste nicht was ich beruflich mache…
Ich habe natürlich zu Hause sofort über ihre Bekannte recherchiert, hatte ich doch ernsthaft in Betracht gezogen mir mal eine weitere Meinung zu dieser Verhärtung anzuhören und muss ihr beim nächsten Besuch mitteilen, ihre Bekannte ist Dipl. Verw.wirtin (FH) mit einer Ausbildung systemischen Beraterin nach HPG.

Der Titel Psychologe ist als Studienberuf geschützt (mein Berufsverband legt darauf großen Wert), das sollte sie als Heilpraktikerin unbedingt wissen! Ich habe übrigens noch eine Weile recherchiert, mir die Ausbildungsstruktur ihrer Bekannten angesehen. Aber ich gestehe, unter dem Begriff „Counselor Training“ kann ich mir trotzdem nicht wirklich etwas vorstellen. Also habe ich die Idee dorthin zu gehen erst mal verworfen und gedacht ich frage demnächst erst mal meine Supervisorin nach meiner „Verhärtung“.

Ich kehrte jedenfalls nach diesem Ausflug in die Ausbildungsstrukturen zurück zu mir, dachte intensiv darüber nach was sie meinen könnte, vielleicht bin ich ja aber auch wirklich verhärtet? Vielleicht sogar psychisch krank? Vielleicht bin ich ja berufsblind, so das ich es nicht sehe?

Ich gab also, anfangs einfach nur neugierig, meine Symptome im Internet ein und kam zu dem Begriff Hypersensibel. Ich schaute mir die Kriterien dafür an, oh ja, da passte sehr viel auf mich.

„Ich traue mir öfter mal weniger zu als ich eigentlich zu leisten vermag. Ich brauche viel Zeit um Entscheidungen zu fällen, weil aufgrund der erhöhten Sensibilität, sehr viel mehr Daten und Denkprozesse einbezogen werden müssen und bin oft bei Entscheidungen unsicher. In Situationen, in denen ich unter Beobachtung stehe, reagiere ich häufig zu zurückhaltend, zeige zu wenig meine wahren Kompetenzen. Alles Unbekannte bedeutet Stress für mein hochsensibles Nervensystem.“
Und dann gehörte da noch dazu:
„Qualitativ und quantitativ hoher Informationseingang aus der Umgebung, sehr detaillierte und intensive Wahrnehmung und meist starke Gefühle dazu, sensorische Empfindsamkeit, aufgrund dessen oft in einem Zustand der Reizüberflutung. Die Gabe, sich in die Emotionen anderer hinein zu versetzen, u.a. aufgrund der hochsensiblen Wahrnehmung auf bewusster wie auf unbewusster Ebene. Werte, wie Gerechtigkeit, Loyalität, Verantwortung, Aufrichtigkeit, Harmonie, Genauigkeit oder Nachhaltigkeit und die Vorstellung einer bestimmten Ordnung im Leben, ein großes Bedürfnis nach einem Sinn im Leben und das Anstreben eines harmonischen Miteinanders. In der Lage in vielen Lebensbereichen alternative Lösungen zu entdecken, intensiv wahrzunehmen, tief zu Empfinden, besonders in der Natur. Beschränkung des Seins nicht nur auf das konkret Manifeste, sondern mit einer Erweiterung um eine spirituelle Dimension, Idealismus, das Verantwortungsgefühl für größere Zusammenhänge und eine schöpferische Kraft.“

Ich fand ich sei ganz eindeutig hochsensibel. Na, das erklärte ja mal vieles in meinem Leben! Ich bin also weder ver-rückt noch a-sozial, ich bin hypersensibel. Schon mal gut.
Um ganz sicher zu gehen, darauf bin ich ja bei der wissenschaftlich fundierten Diagnosestellung geschult, musste ich dann noch alles andere ausschließen. Also wühlte ich mich durch die Diagnosekriterien aller möglichen psychischen Erkrankungen die mit „Verhärtung“ oder der aktuellen Symptome (etwas antriebsloser, müde, schlaff, lustlos und etwas mutlos) etwas zu tun hatten.

Gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und Aktivität, die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert, ausgeprägte Müdigkeit nach jeder kleinen Anstrengung, Schlaf gestört, Appetit vermindert.

Vielleicht bin ich ja depressiv?
Okay die meisten Symptome passen, aber Appetit habe ich, so viel wie immer, wenn nicht noch mehr. Beim weiterlesen finde ich heraus warum ich weiterhin Appetit habe.
Eine Sonderform der Depression ist die sogenannte saisonale Depression. Hierbei kommt es in den lichtarmen Jahreszeiten (Herbst und Winter) zu Symptomen der Depression, die durch den Lichtentzug ausgelöst werden. Darüber hinaus leiden die Betroffenen auch häufig unter einem vermehrten Schlafbedürfnis und auftretendem Heißhunger. Also saisonale Depression!

Okay, aber da war auch noch meine in der letzten Woche instabile Stimmung, mein derzeitiger Hang mehr alleine zu sein als sonst, also soziale Isolation? Meine Launenhaftigkeit? Meine Inkonsequenz? Ich gab Symptom für Symptom ein und lande auf den unterschiedlichsten Seiten, oft boten sie Testverfahren an, die ich fleißig ausfüllte. Als ich fertig war mit meinen Recherchen war ich noch antriebsloser, müder, schlaffer, lustloser und viel mutloser als zu Beginn.

Ich ging trotzdem noch meine wissenschaftlich fundierten Diagnoseinstrumente durch und prüfte all das noch mal, was ich an Testergebnissen über mich gefunden hatte.

Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, ich hatte Anteile einer instabilen emotionalen, zwanghaften und narzisstischen, dependenten, histrionischen, passiv-aggressiven und paranoiden Persönlichkeit.

Mein Leben war ganz offensichtlich völlig verkehrt! Und ich saß wohl ewig schon der Illusion auf, ich sei eben einfach ein wenig anders…
Mir fielen sofort viele kritische Worte von Freunden ein, aber auch komische Blicke und beiläufige Kommentare.

In meiner Verwirrung und Verzweiflung rief ich meine Kollegin, meine Supervisorin und Freundin an und bat sie, um einen schnellen Gesprächstermin.

Zum Glück für mich, ich hatte so viel Kaffee getrunken wie möglich damit ich nicht noch müder, schlaffer, lustloser werden konnte, rief sie nach nur einer Stunde zurück.

Und schon nach nur 20 Minuten war ich wieder „gesund“! Wahrscheinlich noch etwas „ver-rückt“ und „a-sozial“ aber eben nicht mehr krank. Ich würde zwar auch diese Nacht, so voll mit Koffein wie ich war, kaum schlafen, aber meine Diagnosen waren alle schnell von meiner Kollegin widerlegt worden.

Die Frau kennt mich nicht nur gut, sie weiß auch viel über mein privates und berufliches Leben. So musste ich gar nicht so viel über mich erzählen und schon hörte ich ihr Schmunzeln durchs Telefon.
Sie sagte, wenn ich zu wenig geschlafen habe, es ein anstrengender Montag sei und die Woche noch lang, mit viel Arbeit vor mir liege, ich mir Sorgen um den einen oder anderen Patienten machen würde und in der Woche auch noch eine gute Freundin beerdigt werde, so wäre es kein Wunder das es mir nicht gut ginge.
Ich war ein wenig erstaunt wie schnell sie das alles auf den Punkt brachte, konnte aber nicht widersprechen.

Ich solle mal eine Runde spazieren gehen, länger schlafen und vor allem aufhören mich selbst ständig so in Frage zu stellen, zu hinterfragen und ständig zu prüfen welche Anteile ich an allem habe.
Sie betonte meine bewiesenermaßen vorhandene Kompetenz, meine Kreativität, mein Engagement und meine stabilen sozialen Netzwerke. Sie wies auf die Anerkennung von Kollegen und Klienten hin, auf die vielen beruflichen Erfolge und bat mich, nun wirklich lachend, in Zukunft mehr Tee als Kaffee zu trinken. Sie sagte noch viel, viel mehr, aber das ist privat. 🙂

Ich saß danach eine geraume Zeit an meinem Schreibtisch, in der Hand noch das Telefon und konnte über mich selbst nur den Kopf schütteln. Was war denn das?
Dann sah ich auf meinem PC all die offenen Seiten, meine Diagnosewerke, ICD und DSM auf dem Tisch und ich musste lachen.

Wer suchet der findet!
Mir wurde klar in was ich mich da und vor allem warum ich mich da so erfolgreich hineingesteigert hatte.

Müdigkeit, starke private und berufliche Belastung und dazu regnerisches Novemberwetter, reichen ja nun wirklich schon aus um in viele verallgemeinernde Diagnoseschemata zu passen. Die theoretische Konstrukte die einen vielseitigen, besonderen, emotionalen Menschen in seiner Umwelt beschreiben sollen, greifen eben oft ohne fachlich kompetente Analyse zu kurz.

Ich erläutere genau das tagtäglich meinen Klienten. Ich warne vor Schubladen, vor Zuordnungen und deren Folgen. Jetzt hatte ich selbst erlebt wie schnell man sich einordnen und „krank“ machen konnte.

Welch ein Glück das ich mal wieder erleben durfte wie normal ich bin! Von wegen „ver-rückt“ und hypersensibel 😉

Denn egal wie sehr jemand meine Kompetenz lobt und betont, ich bin nur ein Mensch und falle auch auf das herein was mir an Schubladen und Rastern angeboten wird. Ich bin mir selbst gegenüber auch nicht immer ganz aufrichtig, manchmal sogar vor mir auf der Flucht. Niemand kann sich selbst objektiv und fachlich korrekt diagnostizieren, auch ich nicht. Und schon gar nicht in so einer vielfach beeinflussten negativen Stimmung.

Also Finger weg von Selbstdiagnosen!

Und schon wieder…

Habe ich nicht auf mich aufgepasst!
Da gibt es wirklich liebenswürdige, kluge und auch scharfsinnige Menschen in meinem Umfeld, die mir Probleme bereiten die ich sonst nicht habe und immer wieder verbringe ich mehr Zeit mit ihnen als mir gut tut.
Zu Beginn kann ich all das was sie so an Befürchtungen bezüglich ihrer oder meiner Zukunft haben gut wegstecken und genieße einfach nur den Kontakt mit ihnen.

Dann beginnt das was sie sagen zu arbeiten. Ich beginne mich und meine Grundhaltung zu hinterfragen, beschuldige mich selbst der Verdrängung, bis ich dann deprimiert zu Hause hocke und zu gar nichts mehr Lust habe.

Dabei bin ich doch diejenige die andere ermutigt zwischen Selbstbewertung und Fremdbewertung strikt zu trennen. Ich fordere Menschen auf sich zu reflektieren, unabhängig von der Meinung anderer. Ich will das sie hinterfragen welche Programme bei ihnen laufen, unkontrolliert und unerwünscht, damit sie von ihnen bemerkt werden wenn sie auftauchen.

Ich weiß um die Energie die andere Menschen haben, die beeinflusst, einen Sog bildet und einen in ihr Gedankengut mit hineinzieht. Meist nicht zu meinen Gunsten, Begeisterung wäre ja schön, aber meist ist es die Begeisterung das Leben als gefährlich hinzustellen.

Und trotzdem…

Zum Glück habe ich Strategien um mich aus diesem Sog zu lösen und wieder an meine eigene „Oberfläche“ zu kommen.

Etwas ganz anderes tun als sonst.

Bewegung draußen, zur Not auch drinnen.

„Bla, bla“, also mit anderen Menschen – ohne Tiefgang – kommunizieren.

Damit kann ich gut wieder auftauchen und mich und meine eigenen Gedanken und Haltungen zurückerobern.

Ob ich verdränge? Mich nur ablenke? Na, ich hoffe doch!

Denn ich habe definitiv keine Lust und auch keine Zeit mir mein Leben mit den Sorgen um das morgen zu versauen. Heißt nicht ich denke nicht über morgen nach, ich plane, ich denke vorausschauend, aber in Grenzen!

Und damit ich nach dem Aufenthalt im Freien wieder richtig warm und kuschelig werde – innen und außen – gibts jetzt ein heißes Bad, auch eine gute Möglichkeit wieder ganz bei mir zu landen.

Also – nicht im Sog anderer versinken, und falls die Warnung zu spät kommt, eine Auszeit nehmen und verdrängen oder ablenken! 😉