Konträre Erziehungsstile

und die Auswirkungen auf das Erwachsenenleben

Das Aufwachsen in einem Elternhaus mit sehr konträren Erziehungsstilen hat Auswirkungen auf die gesamte Lebensgestaltung. Ein autoritärer Vater, selbst stark geprägt von althergebrachten Vorstellungen wie Männer zu sein haben und eine ebenfalls im Rollenklischee gefangene, angepasste, harmonisierende Mutter, sorgen für eine sehr unterschiedliche Grundstimmung und Haltung dem Kind gegenüber, je nach Anwesenheit der Bezugspersonen. Dies führte, aufgrund ausgesprochener und unausgesprochener Erwartungen zu einer angepassten, eigene Bedürfnisse unterdrückenden Haltung des Kindes. Das Kind erfährt so wiederholt, dass es sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassen muss. Während auf der Seite des Vaters Regeln und Grenzen nicht nur unumstößlich sind, sondern nur Anpassung und Erfüllung der Erwartungshaltungen zu Zuwendung und Anerkennung führen, ist die dem Kind zugewandte Haltung der Mutter in Abwesenheit des Vaters in seiner Gegenwart nicht mehr stabil und sicher auf das Kind ausgerichtet. Daher ist sie nicht als gleichwertig mit der des Vaters zu sehen, ist sie doch nicht an ein Verhalten gebunden, sondern zeigt sich nur dann, im Widerspruch zu den Erwartungen des Vaters, wenn dieser nicht anwesend ist. Die Mutter wird als schwächer als der Vater erlebt und als ebenso abhängig von seiner Anerkennung, wie das Kind selbst.

Außerhalb des Elternhauses hat das Kind, in der von Gleichaltrigen geprägten sozialen Umgebung, kein Modell und keine Anleitung für das dort geforderte oder erwünschte Verhalten. Hier führen die bisher erworbenen Verhaltensmaximen des Elternhauses nicht zum gewünschten Erfolg.

Der Mangel sich selbst im sicheren Umfeld des Elternhauses ausprobieren, auflehnen und Grenzüberschreitungen üben zu können, hat außerhalb des kontrollierenden Elternhauses daher schnell unkontrolliert impulsives und regel überschreitendes Verhalten zur Folge.

Das Kind lernt im Umfeld der Gleichaltrigen dann, dass im Gegensatz zu dem elterlichen Umfeld, Regelverstöße und extreme Verhaltensweisen oft zu Anerkennung und zugewandtem, respektvollem Verhalten ihm gegenüber führen. Dies führte zu weiteren Verhaltensauffälligkeiten aus denen die Eltern schließen, dass eine weitere Disziplinierung, auch im Freizeitbereich notwendig sei.

Um weitere problematische außerhäusliche Situationen zu vermeiden werden so weitere Anteile, der zuvor kreativ und frei vom Kind gestalteten Zeit, in disziplinierende Sportarten oder ähnliche Disziplinarmaßnahmen umgeleitet.

Hier machte das Kind die Erfahrung, dass die Erfüllung der Erwartungshaltungen anderer nicht nur Anerkennung und Zuwendung, sondern das ein Übertreffen der Erwartungshaltung sogar zu einer neuen Form von Anerkennung und Unterstützung durch den Vater führt.

Allgemeingültige Anforderungen, wie schulische Leistungen, das aufgrund des Lernprozesses im Setting der Peergroup immer wieder auffallende „extreme Verhalten“, werden in den Augen des Vaters durch sportliche Erfolge relativiert.

Die Eltern „belohnen“ das Kind für seine Anstrengungen in Form nicht altersentsprechender, es überfordernder Freiheiten. In der Gleichaltrigengruppe wiederum muss es, aufgrund der zeitlichen Einschränkungen mehr „Leistung“ erbringen um seine Zugehörigkeit und Anerkennung nicht zu verlieren.

Die Übernahme der Vorstellungen des Vaters, wie gute Leistungen zu definieren sind, führen zu Erwartungshaltungen an sich selbst, in allen Lebensbereichen, die eine ständige Überforderung darstellen. Damit ist ein Kreislauf von Misserfolgs Erfahrungen eingeleitet, ein nicht gut genug sein und letztendlich ein verringertes Selbstwertgefühl außerhalb der „zu erwartenden“ überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit.

Die ständig sich ändernden Erwartungshaltungen der unterschiedlichen Bezugspersonen führen gleichzeitig zu einer Sensibilisierung bei der Einschätzung von Stimmungslagen anderer und dem meist sogar erfolgreichen Versuch des Kindes darauf möglichst adäquat zu reagieren.

Die daraus resultierenden empathischen Fähigkeiten, die Sehnsucht und das Verlangen nach Anerkennung und befriedigender Zuwendung motivierten das Kind zu, je nach wahrgenommener Bedürfnislage oder Erwartungshaltung anderer, völlig unterschiedlichen aber immer an anderen orientierte, angepasste Handlungsweisen und Rollenübernahmen. So verbleibt es in einem Spannungsfeld zwischen überangepasstem und unangepasstem Verhalten, kann eigene Bedürfnisse nicht gut wahrnehmen, geschweige denn ausleben und neigt, zugunsten anderer, zu einer ständigen Überforderung seiner Person.

Die in den Augen des Kindes durch extrem unterschiedliche Verhaltensweisen und Bedürfnisse getrennten Welten der Eltern (Erwachsenen) und der Gleichaltrigen führten dabei also nicht nur zu teilweise sehr konträr gelebten Rollen, sondern auch zur Unterdrückung und Verleugnung eigener Bedürfnisse und Vorstellungen. Zur Not werden diese als lächerlich, kindisch oder in sonstiger Form unangemessen abgewertet. Es entstehen so unterschiedliche und nicht zu vereinbarende Rollen und Weltsichten, wobei das Kind selbst in keiner authentisch, eigenen Bedürfnissen oder Vorstellungen entsprechend leben kann.

Die Missachtung oder auch mangelnde Wahrnehmung eigener und die gesteigerte Sensibilität für die Bedürfnisse anderer, führen bei einer Veränderung des sozialen Umfeldes oder neuen Bezugspersonen zu neuen angepassten Verhaltensweisen, Rollen und Weltsichten. Diese werden immer wieder völlig übernommen und gelebt, können auf Dauer jedoch nicht aufrechterhalten werden, so das als Reaktion auf die Unterdrückung eigener Befindlichkeiten unvorhersehbares impulsives, für andere unverständliches Verhalten folgt.

Da der Ablösungsprozess von den Eltern zudem nicht altersentsprechend vollzogen werden kann, eine Abgrenzung, Auflehnung, ein in Frage stellen nicht möglich ist, bleibt nur die Übernahme und Weiterführung der dort geprägten Lebensinhalte und Verhaltensweisen. Die Verhinderung dieses Prozesses der Verselbständigung durch die gleichbleibend hohe, von autoritärem Verhalten geprägte Erwartungshaltung, bei gleichzeitig immer dann zugewandter Unterstützung und Anerkennung, wenn Leistungen erwartungsgerecht erfüllt werden, führen zu einem durchgehenden alle Energie einfordernden überhöhten Spannungszustand. Dieser hat eine instabile, unrealistische Einschätzung eigener Fähigkeiten zur Folge die zwischen Selbstüberschätzung, Selbstüberforderung und Selbstabwertung schwankt.

Hier wurde somit erfolgreich ein Belohnungssystem antrainiert, dass immer nur für überdurchschnittliche Leistungen belohnt. Eine Verhaltensweise wird nur dann als erfolgreich betrachtet, wenn diese als eine überdurchschnittliche Leistung, im Verhältnis zu anderen, betrachtet werden kann. Diese ständige Betrachtung anderer als Konkurrenz, die ständige überhöhte Erwartungshaltung an sich geben das Gefühl immer mehr leisten zu müssen als andere um Zufriedenheit erreichen zu können. Dieses Gefühl besteht auch in Situationen in denen diese Leistungsfähigkeit aufgrund einer Selbstüberschätzung und Überforderung nicht gegeben ist, die physischen oder psychischen Möglichkeiten zur Leistungsvollbringung nicht gegeben sind und sorgte für übermäßig viele sich wiederholende Misserfolgserlebnisse.

Konfliktlösungsstrategien konnten aufgrund des elterlichen Erziehungsstils nicht ausprobiert oder vom Modell erlernt werden, so dass auf Misserfolge häufig eine Selbstabwertung, dann eine resignative Haltung mit Isolation, und Flucht folgt. Versagen ist dann kein natürlicher Prozess mehr, den es zu überwinden gilt, der verändertes Verhalten, neue Strategien nach sich zieht und der zu neuen Herangehensweisen führt, sondern ein vernichtender Schlag der die gesamte Existenz in Frage stellt. Für das Erleben von gelungenen Konfliktlösungen auf Augenhöhe gab es keine Modelle, daher konnten sie nicht erlernt werden und sind in diesen Situationen nicht verfügbar.

Die durch Selbstabwertung, Resignation, Isolation und Verdrängung eingeschränkte Selbstreflektionsfähigkeit, die unzureichende Erfahrung der Selbstwirksamkeit die fehlenden Erfahrungen mit funktionierenden Konfliktlösungsmöglichkeiten und dazu die Unfähigkeit eine Befriedigung durch auf eigene Bedürfnisse ausgerichtetes Verhalten zu erreichen, schränken die Handlungsmöglichkeiten im Falle des Misserfolgs zusätzlich stark ein.

Der Lernprozess sich an den Erwartungshaltungen anderer zu orientieren und diese zu eigenen Erwartungshaltungen zu machen führen an sich schon zu einer nicht an die gegebenen Möglichkeiten angepassten Selbstwahrnehmung. Diese verzerrte Selbstwahrnehmung, entstanden aus dem Spannungsfeld des angepassten, funktionierenden Leistungserbringers, bzw. als in Extremen lebender Regelbrecher belohnt zu werden, ohne sich dabei eigener Bedürfnisse und Wünsche bewusst zu sein und diese weder beachten noch befriedigen zu können, führen zu einem Gefühl von Leere, von „anders sein“ und letztendlich zu tief empfundener, als unveränderlich hingenommener Einsamkeit.

Dieser für die Pubertät „normale“ Prozess der Abgrenzung von anderen, der eine Individualisierung, eine Entwicklung, hin zur Ausrichtung auf eigene Interessen und Bedürfnisse nach sich zieht, ist als Erwachsener durch das soziale Umfeld das diesen Prozess schon durchlaufen hat, stark erschwert. Die Suche nach neuen Gemeinschaften an den man sich orientieren kann in Verbindung mit den zuvor gelernten Verhaltensweisen sich stark den Erwartungshaltungen anzupassen oder durch Regelverstöße eine Gruppenzugehörigkeit zu erreichen führt in fortgeschrittenem Alter nicht mehr zum gewünschten Erfolg. Die erlernte Konkurrenzhaltung und der Mangel an konstruktivem Umgang mit Misserfolgen, der daraus resultierende Mangel an Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten führt hier häufig zum Rückzug in eine selbstgewählte Isolation. Die Möglichkeit aufgrund des Erkennens eigener Defizite neue Fähigkeiten zu erwerben, Konflikte innen wie außen konstruktiv zu lösen erscheint zu schwierig und nicht zu bewältigen.

Verspricht eine Sache, egal ob zwischenmenschliche Beziehung oder ein Projekt, erfolgreich zu werden, so war scheinbar die dafür erforderliche Leistung nicht anspruchsvoll genug und es werden weitere, erschwerende Anforderungen produziert. Belohnung darf es ja nur geben, wenn der antizipierte Erfolg erreicht wird, weil die eigene Leistung über der Erwartungshaltung der anderen liegt.

Physisch gesehen ist auch das Belohnungssystem an das im Elternhaus erlernte Verhalten angepasst. Das erschwert eine Verhaltensänderung in Eigeninitiative zusätzlich. Das Gehirn produziert nur dann in ausreichendem und wahrnehmbaren Maße den Neurotransmitter Dopamin, der ein tiefes Verlangen nach der erfolgreichen Bewältigung weckt, wenn die innere Haltung dies zulässt. Jahrelang wurde das Belohnungssystem aufgrund erlernter Verhaltensweisen aktiviert. Ein Umlernen von Verhalten hingegen ist ein schwieriger Prozess, macht Angst, Katastrophendenken, Misserfolgserwartungen werden schneller aktiviert als Erfolgserwartungen da der Prozess von Unsicherheit und einem Verlassen gewohnter Wege begleitet ist. Eine Aktivierung des mesolimbischen Systems kann aber nur erreicht werden, wenn geringe Selbstwirksamkeitserwartungen die Bewältigungshoffnung nicht stören, geringe Belohnungserwartungen und Prozessabbrüche nicht aufgrund von Misserfolgserwartungen aktiviert werden.

Die ersten beiden Denkstrukturen untergraben die Dopaminausschüttung und damit die Motivation anzufangen und dranzubleiben. Bei Selbstwirksamkeitsproblemen müsste daher gegen die erlernten Strategien und Verhaltensweisen aktiv vorgegangen und mit kleineren Erfolgserlebnissen dafür gesorgt werden das die Dopaminausschüttung wieder funktioniert. Das jedoch widerspricht ja gerade dem erlerntem Verhalten. Der darauf meist folgende Prozessabbruch verhindert die Endorphinausschüttung und damit die körpereigene Belohnung für die Leistung und dies bestätigt dann wiederum das Selbstwirksamkeitsproblem.

Um tatsächlich motiviert zu werden, zu bleiben und mit der Leistung glücklich zu sein braucht es eine Arbeit an den eigenen Emotionen, die sich primär auf die erfolgreiche Bewältigung einstellt, die anvisierten Belohnungen klar im Augen hält und die begonnenen Prozesse tatsächlich erfolgreich abschließt.

Niemand ist mit eigenen defizitären Leistungen oder Verhaltensweisen glücklich, jeder neigt immer wieder zu überhöhten Erwartungen an sich selbst. Es geht also darum eigene Erwartungen zu relativieren, aber trotzdem Erfolg zu erwarten. Anzufangen, dranzubleiben, auch wenn es sich nicht sofort positiv auswirkt, dranzubleiben und die kleinen Erfolge mit sich selbst zu feiern und dann abzuschließen. Wir tragen unser körpereigenes Belohnungssystem immer bei uns, wir benötigen kein externes, wenn wir es bewusst nutzen, indem wir unsere kleinen Erfolge schätzen.

Wenn jetzt noch der Einsatz von „Ersatzstoffen“, von Drogen jeglicher Form, die eine schnelle Bedürfnisbefriedigung, ein Verdrängen, eine Selbstwertsteigerung ohne Anstrengung bringen zuvor als positive Erfahrung gelernt wurde, verhindert dies jeglichen Lernprozess.

Die Anstrengung einer Veränderung kann erfolgreich vermieden werden, indem durch die schnelle Ersatzbefriedigung, die „nicht sofort erhaltenen“ Belohnung, der kleine Erfolg abgewertet, verdrängt und übergangen wird.

Das alte Verhaltensmuster bleibt somit bestehen, Misserfolgserwartungen werden durch den Konsum ebenso bestätigt, wie die Selbstwirksamkeit negiert werden kann. Die Rückkehr zu alten Verhaltensmustern und die Erleichterung, das ein Umlernen nicht möglich ist wird akzeptiert und der Kreislauf der Resignation, Isolation beginnt von vorne. Das Beste an diesem Kreislauf jedoch ist, er ist bekannt und fühlt sich an wie ein Zuhause.

Weihnachten

Als Kind habe ich Weihnachten gefürchtet.

Diese vielen Überlegungen vorher, was sich wohl wer in der Familie und im Freundeskreis von mir wünscht …
Diese Hektik vorher, die Eltern arbeiten bis auf den letzten Drücker, heilig Abend muss dann schnell alles gerichtet und vorbereitet werden …

Ritual war, mit meinem Vater auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und ein Geschenk für meine Mutter zu kaufen.
Mit ihm alleine unterwegs zu sein fühlte sich fremd an, alles schien anders als sonst, meine Sinne sensibilisierter, offener.

Wir fuhren mit dem Zug. Für mich etwas sehr Seltenes, spannendes aber auch angsteinflößendes. Ich war mir nie sicher, ob wir rechtzeitig aussteigen würden, ob wir nicht doch den Zug nach Hause verpassten. Ob Mama dann nicht böse auf uns sein würde …

Der Weihnachtsmarkt war groß und laut und voller Menschen die keine Zeit zu haben schienen. Wir hatten Zeit. Mein Vater trank erst mal Glühwein und ich bekam ebenfalls ein heißes Süßgetränk. Es kühlte schnell ab und schmeckte dann gar nicht mehr gut, aber es war etwas Besonderes und bezahlt und daher würgte ich auch alles in mich hinein. Ich wollte meinem Vater gefallen, sein großes Mädchen sein. Es gab noch eine Bratwurst im Brötchen, ohne Ketchup oder Senf, damit ich nicht bekleckert nach Hause kam und meine Mutter mit Papa schimpfen könnte.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ging es dann in ein großes Kaufhaus. Nach der Kälte draußen fing ich in meiner dicken Winterjacke schnell an zu schwitzen. Ich konnte sie öffnen, aber ausziehen war nicht möglich. So rannte ich mit meinen kurzen Beinen in dem Menschengetümmel, den vielen großen Ständern und Regalen, hinter meinem Vater her. Dieser, so weiß ich heute, suchte um sich blickend eine Inspiration für ein Geschenk. Damals verstand ich nicht, wie viel Wert Erwachsene in Partnerschaften auf das richtige Geschenk legen. Mir war nur heiß, ich fühlte mich überfordert, hatte das Gefühl in meinem Bauch rolle etwas in meinem Magen hin und her. Das ängstigte mich, denn meinen Vater zu bitten mir eine Toilette zu suchen wäre peinlich, hätte irgendwie ein Versagen meinerseits bedeutet.

Hatte mein Vater gefunden was er suchte, machten wir uns auf den Heimweg. Wir sprachen die ganze Zeit kaum miteinander. Er schien ebenso wie ich angespannt. Vielleicht war auch er unsicher mir gegenüber. Vielleicht hatte er Befürchtungen in Bezug auf das Fest, ich weiß es nicht.

Vom Bahnhof nach Hause liefen wir. Vor lauter Reizüberflutung und Kälte kamen wir müde und genervt an.
Meine Mutter hatte in der Zeit unserer Abwesenheit alles für das Weihnachtsfest vorbereitet. Das Essen, den Weihnachtsbaum und wohl auch die Geschenke gerichtet. Sie war ebenso erschöpft wie wir.
So bedeutete das Zusammentreffen unserer Familie über kurz oder lang Streit über Kleinigkeiten.
Sie dachte wohl, wir hätten unendlichen Spaß ohne sie gehabt. Sie teilte uns Aufgaben zu, die wir, müde wie wir waren schnell zu erledigen versuchten. Egal ob es mein Gesichtsausdruck war, der Ton meiner Antwort, irgendetwas sorgte immer für den Ausbruch eines Wutanfalls. Geschrei mit mir, dann der Eltern untereinander und am Ende, Tränen meinerseits.

War dann endlich alles soweit fertig, gab es ein weiteres Ritual. Alle legten sich für eine Stunde schlafen oder ruhten sich zumindest aus. Argument: der Abend würde lang werden. Natürlich konnte ich nicht schlafen oder ruhen. Ich lag in meinem Bett, aufgewühlt und verletzt, wäre am liebsten weggelaufen und schon da hasste ich Weihnachten, wollte nur noch das dieser Abend vorbei wäre. Die Kritik meiner Mutter an allem was ich die letzten Stunden getan hatte spukte durch meine Gedanken und meist weinte ich und dachte darüber nach, ob ich mich wirklich so schrecklich benommen hatte. Oft schlief ich dann doch ein.

Mit den Kindern, die ich kannte sprach ich nie über das Fest, nur über Geschenke. So schien es mir, als ob alle anderen ein schönes Fest hatten und nur ich voller Ängste war und Weihnachten so katastrophal fand.

Irgendwann dann wurde ich geweckt oder hörte ich Geräusche und wusste meine Eltern waren aufgestanden. Wurde ich geweckt war ich verschlafen und lustlos. Ich zog mir meine Festtagskleidung an, in der ich mich wie die meisten Kinder nicht wirklich wohlfühlte.

Gemeinsam wurden die letzten Vorbereitungen für das Essen getroffen und dabei bemühte sich jeder nicht erneut für Streit zu sorgen. Während des Essens drehte sich das Gespräch um alles mögliche und als ich älter war, galt es den Themen aus dem Weg zu gehen die Ärger verursachen könnten. Auch achtete ich darauf nicht zu schnell und nicht zu langsam zu essen, schön anständig zu sein und mich nur ja nicht zu bekleckern.

Meine Mutter hob dann die Tafel auf, ging aus dem Raum und läutete ein Glöckchen. Mein Vater und ich gingen daraufhin ins Wohnzimmer und blieben „andächtig„ im Raum stehen und zeigten unsere Bewunderung für den Weihnachtsbaum. Ich konnte nie verstehen, warum die Tradition verlangte einen Baum ins Zimmer zu stellen. Nicht nur das er draußen besser aufgehoben gewesen wäre, nadelte er nach kurzer Zeit und machte Dreck, über den sich die Eltern dann ärgerten. Ich fand ihn auch nicht hübsch. Mit Schnee bedeckte Tannen im Wald sahen schöner aus.

Die Schallplatte mit den Weihnachtsliedern lief, während meine Eltern mit mir in Schweigen vor dem Baum saßen. Mir wurde ein Geschenk gereicht und sie sahen mir beim Auspacken zu. Ich erinnere mich gut an die „gefühlte“ Erwartungshaltung, an das Wissen, dass es erst etwas Praktisches sein würde, was ich sowieso brauchte, dass das Spaßgeschenk erst am Ende käme. Ich fürchtete mich jedes Jahr vor diesem Auspacken, fand es schrecklich mich über Socken und Unterwäsche freuen zu müssen. Aber als ich klein war fürchtete ich, wenn ich nicht genug Freude über die praktischen Dinge zeigte, bekäme ich die für mich schönen Sachen vielleicht nicht. Ich bemühte mich also zu jubeln und mich so offensichtlich wie möglich zu freuen. Es war anstrengend. Auch meinen Eltern sah ich an, dass sie sich nur mit Mühe über meine Geschenke freuten, über die Topflappen, die Bilder, das Geschnitzte oder Gebastelte, mit den sie nie wirklich etwas anfangen konnten. Ich glaubte ihre Bewertung meiner Fähigkeiten, meines Einfallsreichtums zu spüren. Einbildung? Ich weiß es nicht.

Danach saßen wir noch zusammen. Ich durfte spielen, meine Eltern schauten mir zu. Endlich wurde alles etwas entspannter, sodass ich mich zu fragen traute, ob ich in mein Zimmer dürfe. Nach Nachfragen, ob ich glücklich sei und bekommen hatte was ich mir wünschte, was ich so überzeugend wie möglich bestätigte, durfte ich mich in mein Zimmer entfernen.

Dort setzte ich mich meist erst ans Fenster, meinen Teddy im Arm. Ich betrachtete die Fenster, dachte über die anderen nach und wie sie wohl Weihnachten feierten. Ich war froh das unser Weihnachten fast vorbei war. Alles was jetzt noch anstand war ein Mitternachtsspaziergang. Vielleicht schauten auch meine Eltern sehnsuchtsvoll in die Fenster anderer Familien, vielleicht glaubten sie auch bei denen sei es ohne Streit und Stress gewesen?

Heute weiß ich, dass die meisten Menschen Weihnachten so ähnlich verbrachten wie wir. Damals glaubte ich, ich sei nicht brav genug, hätte mich nicht genug angestrengt, hätte Weihnachten mal wieder in einer Katastrophe für meine Familie verwandelt.

Lange Jahre später habe ich, nachdem mein Kind groß genug zu sein schien, Weihnachten für mich abgeschafft. Vorher hatte ich zu Anfang mehr oder weniger die gleichen Rituale wie meine Eltern durchgezogen, irgendwann dann aber meinen Weg gefunden und Freunde eingeladen, Spieleabende gemacht.

Heute feiern wir ohne Geschenke. Für andere Menschen, außerhalb der Familie gibt es schon welche, aber in meiner Familie schenken wir uns immer dann wann wir wollen etwas, übers Jahr hinweg, nur meist zu Weihnachten nichts. Stattdessen sitzen wir gemütlich zusammen, essen, trinken, reden, spielen und sind gerne zusammen.

Das ist jetzt für mich Weihnachten, Zeit füreinander zu haben.

Immer wieder Anlauf nehmen!

Tagtäglich habe ich mit Menschen zu tun, deren Eltern versagt haben.

Warum ist dabei nebensächlich! Wichtiger ist, die Kinder sehen es Ihnen meist nach, verzeihen, wollen trotzdem geliebt und anerkannt werden und geben die Hoffnung nicht auf dies eines Tages zu erleben.

Immer wieder versuche ich diesen erwachsenen „Kindern“ zu erläutern, dass sie keine Schuld am Versagen der Eltern haben, keine Verantwortung für deren Unfähigkeit übernehmen müssen und das diese Eltern es nicht anders konnten, wollten…

Dabei ist es völlig egal ob die Eltern überbehütend, kontrollierend, manipulativ oder grausam waren. Kinder sind schuldlos! Immer! Und tragen für den Rest ihres Lebens die Spuren mit sich, ähnlich körperlichen Narben, sichtbar wenn man genau hinschaut und spürbar.

Es ist nicht heilbar, man kann es verschleiern, man kann es verstecken, man kann es versuchen zu vergessen, verdrängen, wegsaufen, kiffen, oder wegarbeiten. Es bleibt und nur eine ständige Auseinandersetzung damit hilft daran nicht zu erkranken, oder unterzugehen.

Diese Auseinandersetzung hört nicht auf, egal wie alt man wird, egal wieviel man erkannt und verstanden hat, die Verhaltensmuster der Kindheit schlagen immer wieder zu und geben einem das Gefühl schon wieder in die Falle gegangen zu sein, wieder am Anfang zu stehen.

Ganz ehrlich?! Ja, das ist so! Diese Kinder stehen immer wieder da wie am Anfang als sie begannen daran zu arbeiten. Und? Schlimm? Nein, es ist eben einfach so und das mauss man akzeptieren – wehren hilft nicht!

Jedes Kind aus einem Elternhaus in dem die Eltern keine „Fähigkeit“ besaßen Eltern zu sein wird immer wieder „gefühlt“ am Anfang des Veränderungsprozesses landen. Wird gefangen von den Verhaltensmustern die es in der Kindheit gelernt hat. Diese sind zu Reflexen geworden, überfallen das Kind aus dem Hinterhalt und kehren immer und immer wieder zu ihm zurück, auch wenn es denkt es hat alles im Griff.

Aber das ist nicht schlimm oder schrecklich. Jedes Kind aus einem solchen Elternhaus hat dadurch Fähigkeiten erworben die andere Menschen so nicht haben. Fähigkeiten die diesem Kind selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind. Fähigkeiten die es sehen lernen muss, statt sich immer nur auf sein erneutes Versagen der Ablösung und Veränderung zu konzentrieren. Fange an Dich genau anzuschauen und Du wirst sehen was Du besser kannst als alle anderen!

Es geht nicht um ein „Fertig“ werden mit den Eltern, um ein „besser machen“, oder darum ein Verhalten abzulegen. Es geht darum dieses alles bewusst zu erleben, Vor- und Nachteile, und neue Entscheidungen für eigenes Verhalten zu treffen. Schuldgefühle als das zu sehen was sie sind, ungerecht, unangemessen und nicht sinnvoll. Und dann wieder dagegen anzugehen Verhalten zu wiederholen von dem man nicht mehr machen sollte, aufzuhören mit der ewigen Rebellion in Form eines Selbstboykotts, aufzuhören mit der ablehnenden Haltung gegen Hilfen um Abhängigkeiten zu vermeiden, und aufzuhören mit den ständigen Selbstzweifeln ob man endlich mal reicht, genug ist, genug getan hat.

Wie das alles geht? Immer wieder anfangen ist die Lösung!

Immer wieder von neuem anschauen was man getan hat, was man erreicht hat, Ziele setzen, vorwärts gehen, aber in dem Wissen und der Akzeptanz dafür, dass man auf seiner Vergangenheit aufbaut, aber der Aufbau ein eigener sein kann und soll.

Nicht aufhören – auch wenn es nie aufhört. Nicht aufgeben – auch wenn es Kraft kostet und es sich doch immer wiederholt. Denn es ändert sich bei jedem wieder aufstehen, ein bisschen, ein bisschen mehr und es wird immer einfacher – ganz sicher!

Systemische Familienaufstellung

Wann?
Samstag 19.11.2016 von 10 Uhr bis spätestens 18 Uhr
Wo?
Zeppelinstrasse 31 b in Landau / Pfalz
(inkl. Verpflegung und Nachsorge)
Anmeldung in der Psychologischen Praxis Petra Dahl
unter:
06346 / 9590850
oder
0170 / 8128824
Details

Familienaufstellung, systemisch, unter professioneller und kompetenter Anleitung. Inklusive einer Sprechstunde und einer Nachsorge, falls Fragen auftauchen.

Je nach Anzahl der Aufstellungen beenden wir den Tag. Spätestens jedoch um 18.00 Uhr. Für einen Snack Mittags und Getränke ist gesorgt.

Möchtest Du mehr über die Zusammenhänge in Deiner Familie wissen ? Verstehen warum sich jemand so verhält wie er / sie es tut? Möchtest Du Dein eigenes Verhalten näher ergründen?

In einer systemischen Familienaufstellung kannst Du all das herausfinden und noch viel mehr.
Du kannst Klärungen herbeiführen, Lösungen finden, einen Abschluss mit Personen oder Themen für Dich erreichen.
Natürlich inklusive eines Nachsorgeangebots, falls Fragen auftauchen.

Hast Du noch nie an einer Aufstellung teilgenommen?
Dann komme als Stellvertreter und Du wirst erleben wie Du etwas weißt was Du nicht wissen kannst, oder auf etwas reagierst ohne das diese Reaktion für Dich typisch ist.

Es ist anstrengend, es ist überraschend, es ist eine Erfahrung die Dich weiter bringt.
Ich freue mich schon sehr auf Dich, ob als Stellvertreter oder Aufsteller.

Telefonische Anmeldung unter: 06346 / 9590850
oder 0170 / 8128824

Allein, alleiner, am alleinsten! – Wer oder was macht mich einsam?

Was haben wir bloß mit uns machen lassen? Oder gemacht?

Immer häufiger habe ich vom Leid des „alleine seins“ gebeutelte, niedergedrückte Menschen in meiner Praxis sitzen. Draußen, in meiner Freizeit treffe ich ebenfalls viele Menschen aller Alterklassen, die ohne bewusst davon zu sprechen, von Einsamkeit reden.

Junge Menschen, meist in oder nach einer Trennung oder Menschen in mittleren Jahren, in einer Beziehung oder auch (aber seltener) ohne sind betroffen. Bei vielen wird dies zu einer Angst- oder Zwangssymptomatik, zu exzessivem Drogenmissbrauch oder zu psychosomatischen Erkrankungen.

Ich werde jetzt keine großartige Analyse schreiben, über Großfamilien, Zusammenhalt, unsere schnelllebige, manipulative, uns Ideale, Möglichkeiten vorgaukelnde, Flexibilität fordernde und das Alter verteufelnde Welt.

Ich möchte versuchen, anhand von Auswirkungen, Verhaltensmustern, hier (als Beispiel) ausgelöst durch eine unzureichend gute, also defizitäre Versorgung durch Eltern ein Verständnis und einen anderen Blickwinkel zu eröffnen. Dies kann helfen den Anfang einer Ablösung von „alten Denkstrukturen und Gefühlen“ zu finden:

Zum Verständnis:
Menschen die mit Eltern groß geworden sind, die zwar ihr Bestes gegeben haben, die aber die Zuwendung, die nötige Geborgenheit und Sicherheit trotz allem nicht bieten konnten, werden häufig extrem in ihrer Art des sozialen Kontaktes.
Hiervon sind nicht nur misshandelte, vernachlässigte Kinder betroffen, sondern auch durch Geschwister vom ihrer Position gestoßene (Zuneigung wird entzogen oder scheinbar ungleichmäßig verteilt) und solche die sehr beschäftigte „abwesende“ (süchtige, emotionslose, hart arbeitende) Eltern hatten.

Sie leiden oft an ihrem „anders sein“, fühlen sich als Außenseiter aufgrund ihrer Sensibilität, ihrer sehr sensitiven Wahrnehmung, ihrer eher pessimistischen Sicht auf sich, ihren Ängsten und der Übertragung ihres Selbstbildes auf all jene die sich ihnen zuwenden oder aufgrund einer verpassten Kindheit, einem zu frühen Erwachsensein und verpasster Entwicklungsstufen.

Darauf reagieren sie unterschiedlich, werden zu „aufopfernden Helfern“ die sich nur um andere drehen und sich selbst vergessen, oder werden zu eher egoistisch handelnden, die andere benutzen. Manchmal entwickeln sie auch andere Verhaltensweisen die isolierend wirken.
Wichtig dabei ist das kein Kind sich ausgesucht hat wie es mit dem Gefühl (denn es ist als Gefühl abgespeichert) „unwichtig“ und ungeliebt, ungewollt zu sein umgeht! Es hat einfach nur eine Überlebensstrategie gefunden, eine Art Aufmerksamkeit zu erhalten.

Der Mensch der ständig allen Geschenke macht, der fast alles für andere tun würde, der sich in jeden Konflikt wirft, oder biegsam wie ein junger Baum sich jeder Situation anpasst, unmögliche Risiken für sich eingeht, wünscht sich nichts anderes als Zugehörigkeit. Diese versagt er sich aber selbst, denn sobald er sie erreichen könnte, erreicht zu haben glaubt, erkennt er das seine „Dienstleistung“ auf Dauer so von ihm nicht zu leisten ist, befürchtet oder erlebt, das sein Umfeld ihn aber ohne diese nicht mehr zu sehen scheint. Manchmal bricht er auch schon früher ab, noch bevor er dazu gehört, könnte Nähe doch zu erneutem Verlassen werden, zu Schmerz führen.

Derjenige der egoistisch handelt, alles und noch mehr einfordert (wovon er glaubt, dass ihm das als Entschädigung zusteht) ist ebenfalls auf der Suche nach Anerkennung, gesehen werden.

Am schlimmsten sind aber all jene betroffen, die Zugehörigkeit erreichen und dann feststellen das sie diese so wie sie stattfindet nicht wollen, unzufrieden sind, aber bleiben, festhalten an etwas was sie nicht zufrieden stellt, nur besser ist als nichts.

Zur anderen Perspektive: (Für alle jene die hinschauen möchten)

Schau Dir an einem der Tage an denen Du Dich nicht so einsam fühlst Dein Leben an, Deine Kindheit, Deine Eltern. Überlege Dir, wenn Deine Eltern in der Lage gewesen wären dafür zu sorgen, dass es Dir gut geht, wenn sie die Fähigkeit gehabt hätten dafür zu sorgen, dass sie sich mit sich gut fühlen, hätten sie es getan?
Damit meine ich keine Flucht in den Konsum von stofflichen oder nichtstofflichen Drogen, sondern ein erfülltes, selbstbestimmtes und bewusstes Leben mit sich selbst und der Umgebung. – Hätten sie? Würdest Du?

Falls Du auf eine der Fragen mit „Ja“ antworten kannst, so hast Du hiermit festgestellt das ein anderes Verhalten stattfinden würde, wenn es machbar wäre.
So wie Du Dir wünschst so manches Mal Dinge anders oder gar rückgängig machen zu können, so wünschen sich viele andere Menschen, Deine Eltern, dies vielleicht auch, aber vielleicht fehlt Ihnen auch die Fähigkeit zu einer solchen Einsicht.
Du bist als Kind, aus der natürlichen Entwicklung heraus an Deine Eltern mit Forderungen herangetreten die sie, zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllen konnten, vielleicht nie erfüllen können. Du hast sie überfordert und damit Situationen geschaffen in denen sie, ihr alle, Euch schlecht gefühlt habt, jeder auf seine Weise und jeder mit seiner eigenen Reaktion darauf. Dafür konntest Du nichts, aber sie vielleicht auch nichts? Und ihre Reaktionen haben sie vielleicht auch nicht ändern oder kontrollieren können? Denn eigentlich wollten sie wohl von Dir geliebt werden, so wie Du von Ihnen.

Schade, aber leider im nachhinein nicht zu ändern!

Heute, jetzt, hier kannst Du entscheiden, ob Du weiterhin etwas erwarten willst was Deine Eltern nicht leisten können. Vielleicht kannst Du anfangen Ihnen zu verzeihen? Dir zu verzeihen das Du als Kind, Jugendlicher, Erwachsener von Menschen etwas eingefordert hast die dies nicht leisten konnten, weil Du es nicht besser wissen konntest, nicht besser wusstest, es nicht besser wissen wolltest? Weil Wut und Zorn und Vorwürfe sich lebendiger anfühlen als Trauer?
Vielleicht aber kannst Du auch aufhören zu trauern, Dich als Opfer zu sehen? Weil die Wut, dass sie nicht zeigen konnten was sie in der Lage waren zu leisten und was nicht, Dir helfen kann aus der Trauer auszusteigen.
Der Weg zu einer Lösung:

Alles was ich hier schreiben kann ist pauschal. Ich bin mir dessen bewusst und ich hoffe Du auch. Jede beschriebene Möglichkeit sieht vielleicht ein Stück von Dir, aber sicher nicht das Ganze!
Darum gibt es auch keine wirkliche Lösung, denn diese ist nur in Dir zu finden.
Aber: Es gibt Lösungswege und die können für ebendiese Teile Deiner Person, die sich hier vielleicht finden hilfreich.

Ein Weg zur Lösung ist die Überprüfung Deiner Grundhaltung.
Siehst Du Dich als Opfer?
Bist Du ein Kläger, anklagend?
Oder bist Du ein distanzierter Denker, weit weg von Deinen Gefühlen, immer wieder mehr mit dem Kopf dabei?
Lenkst Du Dich und andere stets von den eigentlich relevanten Dingen ab, machst den Clown oder vermeidest alles Konkrete?

Führst Du vieles zurück auf Deine Geschichte?

Dann prüfe, bevor Du es immer weiter hinnimmst so zu sein wie Du bist woher dies kommt. Schaue Dir an, wer Dich dazu animiert hat in diese Haltung zu gehen?
Passt sie zu Dir und Deinem Leben???

Sagst Du jetzt „Nein“ so möchte ich nicht leben? Dann werde aufmerksamer, notiere Dir wann Du zu solchen „Verhaltensweisen – Denkweisen“ neigst. Hast Du einen gute/n Freund/in, frag dort nach und lass Dir sagen wann und wie Du reagierst.

Siehst Du Dich als Opfer?
Probiere dies Verhaltensweisen einmal aus:
Arbeite an Deinen Verärgerungen und Vorurteilen.
Übe Nein zu sagen, stelle Forderungen, äußere Wünsche und übernimm Verantwortung für Dich.
Mach Dir Veränderungen bewusst (aufschreiben hilft dabei) die eintreten wenn Du Dich anders verhältst. Sieh sie als eine Grundlage für die Entscheidung ob und wie Du leben willst.

Bist Du ein Kläger, anklagend?
Höre mehr zu als zu reden, äußere Dich mehr in Sätzen die mit Ich beginnen und Bedürfnisse statt Ärger ausdrücken. Experimentiere mit Nähe und Distanz und unterbreche Deine erstickende und zerstörerischen Ausbrüche von Abwertung und Schuldzuschreibung.

Oder bist Du ein distanzierter Denker, weit weg von Deinen Gefühlen, immer wieder mehr mit dem Kopf dabei?
Achte einmal mehr auf Deine Körpersprache, schau sie Dir bei anderen an, ahme sie nach. Gehe achtsam, beobachte Deinen Körper, wie er sich wann bewegt. Werde Experte für Deine automatischen Körperreaktionen, atmen, schlucken. Lausche Den Geräuschen, dem Glucksen in Deinem Bauch, dem Knacken Deiner Gelenke. Beginne zu beobachten was um Dich herum krabbelt, wächst, was sich verändert von Tag zu Tag. Rede nicht darüber, tu es.

Lenkst Du Dich und andere stets von den eigentlich relevanten Dingen ab, machst den Clown oder vermeidest alles Konkrete?
Setze Dir täglich ein kleines Ziel, eine Tätigkeit, ein Handeln das Du an diesem Tag vollenden möchtest. Hast Du es erreicht so genieße was Du geleistet hast. Schau Dir an wie Du es gemacht hast und über ähnliches. So schaffst Du Strukturen, erkennst Deine Fähigkeiten Dich zu „bändigen“ wenn Du willst, oder Dich „frei“ laufen zu lassen, wenn Du das willst. Sei und werde Dir bewusst das Du Dein Handeln bestimmst – jederzeit!

All das sind nur Hinweise. Anregungen. Kleine Hilfen zu neuen Perspektiven.
Möchtest Du Dein Wissen über diese „Kommunikationsmuster“ vertiefen?

Lies Virginia Satir! Eine großartige kreative Frau!

Willst Du mehr ausprobieren?
Sei kreativ und mache mal das Gegenteil von dem was Du schon immer gemacht hast – gefällt es Dir machst Du mehr davon, falls nicht probiere etwas anderes. Es gibt viele Möglichkeiten zu leben und Du kannst Dich jeden Tag neu entscheiden, wie Du es tun möchtest!

Fotsetzung folgt…

Grenzen – Konsequenzen

Ich bin nicht gut darin mir selbst gegenüber konsequent zu sein. Immer wieder ertappe ich mich wie ich mich selbst überliste, mir etwas zugestehe was ich so nicht mehr machen wollte, etwas nicht tue was ich doch tun will. Bequemlichkeit, Lust, Trieb steuern mich manchmal schneller als ich denken kann oder will und dann ist es eben mal wieder passiert…

Ich ärgere mich dann über mich. Das und die aus konsequentem Verhalten erhoffte Veränderungen sind die einzigen Opfer meiner Inkonsequenz – ein erträglicher Preis. Den zahle ich ohne mit der Wimper zu zucken. Mich zu erziehen wird eben mit den Jahren nicht leichter 😉

Ganz anders ist das bei den Kindern die ich sehe.

Eltern kommen zu mir und schildern mir ihre Kinder hätten Probleme die behandelt werden sollen.

Sie sind enttäuscht und wütend, wenn ich mich weigere ihre Sicht auf die Situation zu übernehmen. Wenn ich ihnen versuche, sanft und einfühlsam zu erläutern, dass das Kind nicht das Problem habe nur die Symptome des Problems leben müsse, endet dies oft in einer Ablehnung meiner Person und Abwertung meiner fachlichen Kompetenz.

Es geht dabei aber nicht um Schuldzuweisungen und nicht um richtig oder falsch!
Es geht darum, dass Kinder die in „Klarheit“, ihrem „Rahmen“, ihren „Grenzen“ mit ihren „Konsequenzen“ leben dürfen nur selten Symptome haben.

Mangelnde Konsequenz, den Kindern gegenüber oder als Eltern dem eigenen Verhalten vor den Kindern gegenüber, führt zu Problemen…

Das ist für mich kein erträglicher Preis – denn den zahle nicht ich, sondern das Kind.

Darum hier ein Plädoyer für Grenzen und Konsequenzen!

Liebe Eltern, wenn ihr Euren Kindern sagt das ihr etwas nicht gut findet was sie tun, es nicht wollt, möchtet das sie aufhören, dann lächelt dabei nicht, bleibt ernst und zeigt mit Körper und Gesicht, ganz ohne laut zu werden, auch das was ihr sagt!

Wenn ihr mit kleinen Kindern lebt, dann seid Euch bewusst das sie, auch wenn sie abgelenkt erscheinen, alles hören aber nur die Hälfte verstehen. Diese beziehen sie dann aber garantiert auf, denn sie sind der Mittelpunkt ihrer Welt. Vor den Kindern über sie zu reden wertet sie nicht nur ab, es überfordert sie. Daher tauscht Euch nur dann über sie aus wenn sie nicht dabei sind.

Wenn ihr mit ihnen redet dann kurze und einfache klare Ansagen, Erläuterungen benötigen sie meist nur dann wenn sie nachfragen. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz, daher sollte alles zeitnah angesprochen werden.

Wenn ihr mit großen Kinder lebt dann lasst Euch von deren Äußeren nicht täuschen. Kann sein das sie hoch gewachsen sind, reif wirken, aber es sind keine klein geratenen Erwachsenen, es sind tief innen weiterhin Kinder. Auch sie sind der Mittelpunkt ihrer Welt, auch ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und auch sie benötigen klare Ansagen in Worten, Mimik und Gestik. Allerdings kann man mit ihnen reden und sollte das auch tun. Und auch hier, so wenig wie ihr wollt das man in Eurer Gegenwart über Euch redet statt mit Euch, so wenig wollen Eure Kinder dies.

Klare Ansagen, die Gesicht und Körper miteinbeziehen, konsequentes Handeln, deutliche Grenzen die auf die altersentsprechende Eigenverantwortung ausgerichtet ist lässt Eure Kinder zu Menschen werden die in der Welt da draußen bestehen können.

Achtet sie als das was sie sind.

Eigenständige Wesen die Eurer Anleitung, Eures Vorbilds, Eurer Einschätzung bedürfen. Die aber auch Eure Wertschätzung und Euren Respektes vor ihrer aktuellen Entwicklung brauchen. Sie können weder Eure Freunde sein, noch bleiben sie auf ewig klein und bedürftig Sie entwickeln sich und benötigen dabei Eure Hilfe und Euer Vertrauen in und je nach ihren Fähigkeiten.

Nehmt Euch die Zeit und schaut, hört ihnen zu und ihr werdet wissen wo sie gerade stehen, was sie können, was nicht, was sie brauchen. Erinnert Euch an Euch selbst, an Eure Art zu denken, an Eure Sicht der Welt und spürt in Euch und in sie hinein.

Weihnachten – Fest der Freude oder der Ängste…

Kaum ein anderes Fest hat so viele, so unterschiedliche starke emotionale Reaktionen zur Folge, wie Weihnachten.

Kaum ein Fest hat einen so engen Bezug zur eigenen Kindheit wie das Weihnachtsfest.
Hier gehen die Meinungen weit auseinander und Menschen feiern oder wehren sich gegen das feiern deutlich ernsthafter als beim Thema „Geburtstag feiern“.

Warum nicht der Geburtstag?
Dem Geburtstag fehlt u.a. die lange Vorbereitungszeit und die Beteiligung fast aller im Umfeld und den Medien. Der Geburtstag ist kein allgemeiner, eher ein privater Feiertag. Wenn er gefeiert wird, so meist mit Musik und einem Treffen eingeladener, gewünschter Gäste.

Auch hier spielt die Kindheit eine große Rolle, so dass Menschen auch diesen als große Freude, große Enttäuschung erleben. Aber er findet nur an einem Tag statt, die Auswirkungen bleiben im engeren Kreis der Familie, Freunde und Bekannten. Eine solch ausgeprägte „Grundsatzhaltung“ wie bei einem Weihnachtsfest ist meist nicht notwendig… Wer seinen Geburtstag nicht feiern will sorgt einfach dafür das andere ihn vergessen…

Ein Mensch der seinen Geburtstag nicht feiern mag verbindet damit häufig das Gefühl mangelnder Zugehörigkeit und Anerkennung. Er hat vielleicht die Erfahrung gemacht, das dieser Tag nur wenig oder gar nicht beachtet wurde, das geladene Gäste nicht kamen, wichtig erscheinende Menschen ihn vergaßen, seine Wünsche nicht erfüllt wurden…

Weihnachten aus dem Weg zu gehen ist viel schwieriger, denn es ist deutlich komplexer verwoben mit unserem Leben in dieser Gesellschaft.

Denn welches Fest …

  • wird so langfristig innerfamilär und auch außerfamiliär beworben, vorbereitet und besprochen?
  • findet in einer Jahreszeit statt, in der die Menschen aufgrund der Anforderungen an sie, der meist geringeren Sonneneinstrahlung und damit verbunden mit einem Bewegungsmangel belastet sind?
  • ist die erste längere zusammenhängende freie Zeit mit den Menschen im engen sozialen Umfeld nach dem sommerlichen Jahresurlaub?
  • iIst so nah am Ende eines Jahres, lädt ein zur Rückschau die aufgrund unserer fehlerorientierten Gesellschaft zu oft nicht positiv ausfällt?
  • ist verbunden mit so vielen Erinnerungen an die eigene Kindheit?
  • ist verbunden mit so viel tiefgehender Freude, Enttäuschung?

Probleme mit Weihnchten? Dann mach Dir all das vorher bewusst!

Überlege Dir bei jeder einzelnen Frage

  • wie Du dazu stehst,
  • woher das bei Dir kommt
  • ob Du das so leben, erleben magst

und versuche für Dich Deinen heraus zu finden, wie, wann, wo und auf welche Weise Du feiern magst.

Möchtest Du es ausfallen lassen – auch okay, aber dann überlege Dir eine Alternative.

Achte darauf nichts davon „für“ andere zu tun, tu es für Dich und Dein Wohlbefinden!

So kann Weihnachten zu einem Fest werden, das zu feiern Dir Freude bereitet.

Klappt das diese Jahr noch nicht? Üben heißt hier die Devise, denn die Kindheit ist stark mit ihren eingeübten, verinnerlichten Gedanken und Verhaltensweisen.

Aber: Die gute Nachricht ist, Du entscheidest jedes Jahrr neu ob Du es anders machen möchtest als es war, oder nicht!

Sich verständlich ausdrücken ist…

…ganz einfach, zumindest für mich.

Ich kann zu fast allem etwas sagen. Zur Not eben, „Da kenne ich mich nicht aus.“und dabei finde ich mich auch noch mutig und bin stolz darauf es zugeben zu können.

Ansonsten passe ich während der Arbeit natürlich auf was ich und wie ich es sage. Aber im privaten eher nicht. (Es sei denn es ist mal wieder jemand dabei der denkt mein Wort ist Gesetz weil ich ja Diplom-Psychologin bin, dann achte ich notgedrungen auch sehr auf meine Worte.)

Ich bemühe mich ja auch um Allgemeinwissen, lese viel, höre Nachrichten, vertiefe Wissen per Internetrecherche, unterhalte mich mit Fachleuten. Ich bleibe meist mit dem schalen Geschmack von Halbwissen zurück, kann, wie man mir sagt, damit aber in Diskussionen gut bestehen und wirke informiert.

Also alles in allem scheine ich mich gut ausdrücken zu können!

Dann gibt es da aber so Situationen, da ist sich ausdrücken…

…gar nicht so einfach! Ode einfach unmöglich…

Mit einem Rechtsanwalt zu sprechen und ihm die aktuelle Situation zu erklären scheint meine Möglichkeiten zu sprengen. Ich muss immer wieder später noch eine Mail schreiben oder anrufen, hab ich doch wirklich relvante Dinge vergessen. Und was er mir sagen wollte, darüber grübel ich noch Tage später.

Mit meinem Versicherungsvertreter geht es mir so ähnlich, der redet in Begriffen (denkt ich verstehe das alles) die ich nachschlagen muss. Ich will  mir ja nicht die Blöße geben der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein.

Selbst mit Menschen meines Umfeldes habe ich so manches mal meine Schweirigkeiten. Da gibt es Menschen die selbst wohl die einzigen sind die wissen wann ihr trockener, ironischer Humor einsetzt, für mich klingen die als wären sie durchgehend humorvoll. Hier weiss ich dann auch nicht, wann ist der Mensch wirklich sauer? Wann kritisch? Oder wann will er mir wirklich eine Ansage machen die ihm wichtig ist?

Am schlimmsten ist es jedoch mit Studenten der Geisteswissenschaften. Die verstehen was ich sage, ich auch meist was sie sagen. Soweit, so gut. Dann aber werden meine Aussagen  in der Luft zerissen.Denn… ich rede nicht im wissenschaftlichen DUKTUS (In den Sprachwissenschaften ist der Duktus ein bestimmtes Charakteristikum beim Schreiben oder beim Sprechen.). Daher treffe ich nach deren Meinung zu „absolute Aussagen. Statt zu sagen: „Der Meinung des Autors XY zustimmend, habe ich den Gedanken entwickelt das…“ benenne ich den Inhalt des Gelesenen in einer Mischung mit meinen eigenen Erfahrungen oder Gedanken zum Thema. Wie unprofessionell… wie mißverständlich…

Da wird ein locker begonnenes Gespräch in das ich gut gelaunt hineinging dann manchmal zum Todschläger, ich krabbel innerlich auf allen vieren, fühle mich klein, dumm und hässlich obendrein.

Wie kann es sein, dass wir, egal welchen Job wir haben, welche Bildung, welchen wissenschaftlichen, akademischen Titel, nicht mehr in der Lage sind uns zu unterhalten?

Und was bedeutet das denn dann bitte für eine Verständigung von Menschen unterschiedlicher Muttersprache? Sage ich im englischen Sprachgebrauch wirklich das was ich sagen will?

Die einzige Möglichkeit die ich für mich sehe sicher zu sein das ich den anderen verstanden habe, ist seine Aussage kurz zusammengefasst zu wiederholen, so eine Art Inhaltsangabe, bevor ich antworte. Zwar denkt mein Umfeld mittlerweile schon ich habe jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht, aber ich weiss ich werde so verstanden wie ich es ursprünglich mal wollte als ich anfing zu sprechen…

 

Die eigenen und die fremden Ängste…

So gut wie jeder hat in seiner Kindheit und frühen Jugend Erlebnisse gehabt, die im aktuellen Dasein für Ängste sorgen. Das Leben ist kein Ponyhof, wie man heute so schön sagt, die Eltern, das soziale Umfeld eben nicht perfekt.
Als Elternteil das auf das eigene Kind schaut, führt das während dieser Erziehungszeit zu einer chronischen Furcht existenziell wichtige Dinge verkehrt zu machen, aus Unwissen, oder weil man es nicht besser leisten kann.
Als ehemaliges Kind führt das manchmal zu Zorn oder Wut, Traurigkeit oder Hilflosigkeit dem Elternteil gegenüber.
So oder so hat unsere Kindheit und Jugend uns Erlebnisse beschert, die sich heute noch auswirken, unverhofft, unbewusst oder manchmal bewusst, aber nicht zu verhindern.

Die Schwierigkeit besteht immer wieder darin zu akzeptieren das man nun mal Ängste hat, das sie nicht zu verhindern sind, nur zu verringern. Aufpassen sollte man insbesondere darauf nicht die Angst vor diesen Ängsten zuzulassen. Sie sind da, man kann sie kontrollieren, immer mal wieder besser oder eben manchmal nicht so gut.

Bei Angst hilft die Schlimmstenfalls-Regel, bei der man sich anschaut was im schlimmsten Fall passiert und dann die Leiter der schlimmen Möglichkeiten hinuntergeht und dabei zumeist feststellt, realistisch betrachtet fühlt sich das Ganze schlimmer an als es letztendlich dann werden wird, werden kann.

Mit diesen eigenen, inneren Ängsten lernt man zu leben, sich zu arrangieren, sie sind ein Teil der eigenen Person und wie alles an einem selbst hat man es mal besser, mal schlechter im Griff. Solange es keine lebensbeeinträchtigende Wirkung hat, den Alltag bestimmt kann man das in den großen Topf der Normalität werfen. Sollte es das eigene Leben maßgeblich mitbestimmen, eine Art von Steuerungsfunktion übernehmen, so ist der Gang zum Psychologen angesagt, dann ist Hilfe nötig!

Fremde Ängste, von außen an einen herangetragen haben wir jeden Tag zu bewältigen. Angefangen mit der Ansage der Eltern, geh nicht so nah ran, fass das nicht an

Weiter gehts mit dem Umfeld, jeder reicht einem freundlich aber bestimmt seine Ängste rüber, wie eine Duftwolke die Erinnerungen weckt. Der Pfeifentabak vom Opa erinnert an süße Früchte im Garten und die Umarmung von Oma wenn man sich das Knie aufgeschlagen hat. Flugzeuglärm und Sirenen lassen einen Sekundenbruchteil Gedanken an Krieg und Katastrophen aufblitzen, je nachdem wie empfänglich man gerade ist, ohne das man dies je selbst erlebt hat. Wie die Duftwolke haben sich die Erzählungen anderer festgesetzt

Zuletzt suggeriert unsere Gesellschaft jedem von uns er müsse Angst haben. Eurokrise, zu wenig Rente, sind die aktuellen Themen, früher war es eher der böse Russe Angst sorgt dafür das Menschen Sicherheiten suchen und fördert – solange sie im Rahmen der nicht Beeinträchtigung bleibt – die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Einzelnen.

Menschen lassen sich mit Hilfe von Angst gut steuern, sind bereit eigene aktuell erlebbare Lebensqualität zurückzustellen und Sicherheiten zu schaffen. Die Wirtschaft profitiert davon.

Am Ende wird meist alles halb so schlimm wie gedacht / gefühlt, aber weiß man es vorher?

Ich persönlich glaube viele Menschen merken nicht wie sehr ihre Ängste sie steuern. Das Hamsterrad des täglichen Lebens hindert sie erfolgreich daran sich damit auseinanderzusetzen. Andere resignieren, verharren in Hartz IV und schleichen durch ihr Leben. Wieder andere verkraften den Druck, die chronische Belastung nicht und scheiden aus, werden krank. Nur wenige sind in der Lage immer wieder innezuhalten und sich anzuschauen woher ihre Ängste kommen, wer sie ihnen mit auf ihren Lebensweg gegeben hat und ob sie diese wirklich teilen oder sie einfach nur mitgenommen haben weil sie da waren.

Ich bitte daher darum jetzt, morgen und übermorgen kurz anzuhalten und einmal bewusst diese Furcht, diese Angst die gerade spürbar ist zu notieren, bewusst anzuschauen und zu entscheiden ob diese zu mir und meiner Person gehört, gerechtfertigt ist, oder nicht

Angst ist wie das Licht im Raum, man kann sie ausschalten wenn man den Lichtschalter findet. Im Dunkeln, also im nicht bewussten Zustand ist das schwierig, daher sollte man seine Ängste betrachten solange es hell ist – die Angst gering ist.

Suchen Sie ihre Lichtschalter bei Tageslicht, schauen Sie diese an, merken Sie sich wo sie sitzen und entscheiden Sie ob das Licht an oder aus sein soll Mit etwas Übung, etwas Rückblick, der Schlimstenfalls-Regel können Sie so ihr Leben deutlich verbessern.

Parentifizierung… oder…Wenn Eltern aus Kindern Freunde machen…

Freunde mit denen man (fast) alles teilen kann

Freunde haben ist eine tolle Sache, nahezu lebensnotwendig sozusagen.
Echte Freunde, die für das ganze restliche Leben gelten ohne „wenn und aber“, die man nicht dauernd sehen oder sprechen muss und bei denen nichts und niemand einen Keil dazwischen treiben kann.
Wenn man sich mal anschaut wonach man seine Freunde auswählt, so stellt man zumeist fest, es sind Menschen denen man auf Augenhöhe und gleichberechtigt begegnet.
Vertrauen, Loyalität, etc. sind natürlich eine weitere Voraussetzung.

Das Kind als Freund? So ein Quatsch!

Wie kommt es dann dazu, dass man aus einem Kind, einem nicht gleichberechtigten, unwissenden, unschuldigen Wesen für das man Verantwortung übernommen hat, zu früh und entgegen jeder Vernunft, einen Freund macht?
Ein guter Freund sagte zu mir einmal, „Götter werden zu Menschen“, ein Spruch der passt.
Für das Kind sind wir gottgleich, keine Gotteslästerung, wir haben bis zu einem bestimmten Alter des Kindes immer Recht und wissen alles.

Die Krise, alleine mit dem Kind

Wenn wir in dieser Phase in eine persönliche Krise geraten, diese unser Leben, Denken, Fühlen ausmacht, dann beherrscht sie uns und unser gesamtes Dasein.
Im Allgemeinen sind dies partnerschaftliche Krisen mit dem anderen Elternteil, dem Menschen für den wir uns entschieden haben und der unser sozusagen letztes Ideal – den Glauben an ein gemeinsames Leben – auf eine dauerhafte, nahezu ewig währende Liebe sprengt.
Solche Krisen zeigen sich in unserer Sprache, in unserem Verhalten, egal ob wir das verstecken oder nicht

Das Kind – dessen Gott / Vorbild wir sind, hat einen Radar für uns entwickelt, sozusagen Elefantenohren, die mehr mitkriegen als wir das wollen. Es spürt unser Leiden und bietet sich, unwissend was auf es zukommt, an dieses zu lindern.
Wir, geschwächt und ziemlich hilflos uns und unseren Gefühlen ausgeliefert, können nicht mehr klar denken, haben den Boden unter den Füßen verloren und lassen uns immer wieder auf diese unbedarften Hilfsangebot ein.
Das Kind wird ein Freund, ein Partner im Leiden, ein enger Vertrauter

Versagen gegen das man sich nicht wehren kann

Natürlich reden wir nicht offen über unsere Probleme, aber wir nehmen es immer wieder mit in unseren Zorn, unsere Hilflosigkeit, unseren Schmerz. Wir hören auf es zu schützen und all das vor ihm zu verbergen, rechtfertigen uns damit das es ja auch verlassen wurde und das es diese Erfahrung, dieses Wissen ja sowieso lernen muss. Und wir lügen ja nicht, wir sagen ja die Wahrheit und sprechen ja nur die Realität aus.
Immer wieder, so zwischen drin, erschrecken wir uns selbst über das was da passiert, aber es ist ein Selbstläufer

Zudem sind wir ja mit dem Kind alleine, das andere Elternteil ist weg.
Wir machen also nichts anderes als zuvor auch – wir teilen unser Leben mit unserem Kind – leider auch den dann aktuell sehr unschönen Anteil unseres Lebens.

Erwachsene heilen, Kinder nicht

Unsere Wunden vernarben irgendwann und wie ein Stehaufmännchen, ver- und bearbeiten wir sie und wagen uns, geläutert und vorsichtig, in eine neue Beziehung.
Das Kind immer an unserer Seite jedoch ist noch in der Entwicklung gewesen und hat durch uns und unsere Lebenssituation zu früh und für seinen Entwicklungsstand auch nicht nachvollziehbar seine Unschuld verloren. Es kann das Erlebte nicht einbauen in sein Selbst, hat Schritte dorthin übersprungen.

Das gleicht einem „blackout“ mit Alkohol im Erwachsenendasein, um ein Bild zu erschaffen das man nachvollziehen kann. Man kommt irgendwo zu sich, es fehlt die Zeit zwischen drin, man hat keine Ahnung, wie man da hin gekommen ist und was man gemacht hat
Als Erwachsener kann man nachfragen, es lustig nehmen, vorsichtiger sein, es einordnen.
Als Kind bleibt man hilflos zurück und ist anders als andere Kinder im gleichen Alter.
Da die Phase beim Kind, die es überspringt größer ist, nicht nachgeholt, nicht rückgängig gemacht werden kann muss es damit weiterleben.

Die fast unausweichliche Fortsetzung

Niemand anderes als der Schädiger, das Elternteil welches das Kind in den „Erwachsenenstatus“ gehoben hat, scheint es zu verstehen und zu akzeptieren wie es ist, alle anderen können das Verhalten und denken des Kindes nicht ganz nachvollziehen, fühlen eine Fremdartigkeit, auch wenn sie es mögen und integrieren.
So bleibt das Kind auf dem Gleichberechtigtenstatus mit Einschränkungen, fordert diesen auch ein, kennt es nicht anders und verpasst damit weitere Entwicklungsschritte, die es mit Gleichaltrigen machen sollte.

Das Elternteil spürt immer wieder das etwas nicht in Ordnung ist, aber das Kind als Freund ist ja irgendwie in unserer Gesellschaft auch positiv besetzt. Es bedeutet man muss es nicht loslassen wenn es älter wird, es grenzt sich nicht schmerzhaft ab und zieht mit seinesgleichen von dannen und distanziert sich von den „Alten“
Ab und zu sieht man durchblitzen das bei dem Kind, mittlerweile ein junger Erwachsener das eine oder andere, zu unserem Erstaunen, nicht so recht funktioniert. Dass es in der Gruppe gleichaltriger „anders“ ist, mehr denkt, misstrauischer ist und, oder sich nicht so recht tiefgehend auf andere einlassen kann

Zuversicht und Linderung

Ist das Elternteil in der Lage sich und dem Kind in dem entsprechenden Alter einzugestehen das es „versagt“ hat, es nicht besser wusste, nicht anders konnte, so ist Linderung in Sicht. Heilung ist nicht möglich!
Die Linderung besteht in der Einsicht des Kindes das es unschuldig ist am „anders sein“, an der zeitweisen Leere in der Gemeinschaft gleichaltriger, dem bestehenden Abstand zu ihnen, dem Unverständnis für deren Verhalten.
Die Erkenntnis mag schmerzen und Wut und Trauer auslösen die sich gegen das Elternteil, mittlerweile wieder erstarkt, richtet.
Sie verhilft dem Kind jedoch sich seinen eigenen Weg zurückzuerobern, das negative Beispiel und Vorbild des Elternteils in sein Erwachsen werdendes ich zu integrieren und mit viel Mühe und Arbeit ein eigenes, neues Verhalten zu kreieren.
Dazu gehört, schmerzhaft für beide Seiten, ein wiederholtes Angreifen, kritisieren des „befreundeten“ Elternteiles, eine Ablösung die am Ende schmerzhafter ist als eine ohne Freundschaft, aber letztendlich gesund für beide Seiten.
Der Vertrauensmissbrauch, die Misshandlung der ausgelieferten Kinderseele, auch wenn sie unabsichtlich geschah, fordert sozusagen eine Buße und Schmerz ein um gesunden zu können.