Nicht genug – Teil: Gefühl und Sprache

Es ist schrecklich sich bedürftig / hilflos zu fühlen.

Ob es dadurch bedingt ist,
– dass man etwas Physisches oder Psychisches zur Existenzerhaltung benötigt,
– man einfach nicht genug bekommen kann, um sich sicher zu fühlen oder zufrieden zu sein,
– oder ob man das Gefühl hat, das man selbst nicht / nie gut genug ist,
ist dabei völlig egal.

Das Gefühl von Bedürftigkeit und Hilflosigkeit lässt einen schrumpfen, immer kleiner und immer verletzlicher werden.

Aber es gibt Unterschiede.
Um die Existenzgrundlage kämpfen zu müssen ist anstrengend, ängstigend, frustrierend und vielleicht sogar lebensgefährlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies jedoch durch eigene Aktivität veränderbar, zielorientiert und meist endlich.

Um Sicherheit und Zufriedenheit durch mehr von etwas“ zu erreichen ist ebenfalls anstrengend, oft frustrierend, aber man kann auch hier aktiv sein, kann versuchen sich so zu kontrollieren oder zu organisieren, dass man nahe an das Ziel des „Genug“ um sich sicher zu fühlen herankommt.

Selbst nicht genug zu sein beinhaltet die Gefühle des Kampfs um die Existenzgrundlage (eher als eine Form der Existenzberechtigung) und den Wunsch nach Sicherheit und Zufriedenheit (aber basierend auf Misstrauen und Abwertung all dem gegenüber was man erhält, erarbeitet, spürt).
Die Prägung „nicht gut genug“ zu sein ist wie ein schwarzes Loch in der Mitte des eigenen Seins.

Ein stabiles und unterstützendes soziales Umfeld wäre gut. Menschen, die den Selbstwert stärken, Anerkennung geben, dieses „nicht gut genug“ widerlegen.
Aber die Prägung ist stark, tief verankert und führt zu seltsamen Mechanismen.
Positives ist unglaubwürdig, kann oft kurzfristig angenommen werden und wird dann zerlegt, landet dann in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen. Gedanken, wie „würde er/sie mich kennen, würde er das nicht sagen“, „ich hätte es besser machen müssen“, „das war nur Zufall“, „ohne ihn/ sie hätte ich das nicht gekonnt“, sind hier gebräuchliche Zerlegungs-, Widerlegungswerkzeuge.

Zudem suchen sich Menschen, die nicht gut genug sind häufig ein Umfeld, Partner bei denen alte Verhaltensmuster wiederholt werden.
Denn so paradox es ist, erscheint ihnen das weniger anstrengend, eher erträglich als der innere Kampf gegen die Prägung.

„Wenn man mich lobt, fühle ich mich unwohl und weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Es fühlt sich gut an, aber ich befürchte immer, man meine eigentlich nicht mich, oder es zeige sich das jenes Lob ungerechtfertigt war, der andere es nicht so gemeint hat. Mit Kritik und Abwertung kann ich besser umgehen, dagegen kann ich aktiv angehen, mich rechtfertigen, das fühlt sich echter an, ich fühle mich sicherer und ich kann freier atmen.“ (Zitat Klient A. G.)

Reaktionen, die erprobt sind, das Selbstbild bestätigen können in alte Verhaltensmuster besser integriert werden. Alles andere muss erst die Widerstände überwinden und landet oft in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen.
Zudem müssen „nicht gut genug“ Geprägte nicht nur gut sein, sondern besser, perfekt. Sie neigen zu zwanghaftem Verhalten, zur Überforderung bis hin zum Zusammenbruch.

Abweisung, Abwertung, Kritik können sie als gerechtfertigt hinnehmen, sind verletzt und erniedrigt, aber das kennen sie und auch die daraufhin beginnenden von selbst laufenden Mechanismen, Selbstkritik, -zweifel, -vernichtung. Das Gefühlschaos von Wut, Trauer im Wechsel, von Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit ist wie ein alter Freund, mal wieder da. Nicht erwünscht, aber irgendwie erleichternd.

Hört sich schräg an? Ja. Man müsste meinen sie gieren nach positiven Erlebnissen, aber daran sind sie nicht gewöhnt, dem können sie kaum vertrauen.

Hier wird auch Freundschaft zum Problem. Akzeptanz, Nähe und Unterstützung stürzen in sich wiederholende Kreisläufe von diesen selbst laufenden Mechanismen und sind oft sehr anstrengend. Um diesen zu entgehen werden Menschen die diese Freundschaft anbieten, ohne Bereitschaft dem „nicht genug“ geprägten Menschen in seinem Verhaltensmuster zu bestätigen abgewertet.

Was tun?
Zuerst verstehen. Den Speicher kennen und damit Zugangswege finden.
Als Kind, ohne adäquate Möglichkeit sich verbal zu äußern werden Gefühle abgespeichert, die mit Worten nur schwer zugänglich sind. Sie liegen, vernetzt mit Auslösern, mit Verhaltensweisen, tief vergraben und oft ohne fassbare Verbindung zu Worten im Speicher / Gehirn. Das heißt nicht, der Erwachsene könne diese nicht benennen, das kann er so gut oder so schlecht wie jeder andere, aber eher rational, auf der Basis der eigenen Erkenntnisse im Verlauf seines Lebens. Der Weg dorthin, ein wirklicher Bezug, an dem man arbeiten kann, fehlt.

  • Identifizierung der ersten diese Gedanken prägenden Bezugspersonen.
  • In Gesprächen über diese das Wechseln in den Gefühlen zwischen „Hass“ und „Liebe“ genau beobachten und beide Seiten so akzeptieren, wie sie geäußert und gefühlt werden. Beide sind wahrhaftig, intensiv und gerechtfertigt.
  • Häufig findet sich in früher Kindheit eine Überforderung durch Parentifizierung, manchmal jedoch auch nur eine tief sitzende und durchgängige Ablehnung des damaligen Kindes, eine psychische Erkrankung der Bezugsperson.
  • Mit Mindmaps kann man dies aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sichtbar machen und dadurch „bewusstere“ Verbindungen von Gefühlen und nahezu automatischen Gedanken schaffen.
  • Man kann sozusagen „Reiz-Reaktionswege“ sichtbar machen und was sichtbar ist kann bearbeitet werden.

Allerdings ist die „nicht gut genug“ Prägung eine scheinbare Komfortzone, gewohnt und irgendwie bequemer, auch wenn es anstrengend ist als das große Unbekannte, das außerhalb dieser Prägung liegt. Und sie ist nicht immer da, sie wird verdrängt, kommt nicht jeden Tag, jede Stunde vor, verschwindet zeitweise und ist dann weder wichtig, noch es wert bearbeitet zu werden.

Ohne Leidensdruck, anhaltenden Veränderungswillen kommen dann wieder Widerstände hoch, die abgebaut werden müssen. Eine Bearbeitung dieser Prägung bedeutet dann ein scheinbares gegen den „nicht genug“ Menschen agieren, der doch in diesen Zeiten nur seine Ruhe und seinen Frieden haben will.

Wenn hier die Bindung der Arbeitsbeziehung nicht intensiv ist, (für den Therapeuten eine anstrengende Gratwanderung) verschwindet er und erscheint, wenn überhaupt, erst wieder in einer extremen Leidensphase.

Geduld, viel Zeit, ständige Wiederholungen, immer wieder aufflammender Widerstand machen allen Beteiligten das Leben schwer. Ungeschulte Menschen verlieren hier oft irgendwann die Geduld, haben das Gefühl der andere spiele mit ihnen, alles sei nur Show um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Erneut eine Bestätigung „nicht gut genug“ zu sein…

 

Ich sehe Dich, ich schaue tiefer…

…und ich will Dich nicht manipulieren!

Am Wochenende habe ich es schon wieder erlebt. Begegnungen mit Menschen die tiefer sehen und sich nicht äußern. Menschen, die Dich sehen können, die tiefer schauen und bewusst oder unbewusst mehr über Dich wissen als Du eigentlich preisgibst.

Auf meine Nachfrage, „Warum sagst Du mir dann nicht was Du siehst, so wie ich es oft ungefragt tue?“ kam erstmal nur Schweigen. Dann folgte ein vorsichtiges positives Beschreiben meiner Person, meiner Eigenschaften. Ich ermunterte dazu weiter zu sprechen und auch negative Dinge offen zu benennen, bzw. Defizite. Wieder nur Schweigen. Dann eine vorsichtige Antwort mit aufmerksamem Blick in mein Gesicht, zögerlich Wort für Wort, Reaktionen abwartend und direkt nachgeschoben, „Du bist Psychologin, Du hast das ja studiert.“

😉 Ja und nein!

Im Studium lernt man nicht „tiefer zu schauen“, man lernt Zeichen zu deuten und Symptome zu erkennen. Ein Menschenkenner wird man dadurch nicht. Ein wissenschaftlicher Ansatz erlaubt nur ein geringes Maß an Intuition und „tiefer sehen“ ist Intuition / Unterbewusstsein. Es ist eine Wahrnehmung, die so schnell geht, dass sie da ist, unbemerkt, nicht „erfassbar“ und kaum festzumachen, wann oder wodurch sie entstand.

Es ist wahrscheinlich eine Reaktion auf Mimik, Micromimik, Gestik, Microgestik, auf Geruch, auf, ach was weiß denn ich… Es gibt bestimmt Fachleute die das genauer und besser erläutern können als ich. („Lie to me?“ kann es ja anteilig erklären 😉 )

Auf jeden Fall ist es kein Hellsehen oder in den Kopf gucken. Es ist erlernt, aber meist in früher Kindheit, oft aufgrund der Wahrnehmung einer Gefährdung, zumindest aus einer Notwendigkeit heraus. Und es ist eine Fähigkeit!

Kinder von psychisch Erkrankten können es oft sehr gut. Sie scannen andere Menschen und wissen dabei oft nicht das sie es tun und woher sie wissen, was sie wissen. Die Unsicherheit, ob sie richtig liegen, ob sie jemanden verletzen, ob sie wirklich richtig liegen, verhindert das Aussprechen der „intuitiven Vermutung“. Auch die Befürchtung der Andere, das Gegenüber fühle sich angegriffen, durchschaut, überfahren und wende sich dann ab.

Wir haben da draußen daher viele Menschen, die so viel mehr wissen, als sie sagen. Menschen die, wenn sie sich denn äußerten, anderen viel über sich selbst erzählen könnten und die leider stumm bleiben.

Wir sprechen zu wenig miteinander in dieser Gesellschaft.

Zu viel übereinander.

Wenn Du etwas sehen kannst, was Du von Dir selber kennst, berichte von Dir, ohne den Anderen einzubeziehen oder ihn darauf hinzuweisen, dass es bei ihm auch so sein könnte. Dann kann der Andere einsteigen oder auch nicht. Dann kannst Du die Bereitschaft für ein „Tiefgang Gespräch“ abtasten.

Vielleicht gibt es ab und an mal schwierige Situationen, wenn Du direkt und klar sagst,  was Du wahrnimmst. Dann bist Du über das Ziel hinausgeschossen, warst zu schnell, zu intensiv, zu schwierig für Dein Gegenüber.

Aber es gibt Möglichkeiten sich vorsichtig an diese spezielle Fähigkeit anzunähern.

Du kannst Dich vorsichtig an den Anderen herantasten. Anfangs langsam machen, nur positives aussprechen. Es dabei als Wahrscheinlichkeit ausdrücken und Formulierungen, die wertschätzend sind nutzen, oder, ich denke, ich glaube, ich spüre. Das funktioniert meist ganz gut.

Lass Dich nicht abschrecken falls jemand verunsichert oder gereizt reagiert. Mach dann nur noch viel langsamer. Drücke Dich noch etwas vorsichtiger aus, lass dem anderen Zeit zu verdauen.

Es braucht ein bisschen Übung, Geduld und Durchhaltevermögen. Dann wirst Du aber Menschen um Dich haben vor denen Du Dich nicht verstecken und verstellen musst. Mit denen Du offener sprechen kannst.

Nur Vorsicht, wenn Du einmal auch nur ansatzweise Dein Wissen zu Manipulation nutzt, ist es rum. Das ist so unverzeihlich, dass Dein Umfeld Dich daraufhin nur noch misstrauisch betrachten wird. Fähigkeiten dieser Art zu missbrauchen hat unangenehme und dauerhafte Folgen.

Denk daher daran, es geht darum Dich mitzuteilen, Dich auszutauschen.

Hast Du erste positive Erfahrungen gesammelt kann es Dir passieren das Du in einen Größenwahnsinn verfällst. Nicht schlimm, das ist wie bei Deiner Erfahrung mit allem was Du gelernt hast und zu beherrschen glaubst, die Bauchlandung folgt und ernüchtert.

Hast Du gute Freunde die Dich zurechtstutzen? Umso besser, dann kannst Du vielleicht eine weiche Bauchlandung machen.

Nur gib nicht auf und übe weiter – denn Deine Fähigkeit tiefer zu sehen wird immer wichtiger in unserer Gesellschaft, wenn sie denn aktiv von Dir gelebt wird.

Es geht nicht „nur“ um Dich beim Grenzen setzen …

Böah, ich kann es nicht mehr hören, Grenzen setzen! Nein sagen…

 

„Nein sagen lernen…, abgrenzen, mich schützen, auf meine Ressourcen achten, achtsam sein… Ich will das nicht lernen, ich brauch das nicht, ich mag das Gefühl der Grenzenlosigkeit, des über meine Grenzen gehens! Laßt mich doch in Ruhe mit eurem Esoterikzeugs!!!“

All das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich kämpfe selbst seit Jahren immer wieder mit meinen Grenzen anderen gegenüber. An manchen Tagen sehe ich ein: Ich brauche Grenzen, an anderen Tagen finde ich das doof! So oder so falle ich oft zurück in altes Verhalten und ärgere mich dann über mich selbst!

Es ist ein gutes Gefühl flexibel zu sein, zu geben, da zu sein für jemanden, ohne etwas dafür zu fordern. Es füllt mich aus, das Loch in meinem Bauch, es macht mich rund, ich fühle mich oft wohl damit. Aber… (immer dieses aber 😉 )

Grenzen setze ich nicht nur für mich, sie sind für andere ebenfalls wichtig!

Es gibt viele Menschen die können mit Flexibilität, Grenzenlosigkeit nicht gut umgehen.

Am Beispiel meiner Arbeit

Grenzenlosigkeit, Bereitschaft zu Flexibilität und Hilfsbereitschaft, wirkt sich bei meinen Klienten manchmal so aus:

  • sie rufen mich nachts an,
  • sie kontaktieren mich Sonntag abends und erwarten eine sofortige Antwort,
  • sie erwarten von mir, das ich etwas gerade biege, was sie vergessen, versäumt, versaut haben,
  • sie wollen dringliche Termine, weil sie etwas verschwitzt haben,
  • sie wollen mir die Verantwortung für ihr Leben übertragen.

Ich stehe dann echt dumm da – denn ich mag sie ja, würde Ihnen gerne jederzeit zur Seite stehen –  brauche ja aber auch meine Freizeit, meine Regenerationszeit.

Jedes Mal habe ich es bei dem „übergriffigen“ Klienten dann aber ja selbst verbockt, nicht erkannt wie ich mich selbst überlistet und ihn in seinen Fähigkeiten überfordert habe. Habe gerade mal schnell für…XY… „irgendwas“ getan, weil ich es kann, weil es mir leichter fällt als ihm, weil ich Zeit hatte, weil ich nicht genug nachgedacht habe, weil es schneller ging…, außerhalb der Arbeitszeit. Habe die Grenze für ihn, seinen Wahrnehmungsfähigkeiten entsprechend nicht klar genug gezogen: (für mich ist sie ja klar…)

Ja ich mag Dich, ja ich arbeite gerne mit Dir – Nein, wir sind keine „privaten“ Freunde! In meiner Freizeit arbeite ich nicht!

Als Psychologe ist man immer „auf Arbeit“. Auch im Privatleben wird einem ja grundsätzlich unterstellt man analysiere stets und ständig. Daher wird man auch immer wieder „arbeitsmäßig“ angesprochen.

Auch während der Arbeitszeit wirkt es von außen manchmal schweirig die Trennung von Job – Privat einzuschätzen. Da passiert es schnell, weil man ja eine Beziehung aufbaut – eine „Arbeitsbeziehung“ das jemand das nicht mehr von etwas „privatem“ unterscheiden kann. In einer „Arbeitsbeziehung“ baut man ja Vertrauen zu mir auf, berechtigter- und notwendigerweise, denn ich stehe unter Schweigepflicht, kann gut zuhören, verändere Blickwinkel, nehme mir Zeit, etc. …und das kennt man meist nur von engen Freunden.

Es entsteht Nähe, die ist oft notwendig ist , aber  von manchen eben verwechselt wird mit mehr als einem „Dienstleister-Kunde-Verhältnis“.  (Tut echt weh das so zu beschreiben! 😦 )

Diese Klienten / Kunden haben da ein Defizit in der Wahrnehmung. Das wird dann thematisiert und  – damit arbeiten wir dann… denn das ist mein Job!

Privat finde ich es aber noch schwieriger, wenn jemand meine mangelnde Grenzsetzung ausnutzt und mich überrollt. Dann fühle ich mich manipuliert, fühle mich überfordert, kriege mein Leben nicht so gut hin wie ich es möchte. Das tut mir nicht gut.

Nun habe ich mehrfach die Erfahrung gemacht – Grenzüberschreiter im privaten haben auch ein Defizit! Es fehlt Ihnen an dem Einfühlungsvermögen zu merken wo meine Grenze ist und nicht nur meine… Es fehlt oft grundlegend an dem Gefühl für Grenzen, an den Skrupeln sich selbst welche zu setzen, bevor man andere überfordert, an der Fähigkeit zur Selbstrefelektion oder der Fähigkeit nicht nur sich selbst in den Mittelpunkt des Seins zu stellen.

Mit den Menschen in meinem privaten Umfeld kann / will / darf / soll ich nicht arbeiten. Die Erkenntnis das ich diesen Menschen aber doch helfen kann, wenn auch anders als meinen Klienten – hat auch mir geholfen!

Ich setze Grenzen – nicht für mich, sondern für Dich!

(Bla, bla , bala… ich halte es aus mich auch mal nicht so gut zu fühlen… bla, bla, bla…)

Ich setze Grenzen – für andere!

  • für all jene die das nicht so gut können
  • für die, die nicht so ernst genommen werden, wie ich,
  • für die, die die Grenzen bei anderen nicht so gut sehen, spüren
  • und für die, die diese Grenzen bei anderen nicht interessieren.

Ich setze Grenzen, sage Nein, damit andere Menschen spüren wo Grenzen sind, Grenzen erkennen lernen, Grenzen anerkennen, ein Nein akzeptieren lernen.

Ich setze Grenzen und sage Nein! nicht / oder weniger für mich (das kann ich nämlich nicht so gut 🙂 ) , ich setze sie für Dich! für alle anderen – und das kann ich dann sehr gut!

Damit mein / Dein Gegenüber erkennen kann, gelernt hat, spürt – wo meine / Deine Grenze ist!

Seitdem ist Grenzen setzen und Nein sagen viel einfacher geworden 😀

 

PS: Das Bild wurde mir mal von einem Bekannten geschickt. Der Kontakt ist abgebrochen, ich hoffe ich verletzte keine Urheberrechte…falls doch lösche ich es sofort wieder! Einfach Bescheid sagen!

 

 

 

Immer wieder Anlauf nehmen!

Tagtäglich habe ich mit Menschen zu tun, deren Eltern versagt haben.

Warum ist dabei nebensächlich! Wichtiger ist, die Kinder sehen es Ihnen meist nach, verzeihen, wollen trotzdem geliebt und anerkannt werden und geben die Hoffnung nicht auf dies eines Tages zu erleben.

Immer wieder versuche ich diesen erwachsenen „Kindern“ zu erläutern, dass sie keine Schuld am Versagen der Eltern haben, keine Verantwortung für deren Unfähigkeit übernehmen müssen und das diese Eltern es nicht anders konnten, wollten…

Dabei ist es völlig egal ob die Eltern überbehütend, kontrollierend, manipulativ oder grausam waren. Kinder sind schuldlos! Immer! Und tragen für den Rest ihres Lebens die Spuren mit sich, ähnlich körperlichen Narben, sichtbar wenn man genau hinschaut und spürbar.

Es ist nicht heilbar, man kann es verschleiern, man kann es verstecken, man kann es versuchen zu vergessen, verdrängen, wegsaufen, kiffen, oder wegarbeiten. Es bleibt und nur eine ständige Auseinandersetzung damit hilft daran nicht zu erkranken, oder unterzugehen.

Diese Auseinandersetzung hört nicht auf, egal wie alt man wird, egal wieviel man erkannt und verstanden hat, die Verhaltensmuster der Kindheit schlagen immer wieder zu und geben einem das Gefühl schon wieder in die Falle gegangen zu sein, wieder am Anfang zu stehen.

Ganz ehrlich?! Ja, das ist so! Diese Kinder stehen immer wieder da wie am Anfang als sie begannen daran zu arbeiten. Und? Schlimm? Nein, es ist eben einfach so und das mauss man akzeptieren – wehren hilft nicht!

Jedes Kind aus einem Elternhaus in dem die Eltern keine „Fähigkeit“ besaßen Eltern zu sein wird immer wieder „gefühlt“ am Anfang des Veränderungsprozesses landen. Wird gefangen von den Verhaltensmustern die es in der Kindheit gelernt hat. Diese sind zu Reflexen geworden, überfallen das Kind aus dem Hinterhalt und kehren immer und immer wieder zu ihm zurück, auch wenn es denkt es hat alles im Griff.

Aber das ist nicht schlimm oder schrecklich. Jedes Kind aus einem solchen Elternhaus hat dadurch Fähigkeiten erworben die andere Menschen so nicht haben. Fähigkeiten die diesem Kind selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Fähigkeiten die es sehen lernen muss, statt sich immer nur auf sein erneutes Versagen der Ablösung und Veränderung zu konzentrieren. Fange an Dich genau anzuschauen und Du wirst sehen was Du besser kannst als alle anderen!

Es geht nicht um ein „Fertig“ werden mit den Eltern, um ein „besser machen“, oder darum ein Verhalten abzulegen. Es geht darum dieses alles bewusst zu erleben, Vor- und Nachteile, und neue Entscheidungen für eigenes Verhalten zu treffen. Schuldgefühle als das zu sehen was sie sind, ungerecht, unangemessen und nicht sinnvoll. Und dann wieder dagegen anzugehen Verhalten zu wiederholen von dem man nicht mehr machen sollte, aufzuhören mit der ewigen Rebellion in Form eines Selbstboykotts, aufzuhören mit der ablehnenden Haltung gegen Hilfen um Abhängigkeiten zu vermeiden, und aufzuhören mit den ständigen Selbstzweifeln ob man endlich mal reicht, genug ist, genug getan hat.

Wie das alles geht? Immer wieder anfangen ist die Lösung!

Immer wieder von neuem anschauen was man getan hat, was man erreicht hat, Ziele setzen, vorwärts gehen, aber in dem Wissen und der Akzeptanz dafür, dass man auf seiner Vergangenheit aufbaut, aber der Aufbau ein eigener sein kann und soll.

Nicht aufhören – auch wenn es nie aufhört. Nicht aufgeben – auch wenn es Kraft kostet und es sich doch immer wiederholt. Denn es ändert sich bei jedem wieder aufstehen, ein bisschen, ein bisschen mehr und es wird immer einfacher – ganz sicher!

Das Ende des gemeinsamen Lebens

„Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende Person bezeichnet man als Freund oder Freundin. Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften.“, sagt Wikipedia, so ganz trocken und rein faktisch.

Diese Beziehungen sind oft wichtiger, halten meist länger als Partnerschaften. Sie werden über Jahre aufgebaut, begleiten, verfestigen sich, zeichnen sich aus durch Treue, Loyalität und gewachsenes Vertrauen.

Freunde sind kompromissbereiter, anpassungsfähiger als so mancher Partner. Sie überstehen Entfernungen, Veränderungen, Krankheiten. Sie werden immer wieder bewusst gepflegt mit viel Zeit, Arbeit, Vertrauen und letztendlich einer tiefen Form der Liebe aufrecht erhalten. Sie sind unbeschreiblich wertvoll. Sie werden oft auf die Probe gestellt und sind scheinbar mit den Jahren kaum noch angreifbar, die letzte Bastion bei Lebenskrisen jeglicher Art.

Der Schmerz der eine Beendigung einer solchen langjährigen Freundschaft begleitet ist mit Worten daher kaum zu beschreiben. Er scheint in jedem Winkel unseres Seins, in jeder Stunde des Tages und an jeder Stelle des Körpers zu schmerzen.

Methapern und Umschreibungen hierfür sind nur Krücken, hilflos wirkende Versuche zu erläutern welche Gefühle einen den ganzen Tag beschäftigen und in der Nacht in den Träumen heimsuchen. Die Auswirkungen auf den Geist und den Körper kann man jedoch nicht wirklich beschreiben, nicht einmal annähernd selbst erfassen.

Der Trost durch andere ist wirkungslos und im Gegensatz zur Trennung von einem Partner kann weder ein neuer „angeschafft“ werden, noch besteht die Hoffnung jemals wieder einen solchen Freund zu finden. Der „Zeuge“ für eine bestimmte Lebenszeit, für unserer Entwicklung, unser Erleben ist nicht ersetzbar.

Ähnlich dem Gefühl bei einer Trennung in einer Partnerschaft gerät der Mensch daher oft in eine existenzielle Krise.
Er hinterfragt bei sich und dem anderen, die Menschenkenntnis, die Wahrnehmungen und alle Handlungen. Er verliert den Boden unter den Füßen, ist doch nichts was gesprochen und getan wurde mehr wahr oder glaubwürdig. Nichts scheint mehr sicher und stabil, denn Jahre, Jahrzehnte in denen man glaubte jemanden zu kennen waren nicht das was sie schienen. Zu wissen das man jemandem blind vertrauen kann, sich ihm ganzheitlich offenbaren kann mit allen Schwächen, Ängsten, Stärken, allem Blödsinn und all den guten und schlechten Gedanken, warr eine Illusion. All das ist unwiederbringlich verschwunden als sei es ein Traum, eine Illusion gewesen.

Die Fragen die den verlassenen Freund quälen, wann das Ende begann, wie lange schon der andere sich abwandte und einen vielleicht nicht nur kritisch, sondern vielleicht auch voller Verachtung betrachtete bleibt ungeklärt. Ob die angenommene Akzeptanz des eigenen Wesens jemals vorhanden war, bleibt ungewiss. Vielleicht hat man sich über Jahre schon zum Narren gemacht? Die Frage nach all den „Geheimnissen“ die man teilte, deren weiterer Verwendung von dem nun verlorenen Menschen wird sich vielleicht im Laufe der nächsten Zeit schon zeigen.

Verwundungen, Traumatisierungen dieser Art sind schwer zu verarbeiten, stellen sie einen Menschen doch als Ganzes in Frage. Ein miteinander reden, bearbeiten und klären, ist oft nicht mehr möglich.

So bleibt ein Mensch zurück, der an sich, am anderen, an nahezu allem zweifelt und schwankt zwischen Trauer, Anklage, Selbstzweifeln und Verzweiflung.Ein traumatisierter Mensch, der oft aus dem Nichts von einem Verlust getroffen wurde, der häufig unerklärlich bleibt und ihn hilflos zurückläßt.

Das daraus resultierende Gefühlschaos, gleicht den Wellen die in Richtung Strand zwar langsamer werden, immer mehr an Kraft verlieren, aber nicht aufhören, sich wiederholen und dabei scheinbar lange kaum an Intensität verlieren. Unterschiedliche Gefühle, Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Enttäuschung überfluten den vom Freund verlassenen Menschen immer und immer wieder. Und wie bei den Wellen am Strand bleibt ein Bereich zurück der sozusagen nicht trocknen, heilen kann, immer wieder aufgewühlt wird. Der den Glauben an sich selbst und andere schwächt, der in Frage stellt, das Vertrauen in andere zu haben gerechtfertigt und richtig ist, das Offenheit und authentisch sein lebbar und wertvoll sind.

Ein Überwinden dieser Krise ist unter anderem deshalb so schwierig, weil der nun sensibilisierte Mensch auch alles und alle anderen kritisch betrachtet und Anhaltspunkte bei allen und jedem findet das hier ebenfalls Gefahr für Verrat droht. Das lässt ihn schnell zweifeln, lässt ihn aufhorchen bei Worten die diese Zweifel unterstützen könnten. Verrat scheint überall möglich, wenn schon dieser spezielle Mensch einen unaufgeklärt über den Grund des Abschieds verläßt.

Die Verarbeitung findet dabei in unterschiedlichen sich wiederholenden Stadien statt. Andere haben diese Verletzung schon vergessen, während der Betroffene sich weiterhin damit quält. Denn ein solcher Verlust ist ein Trauma, eine seelische Wunde, in diesem Fall ausgelöst durch einen belastenden und nicht ersetzbaren Verlust.

Es scheint von außen gesehen kein so drastisches Ereignis zu sein, überfordert den Mensch jedoch in seinen Verarbeitungsmöglichkeiten. Meist führt dies zu einer Art posttraumatischer Belastungsstörung, die falls sie nur verdrängt wird über lange Zeit krank machen kann. Erneute Traumatisierungen durch die Gefahr der anderen Sicht, die Vorsicht, das Risiko sich selbst zu isolieren und zu schädigen isind wahrscheinlich. Denn die Traurigkeit, Resignation, wiederholt sich bei Fixierung auf ein solches Thema mehrfach und andere Menschen im Umfeld können das Gefühlschaos häufig nicht nachvollziehen und tun es als „übertrieben“ ab. Auch wenn der Mensch glaubt sie überwunden zu haben, bleibt der Einfluss oft länger als wahrnehmbar und taucht wiederholt unverhofft wieder auf, je nach Intensität und dem vorhandenen Verdrängungsmechanismus.

Was bleibt ist eine Narbe auf der Seele, ein schnelleres Aufflammen von Misstrauen und Unsicherheit in neuen Beziehungen. Letztendlich wird der Mensch (nach längerer oder kürzerer Zeit) neue Bindungen eingehen, diese aber dann häufig schon etwas länger als zuvor weniger offen leben, immer gefasst sein auf den „Betrug“. Und wer sucht der findet, meist durch eine höhere Anspruchshaltung an den anderen, oft auch eine höhere Sensibilität für „Vergehen, Verrat, Fehler“ bei dem anderen.

Heilbar sind solche Verletzungen nicht wirklich da die gesteigerte Aufmerksamkeit für Vergehen an den Werten der Freundschaft den Fokus darauf erhöht.

Traumatisierungen können in ihren Folgen verändert werden, auslöschen kann man sie leider so gut wie nicht.

Damit leben kann man aber trotzdem.

Wichtig ist sich bewusst zu sein das es sie gibt, sie nicht zu verdrängen, sie sich immer mal wieder prüfend anzuschauen und so sensibel für ihren Einfluss im Alltag zu werden.

Sie sind wie körperliche Narben, man spürt sie mal mehr mal weniger, bei einem Wechsel der Atmosphäre mögen sie schmerzen, aber auch daran kann man sich gewöhnen und lernen damit zu leben.

Bestenfalls sieht man sie als einen Entwicklungsschritt an der einen weiter bringt.
Schlimmstenfalls wird es zu einer Belastung die man mit sich, mit Freunden nicht ausreichend bearbeiten kann.

Dann gibt’s ja aber immer noch Fachkräfte, Psychologen die gelernt haben solche Ereignisse so in das Leben zu integrieren, dass sie erträglich und bestenfalls für das weitere Leben sinnvoll verwendbar werden. Es gibt eine gewisse Befreiung von Symptomen. Und es gibt vielleicht auch so etwas wie eine Versöhnung mit dem eigenen Schicksal. Aufgabe der Therapie ist es, dem Trauma den zentralen Stellenwert zu nehmen.

Systemische Familienaufstellung

Wann?
Samstag 19.11.2016 von 10 Uhr bis spätestens 18 Uhr
Wo?
Zeppelinstrasse 31 b in Landau / Pfalz
(inkl. Verpflegung und Nachsorge)
Anmeldung in der Psychologischen Praxis Petra Dahl
unter:
06346 / 9590850
oder
0170 / 8128824
Details

Familienaufstellung, systemisch, unter professioneller und kompetenter Anleitung. Inklusive einer Sprechstunde und einer Nachsorge, falls Fragen auftauchen.

Je nach Anzahl der Aufstellungen beenden wir den Tag. Spätestens jedoch um 18.00 Uhr. Für einen Snack Mittags und Getränke ist gesorgt.

Möchtest Du mehr über die Zusammenhänge in Deiner Familie wissen ? Verstehen warum sich jemand so verhält wie er / sie es tut? Möchtest Du Dein eigenes Verhalten näher ergründen?

In einer systemischen Familienaufstellung kannst Du all das herausfinden und noch viel mehr.
Du kannst Klärungen herbeiführen, Lösungen finden, einen Abschluss mit Personen oder Themen für Dich erreichen.
Natürlich inklusive eines Nachsorgeangebots, falls Fragen auftauchen.

Hast Du noch nie an einer Aufstellung teilgenommen?
Dann komme als Stellvertreter und Du wirst erleben wie Du etwas weißt was Du nicht wissen kannst, oder auf etwas reagierst ohne das diese Reaktion für Dich typisch ist.

Es ist anstrengend, es ist überraschend, es ist eine Erfahrung die Dich weiter bringt.
Ich freue mich schon sehr auf Dich, ob als Stellvertreter oder Aufsteller.

Telefonische Anmeldung unter: 06346 / 9590850
oder 0170 / 8128824

Fremd gehen

Er hat es getan, sie hat es getan.
Beide sind erschüttert nachdem es zu einem Thema zwischen ihnen geworden ist.
Hilflosigkeit zweier Menschen, die zusammen leben möchten, aber nicht wissen wie sie das mit dieser „Sache“ zwischen ihnen weiterhin tun können/sollen.

Der Täter bereut und schwankt zwischen Schuldgefühlen, Trauer, Trotz, Hilflosigkeit und Wut, Dem Opfer geht es nicht anders, es schwankt zwischen Wut, Angst, Hilflosigkeit und Trauer.

Gefühlschaos!
Existenzielle Krise nicht nur in der Beziehung, auch für jeden der beiden.

Oft wird dem Täter erst bewusst was er aufs Spiel gesetzt hat wenn „es“ geschehen ist und er / sie bereut tiefgehend, allerdings ohne dies letztendlich glaubhaft machen zu können.
Der Täter weiß nach kurzer Zeit, er / sie hat jegliches Vertrauen verspielt, steht nicht nur bei Null wie am Beginn der Beziehung, sondern jetzt im Minus. Er kämpft bei jeder Auseinandersetzung mit dem Geschehen mit seinen eigenen Schuldgefühlen, aber auch mit dem Trotz, der Wut und der Hilflosigkeit sich ständig erklären zu müssen, ohne sich verständlich machen zu können.
Jedes Mal, wenn er / sie glaubt das Thema sei nun erledigt beginnt es von vorne. Gequält tut er / sie Buße und nie scheint es genug. Er / sie bemüht sich um Offenheit, erklärt sich, versucht Verständnis zu haben für das absonderliche erscheinende, wechselhaft Verhalten des Opfers.

Das Opfer verliert den Boden unter den Füßen. Es hinterfragt alles, jedes Wort, jede Handlung, die bisher in dem Paarsystem stattfand. Schlimmer noch, es hinterfragt sich, seine Attraktivität, seinen Wert, seine Menschenkenntnis. Plötzlich scheint nichts mehr sicher. Das Vertrauen nicht nur in den Partner, auch in alle anderen Beziehungen ist schlagartig geschwächt oder verschwunden. Selbst das Vertrauen in all das was es selbst ist, glaubte zu sein, ist nun fragwürdig. Ständig durchläuft es die Spirale von zusammenbleiben wollen, sich trennen wollen, verzeihen können, wütend sein, zweifeln an dem Partner, an sich, hoffen auf vergessen und der Angst davor das es erneut geschieht. Das Opfer fordert Beweise, kontrolliert, forscht, sucht bei sich, beim Täter, will darüber reden, will es nicht hören, glaubt, glaubt nicht, schwimmt in einem riesigen Meer von Zweifeln.

Keiner von beiden kann die Erwartungshaltung des anderen verstehen, obwohl er sie gleichzeitig auch immer mal wieder nachvollziehen kann. Beide wollen nur eines, es ungeschehen machen. Es soll wieder so sein wie vorher!

Wie ist es denn bei den anderen?

Natürlich gibt es hierzu Untersuchungen. Forscher aus unterschiedlichen Fachgebieten versuchen herauszufinden warum Partner fremd gehen oder erfassen in Zahlen, wie viele es tun. In Wikipedia findet man zum Beispiel eine Statistik von Ragnar Beer, Psychologe und Paartherapeut, der hierzu 3334 heterosexuellen Männern (34 %) und Frauen (66 %) befragte und angibt:

50 % der betrogenen Männer und 55 % der betrogenen Frauen kontrollieren, ob sie von ihrem Partner noch immer oder wieder betrogen werden…
…die Betrogenen durchsuchen die Taschen ihres Partners, durchstöbern seine Post, lesen seine E-Mails und checken sein Handy auf Telefonate und SMS
48 % der Männer und 53 % der Frauen haben die Untreue ihres Partners erahnt
58 % der Frauen, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
51 % der Männer, die etwas geahnt hatten, haben den Seitensprung herausgefunden
70 % der Frauen sind wütend auf die andere Frau, 68 % auch auf den eigenen Mann
70 % der Männer sind wütend auf den anderen Mann, aber nur 47 % auf ihre Partnerin

Die Umfrage unter 2601 heterosexuelle Untreuen, 45 % der Befragten Männer und 55 % Frauen ergab:

Untreue Frauen fanden ihren Liebhaber zu 35 % im Freundeskreis. Männer gingen zu 28 % mit Freundinnen und zu 20 % mit Kolleginnen fremd
Für die meisten der Befragten war es nicht der erste Seitensprung. 51 % der Männer und 45 % der Frauen waren in der aktuellen Partnerschaft schon untreu
Zwei Drittel der Affären liefen länger als einen Monat. Etwa ein Drittel dauerte sogar länger als ein halbes Jahr. One-Night-Stands kommen dagegen selten vor
Auch die Liebhaber waren oft gebunden: Frauen zu 58 und Männer zu 52 Prozent
Ist der Seitensprung aufgeflogen, bricht der Kontakt zum Liebhaber nicht ganz ab
Etwa 40 % sehen ihre Affäre weiterhin mindestens einmal die Woche

Es gibt viele Erklärungen und Modelle, das Liebesmodell stamme aus Bürgertum und Romantik, die Liebe sei zunehmend zum romantischen Ideal verklärt worden, mit dem Christentum sei ein rigides moralisches Korsett entstanden, die Evolution sorge aber für eine Vermehrung der Stärksten…

Viele Menschen glauben fremdgehen sei das Ende einer Beziehung. Er / sie tut es immer wieder, hat ihn / sie nie geliebt.

Ja, es ist definitiv das Ende einer Beziehung! Zumindest das Ende der Beziehung die bis zum Fremdgehen bestand.

Danach kann eine neue Beziehung beginnen, eine neue Form des Umgangs miteinander entstehen und die ist anders!

Wer sich aber trennt nachdem er betrogen wurde nimmt die Verletzung, das Trauma mit und muss es alleine oder in der nächsten Beziehung bearbeiten, oder, er / sie bleibt misstrauisch, unsicher, kontrollierend, stellt die neue Beziehung auf den unsicheren Untergrund der alten…

Wer bleibt nachdem er betrogen wurde muss an sich arbeiten, sich reflektieren, sich neu definieren und eine neue Form des Miteinanders mit dem Partner erschaffen.
Dies beginnt mit der Abklärung der Beziehungsform. Monogam? Polygam? Meist haben Partner dies zu Beginn ihrer Beziehung nicht abgesprochen, es als selbstverständliche Grundregel vorausgesetzt.

Menschen beginnen schnell „für den anderen zu denken“, glauben zu wissen wie jemand „tickt“, schließen von sich auf andere, setzen ihre Modelle als allgemeingültig voraus.

Das ist als baue jemand ein Haus ohne einen Plan, den Keller in der Form wie er ihm gefällt, das Erdgeschoss darauf, ohne die Form und Größe des Kellers zu beachten oder an die Planung des Daches zu denken.

Paradoxerweise machen wir uns bei einem neuen Arbeitsplatz mehr Gedanken, prüfen den Vertrag und schauen uns in einer Probezeit an ob er für uns passt.
Bei einer Beziehung schließen wir einen unausgesprochenen mündlichen Vertrag miteinander. Dieser beinhaltet Erwartungshaltungen, Wünsche, Sehnsüchte, Erfahrungen die wir mitbringen, meist ohne sie dem Partner explizit mitzuteilen.
Geklärt werden einzelne Punkte dieses Vertrages erst dann wenn etwas geschehen ist das diesen in Frage stellt…

Aber warum passiert so etwas?

Partner sind oft durch ihre persönliche Entwicklung „gerannt“.
Das soll heißen, das Leben mit Kindheit, Pubertät, Ausbildung, Ablösung vom Elternhaus und dem Erleben der Außenwelt ist anstrengend, vielfältig, schnelllebig und kostet Zeit.
Das Gefühl etwas zu verpassen, in der jetzigen Zeit durch den Informationsüberfluss intensiver denn je, lässt einen durch das Leben rennen, schwierige Situationen beiseite schieben, umgehen, auf später verschieben.

Viele Menschen scheinen ständig durch ihr Leben zu rennen und nehmen, wie beim realen Laufen, ihre an den „Seiten“ auftauchenden Fragen, Schwierigkeiten, „Themen“ nur verschwommen wahr.

Eine feste Beziehung ist hier wie das laufen auf Sand, sie bremst, wiederholt sich und führt einem damit die „Seiten“ vor Augen die man zuvor nicht wahrnehmen wollte. Der Partner möchte sich darauf einlassen, will „ruhiger“ werden, seine „Heimat“ finden, ankommen, aber gleichzeitig hat er ja noch nicht wirklich probiert wie es ist langsam zu gehen oder gar still zu stehen.

Wenn das Schema „Flucht“ bis dahin aber doch so gut funktioniert hat, so ist es nicht verwunderlich, dass es wieder einsetzt, manchmal ob man will oder nicht…

Die Beziehung auf neue Beine stellen bedeutet:

Nach einer Zeit der Trauer und Wut, der Hilflosigkeit und der Auseinandersetzungen zurückkehren zum eigentlichen Ziel der Beziehung.
Was war das? Das gilt es nun heraus zu finden.
Die Partner müssen sozusagen den Vertrag neu schreiben. Sie müssen erkennen und dies bewusst, sie sind zwei unterschiedliche Menschen und können eine Gemeinsamkeit im Verhalten und Denken nicht einfach als gegeben voraussetzen.

In der Paartherapie in der Praxis werden von mir Übungen zur Kommunikation, zur Ermittlung und Prüfung von Werten, Regeln, Normen durchgeführt. Gemeinsamkeiten werden geschaffen, aber auch das jeweils „eigene“ Leben eines Partners wird gestärkt.

Es ist ähnlich wie beim Bau eines Hauses:
Was haben wir zur Verfügung? Was benötigen wir? Wie wollen wir zusammenarbeiten? Was ist unser Ziel? Etc….

Und nein, es ist nicht zu abstrakt, zu kalt, zu rational eine Beziehung auf diese Art und Weise aufzubauen oder wiederzubeleben. Eine Beziehung hat viel Ähnlichkeit mit einem Haus, wenn sie für beide funktioniert. Sie schützt, gibt Geborgenheit, hat viel genutzte und weniger genutzte, geliebte und ungeliebte Bereiche. Sie ist mal sauber und ordentlich, dann chaotisch…
Beziehung ist, wie der Raum, die Wohnung, das Haus in dem wir leben. Wir müssen ständig wieder aufräumen, säubern und pflegen, dekorieren, reparieren und können dies einmal die Woche oder täglich tun. Wir können uns viel darin aufhalten oder wenig, es uns gemütlich machen oder es eher repräsentativ einrichten. Wir können es genießen, als Statussymbol ansehen oder als Dach über dem Kopf.

Es sollte aber in einer Partnerschaft immer eines sein – ein gemeinsamer Entwurf.

Daher können Paare, auch wenn sie jemand anderen lang oder kurzfristig als „Untermieter“ hatten, beiden bewusst oder von einem durch den Keller eingeschleust, ihren Wohnraum umgestalten oder eben ausziehen und sich einen neuen suchen…

Sich verständlich ausdrücken ist…

…ganz einfach, zumindest für mich.

Ich kann zu fast allem etwas sagen. Zur Not eben, „Da kenne ich mich nicht aus.“und dabei finde ich mich auch noch mutig und bin stolz darauf es zugeben zu können.

Ansonsten passe ich während der Arbeit natürlich auf was ich und wie ich es sage. Aber im privaten eher nicht. (Es sei denn es ist mal wieder jemand dabei der denkt mein Wort ist Gesetz weil ich ja Diplom-Psychologin bin, dann achte ich notgedrungen auch sehr auf meine Worte.)

Ich bemühe mich ja auch um Allgemeinwissen, lese viel, höre Nachrichten, vertiefe Wissen per Internetrecherche, unterhalte mich mit Fachleuten. Ich bleibe meist mit dem schalen Geschmack von Halbwissen zurück, kann, wie man mir sagt, damit aber in Diskussionen gut bestehen und wirke informiert.

Also alles in allem scheine ich mich gut ausdrücken zu können!

Dann gibt es da aber so Situationen, da ist sich ausdrücken…

…gar nicht so einfach! Ode einfach unmöglich…

Mit einem Rechtsanwalt zu sprechen und ihm die aktuelle Situation zu erklären scheint meine Möglichkeiten zu sprengen. Ich muss immer wieder später noch eine Mail schreiben oder anrufen, hab ich doch wirklich relvante Dinge vergessen. Und was er mir sagen wollte, darüber grübel ich noch Tage später.

Mit meinem Versicherungsvertreter geht es mir so ähnlich, der redet in Begriffen (denkt ich verstehe das alles) die ich nachschlagen muss. Ich will  mir ja nicht die Blöße geben der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein.

Selbst mit Menschen meines Umfeldes habe ich so manches mal meine Schweirigkeiten. Da gibt es Menschen die selbst wohl die einzigen sind die wissen wann ihr trockener, ironischer Humor einsetzt, für mich klingen die als wären sie durchgehend humorvoll. Hier weiss ich dann auch nicht, wann ist der Mensch wirklich sauer? Wann kritisch? Oder wann will er mir wirklich eine Ansage machen die ihm wichtig ist?

Am schlimmsten ist es jedoch mit Studenten der Geisteswissenschaften. Die verstehen was ich sage, ich auch meist was sie sagen. Soweit, so gut. Dann aber werden meine Aussagen  in der Luft zerissen.Denn… ich rede nicht im wissenschaftlichen DUKTUS (In den Sprachwissenschaften ist der Duktus ein bestimmtes Charakteristikum beim Schreiben oder beim Sprechen.). Daher treffe ich nach deren Meinung zu „absolute Aussagen. Statt zu sagen: „Der Meinung des Autors XY zustimmend, habe ich den Gedanken entwickelt das…“ benenne ich den Inhalt des Gelesenen in einer Mischung mit meinen eigenen Erfahrungen oder Gedanken zum Thema. Wie unprofessionell… wie mißverständlich…

Da wird ein locker begonnenes Gespräch in das ich gut gelaunt hineinging dann manchmal zum Todschläger, ich krabbel innerlich auf allen vieren, fühle mich klein, dumm und hässlich obendrein.

Wie kann es sein, dass wir, egal welchen Job wir haben, welche Bildung, welchen wissenschaftlichen, akademischen Titel, nicht mehr in der Lage sind uns zu unterhalten?

Und was bedeutet das denn dann bitte für eine Verständigung von Menschen unterschiedlicher Muttersprache? Sage ich im englischen Sprachgebrauch wirklich das was ich sagen will?

Die einzige Möglichkeit die ich für mich sehe sicher zu sein das ich den anderen verstanden habe, ist seine Aussage kurz zusammengefasst zu wiederholen, so eine Art Inhaltsangabe, bevor ich antworte. Zwar denkt mein Umfeld mittlerweile schon ich habe jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht, aber ich weiss ich werde so verstanden wie ich es ursprünglich mal wollte als ich anfing zu sprechen…

 

Yes Yes Yes oder was Menschen eint…

Mittlerweile für eine Gruppe von Freunden ein Standardsatz bei dem alle schmunzeln müssen, „Yes, Yes, Yes“.

Über ziemlich unglückliche Umstände kam ich in den zeitweisen Besitz eines 22 Jahre jungen Amerikaners. Ein echter Beach-Boy aus Florida, von den deutschen Gastgebern übel im Stich gelassen und mehr oder weniger bei mir abgesetzt.

Während die Welt um mich herum begann immer kälter zu werden, womit ich nicht nur die Jahreszeit meine, sondern auch das irritierende Geschehen in Deutschland, Herbst 2015, sollte ich also für den amerikansichen, von Wärme verwöhnten Jüngling mit Migrationshintergrund, ohne Kenntnis der deutschen Sprache für 3 Monate die Gastgeberin mimen.

Mein Englisch ist passabel, Verständigung also kein so großes Problem. Meine Vorurteile bezüglich den Bewohnern Amerikas hatte er schnell durch seine Fähigkeiten zur Selbstreflektion und viele interessante Unterhaltungen entkräftet. Aber der Altersunterschied mit den einhergehenden doch sehr unterschiedlichen Interessen, mein eingebunden sein in berufliche und private Verpflichtungen machte mir Sorgen.

Ih bemühte mich also ihn in meinen Freundes- und Bekanntenkreis zu integrieren, was guten Gewissens möglich war, hatte er sich doch als verlässlicher und intelligenter, empathischer Mensch erwiesen. Zuerst nahm ich ihn mit auf eine große Outdoorparty in der in Gruppen an verschiedenen Orten Aufgaben bewältigt werden mussten. Mit dabei, eine deutschsprachige Freundin mit zwar verschütteten aber vorhandenen Englischkenntnissen, ein deutsch-türkischsprachiger Freund ohne ebensolche und ich. Das Ergebnis des Abends war neben viel Gelächter und Spaß jenes „Yes, Yes, Yes“, das immer dann erschien, wenn mal wieder eine Sprachbarriere die Verständigung blockierte, wir uns aber einig waren es sei alles okay und wir kommen schon irgendwie klar.

Nach diesem Abend kamen noch weitere Freunde meinerseits mit „meinem“ Beach Boy in Kontakt und diese begleiteten ihn per Messenger auf seiner von mir organisierten Reise nach Berlin zu einem meiner weiter entfernt wohnenden Freunde. Ein Mix aus deutsch, englisch, Denglisch in unserer „Beach Boy goes to Berlin“ Gruppe sorgte für viel Spaß bei uns allen. Fotos aus Berlin, Anekdoten und am Ende der Reise eine original Currywurst (roh und mit Soße) aus Berlin für einen von uns gaben uns allen das Gefühl mit dabei gewesen zu sein.

Wieder zurück waren wir mit mehreren Leuten zu einer liebevoll gekochten Mahlzeit bei einer Freundin eingeladen. Um uns herum tobte Deutschland mit Flüchtlingskrise, Terror ind Paris, Angriffe auf die unterschiedlichsten Personen des öffentlichen Lebens. In unserer Gruppe gab es ebenfalls Menschen in finanziellen, existenzbedrohenden Lebenskrisen, andere denen es rundum gut ging und eben jenen jungen Amerikaner der mittlerweile zu Freunden von mir gezogen war die mit Kind, Hunden und Umzug mehr Beschäftigung für ihn hatten.

In unserer Messengergruppe, die mittlerweile umbenannt war zu „Yes, Yes, Yes“ ging die Kommunikation in Form von Absprachen, wer mit ihm wo hin gehen würde, aber auch Gesprächen zwischen einzelnen meiner Freunde weiter.

Irgendwann stellte jemand die Frage, warum wir gerade jetzt, so intensiv zueinanderfänden, ob es nur an dem gestrandeten Amerikaner oder meinen Netzwwerkfähigkeiten liege. Nach vielen Gedanken und einem intensiven Austausch hierzu kamen wir übereinstimmend zu folgendem Ergebnis:

Der Anlass war ja wirklich jener Mensch mit Migrationshintergrund der für 3 Monate in Deutschland weilte, ohne der Sprache mächtig zu sein und ohne große Geldreserven. Der Zufall wollte das er an einen Menschen mit einem großen Freundes- und Bekanntenkreis geraten war der ihn vernetzen konnte. Der Motor von allem jedoch waren die Menschen, die helfen wollten und konnten. Der Zusammenschluß von all denen die sich für den jungen Mann engagierten, emotional, mit Zeit und Geld, führte zu einer Verringerung der Konzentration auf das Geschehen um uns herum, auf eine Ablenkung und Linderung der Angst durch die Erfahrung, wie viele tolle engagierte Menschen es doch gibt.

Ohne das wir dies bezweckt oder geplant hätten führte diese Vernetzung zu einer Fürsorge, einem Kümmern aller um alle. Die Möglichkeit sich Unternehmungen anzuschließen, die Kontakte mal lockerer, mal intensiver aufrechtzuerhalten, dieser Zusammenschluss von Menschen die für jemand anderen da waren, war sicher das Gegenteil von dem was die Terroristen bezweckt haben…

YES YES YES – steht daher bei uns  für – wir sind für einander da – wir kümmern uns umeinander, wir sorgen uns umeinander und wir erfreuen uns aneinander.

Verliebt, verlobt, verloren (5)

 Der Junge und seine Mutter … gelebte Klischees

Immer wieder habe ich den Eindruck recht ähnliche Paarkonstellationen, also Partner mit ähnlichen Verhaltensmustern, die in einer bestimmten Haltung zum Leben und damit zu zwischenmenschlichen Beziehungen befinden, sich auf eine Paartherapie einlassen.

Typisch hierfür ist die Zusammenstellung aus einer auf den ersten Eindruck stark wirkenden, eigenständigen, den Alltag, Haushalt, Kinder und Job (auch alleine) stemmenden Frau und einem Mann, der jungenhafte, nachgiebige Züge zeigt, im Job oft durchsetzungsfähig und erfolgreich ist.
Die Problematik dieser Paare gleicht der Beziehung zwischen Mutter und Sohn in der Zeit der Pubertät ohne aktive Gegenwehr des Sohnes, allein mit passiver Verweigerung.

Die Problematik dieser Paare gleicht der Beziehung zwischen Mutter und Sohn in der Zeit der Pubertät ohne aktive Gegenwehr des Sohnes, allein mit passiver Verweigerung. In ihrer Gleichaltrigengruppe sind diese jungen Männer oft anerkannt und gehören zu denen die man gerne um sich hat.

In solchen „Mutter – Junge“ Beziehungen finden sich oft ähnliche „Geschichten“.

Meist handeln diese von versuchten Erziehungsmaßnahmen durch die Partnerin nach der ersten „rosaroten Brillen Zeit“. Von der Hoffnung auf Verantwortungsübernahme nach der Geburt des Kindes, dem Hausbau oder anderen „gemeinsamen“ Projekten.
Auch höre ich von sich in unterschiedlichster Weise „flüchtenden“ Männern, die nicht greifbar, nicht so recht konfliktfähig erscheinen, die Partner damit ins Leere laufen lassen, sich aber immer wieder Mühe geben den an sie gestellten Ansprüchen gerecht zu werden und die Problematik in der Beziehung weder wirklich wahrnehmen noch ihr Verhalten aus Einsicht in die Notwendigkeit ändern können.

Sie scheinen bereit sich auf den Wunsch der Partnerin hin auf eine Beratung einzulassen, boykottieren diese dann auch nicht offensichtlich, leisten eher Widerstand durch Passivität, Zusagen, die sie nicht einhalten, scheinbare Vergesslichkeit in Bezug auf die akute Gefährdung der Beziehung.

Meist ist ihnen das Drama in ihrer Beziehung, das Risiko eines nahen Scheiterns wirklich nicht bewusst.

Werden sie damit konfrontiert, so scheinen sie ernsthaft erschüttert und bereit fast alles für den Erhalt der Beziehung zu tun, bis das Verhaltensmuster der Flucht und Verdrängung wieder greift. Nicht das sie wirklich die Beziehung verlassen wollen würden, sie flüchten in Nachgiebigkeit, in scheinbare Zusagen sich zu ändern, aber auch in Arbeit oder Suchtstoffe.
Auf die Partnerinnen wirkt dies meist unverständlich egozentrisch, führt zu tief gehenden Verletzungen und zu gleichzeitiger durch kurzfristige Verhaltensänderungen mit immer wieder aufflammender Hoffnung auf ein „Happy End“.

Da diese Paare fast immer erst dann kommen, wenn die Partnerin keinen anderen Ausweg mehr sieht, fast alles, was ihr möglich ist schon ausprobiert hat und kurz vor der Trennung steht, ist Therapie hier oft recht schwierig.

Die Frau merkt, dass ihre Energie nicht ausreicht, um noch lange so weiter zu machen, hat oft psychosomatische Beschwerden oder depressive Verstimmungen, der Mann sieht dies nicht, nimmt es nicht ernst, oder schätzt es als eine vorübergehende Phase von Schwäche ein. Diesen Paaren Verhaltensmuster aufzuzeigen und diese langfristig zu verändern ist aber Arbeit für beide und manchmal haben sie dafür dann einfach nicht mehr die Energie oder die Zeit

Als Paartherapeut hat man die Situation schnell recht klar erkannt, ist aber dann im Handlungsspielraum, aufgrund Zeit und Energiemangel, stark eingeschränkt.

Schnell gerät man in den Sog, den diese Beziehung auf andere bewirkt. Kurz fassen könnte man dies als „Partnerin muss entlastet und Partner aufgeweckt werden“. Klar ist, beide leben dieses Muster schon lange, beide haben Nutzen davon. Es nützt also nichts eine Veränderung herbeizuführen, wenn der neue „Nutzen“ nicht größer und spürbarer ist als der alte. Das Konzept von Aufklärung und Veränderung, üben und Nachkontrolle oder Nachbesserung, funktioniert hier meist recht gut, solange beide noch aktiv an der Beziehung arbeiten können.

Hier muss der Paartherapeut sich jedoch sicher sein, auf welchem Energielevel die Partnerin ist. Sie wird meist die Beziehung nicht aufgeben, wenn nicht ihre Existenz oder ihr Nachwuchs gefährdet ist. Beides ist stark abhängig von ihrer Regenerationsfähigkeit. Daher scheint der erste sinnvolle Schritt, sie muss loslassen und abgeben üben, er festhalten und übernehmen. Dies widerspricht aber allem was die beiden bisher gelebt haben und hinterlässt bei beiden ein „Loch“, ein Gefühl mangelnder Befriedigung. Dieses „Loch“ muss daher beachtet und gleichzeitig mit aufgefüllt werden.

Die Folge, falls man das „Loch“ nicht beachtet: Diese Paare haben keine Grundlage mehr auf der sie Beziehung leben können.

Ist die Partnerin jedoch schon in der „Kritisieren oder Weinen“ Phase, so empfehle ich eine Pause für sie. Dies beinhaltet ein großes Risiko, denn je nachdem, wo sie diese Pause macht und vor allem mit wem, kann ein Verlassen des „Hamsterrades Alltag“ zu sofortiger anschließender Trennung führen. Andererseits ist ohne ein „Aufrütteln“ beider Partner keine Veränderung möglich und dieses funktioniert nur, wenn sie auch die Kraft zum Wiederaufbau haben. Von Vorteil ist, dass der Partner erkennt, er kann all das was seine Partnerin macht auch stemmen
Ein Termin, sofort nach der Rückkehr der Partnerin sorgt dafür das der Paartherapeut beiden die Anerkennung für das gibt was sie gerade geleistet haben und sie darin bestärkt sich gegenseitig ebenfalls Anerkennung zu geben.

Die Zeit nach der „Rollenumkehr“ entscheidet über die Zukunft der Beziehung.

Unser antrainiertes Rollenmodell, Frauen Verantwortungsübernahme und Versorgung, Männer Konkurrenz und erfolgsorientiert, kann man sich zunutze machen und damit die „Löcher“ beider Partner füllen. Allerdings muss man hier vorsichtig vorgehen, denn die Partner wehren sich instinktiv gegen Veränderungen, die sie aus dem jeweiligen Lebensstil herausholt.
Erfolgreich kann hier Skulpturarbeit sein. Mit dieser kann ein „vorher-nachher Bild“ spürbar aufgezeigt werden. Ich skizziere hierzu, in Strichmännchenform, mein zeichnerisches Talent ist sehr eingeschränkt, die erste Skulptur und lege sie nach dem Stellen der Zweiten dem Paar vor, oder lasse sie in die Erste noch mal einsteigen.
Fortsetzung folgt …