Nicht genug – Teil: Gefühl und Sprache

Es ist schrecklich sich bedürftig / hilflos zu fühlen.

Ob es dadurch bedingt ist,
– dass man etwas Physisches oder Psychisches zur Existenzerhaltung benötigt,
– man einfach nicht genug bekommen kann, um sich sicher zu fühlen oder zufrieden zu sein,
– oder ob man das Gefühl hat, das man selbst nicht / nie gut genug ist,
ist dabei völlig egal.

Das Gefühl von Bedürftigkeit und Hilflosigkeit lässt einen schrumpfen, immer kleiner und immer verletzlicher werden.

Aber es gibt Unterschiede.
Um die Existenzgrundlage kämpfen zu müssen ist anstrengend, ängstigend, frustrierend und vielleicht sogar lebensgefährlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies jedoch durch eigene Aktivität veränderbar, zielorientiert und meist endlich.

Um Sicherheit und Zufriedenheit durch mehr von etwas“ zu erreichen ist ebenfalls anstrengend, oft frustrierend, aber man kann auch hier aktiv sein, kann versuchen sich so zu kontrollieren oder zu organisieren, dass man nahe an das Ziel des „Genug“ um sich sicher zu fühlen herankommt.

Selbst nicht genug zu sein beinhaltet die Gefühle des Kampfs um die Existenzgrundlage (eher als eine Form der Existenzberechtigung) und den Wunsch nach Sicherheit und Zufriedenheit (aber basierend auf Misstrauen und Abwertung all dem gegenüber was man erhält, erarbeitet, spürt).
Die Prägung „nicht gut genug“ zu sein ist wie ein schwarzes Loch in der Mitte des eigenen Seins.

Ein stabiles und unterstützendes soziales Umfeld wäre gut. Menschen, die den Selbstwert stärken, Anerkennung geben, dieses „nicht gut genug“ widerlegen.
Aber die Prägung ist stark, tief verankert und führt zu seltsamen Mechanismen.
Positives ist unglaubwürdig, kann oft kurzfristig angenommen werden und wird dann zerlegt, landet dann in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen. Gedanken, wie „würde er/sie mich kennen, würde er das nicht sagen“, „ich hätte es besser machen müssen“, „das war nur Zufall“, „ohne ihn/ sie hätte ich das nicht gekonnt“, sind hier gebräuchliche Zerlegungs-, Widerlegungswerkzeuge.

Zudem suchen sich Menschen, die nicht gut genug sind häufig ein Umfeld, Partner bei denen alte Verhaltensmuster wiederholt werden.
Denn so paradox es ist, erscheint ihnen das weniger anstrengend, eher erträglich als der innere Kampf gegen die Prägung.

„Wenn man mich lobt, fühle ich mich unwohl und weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Es fühlt sich gut an, aber ich befürchte immer, man meine eigentlich nicht mich, oder es zeige sich das jenes Lob ungerechtfertigt war, der andere es nicht so gemeint hat. Mit Kritik und Abwertung kann ich besser umgehen, dagegen kann ich aktiv angehen, mich rechtfertigen, das fühlt sich echter an, ich fühle mich sicherer und ich kann freier atmen.“ (Zitat Klient A. G.)

Reaktionen, die erprobt sind, das Selbstbild bestätigen können in alte Verhaltensmuster besser integriert werden. Alles andere muss erst die Widerstände überwinden und landet oft in der Kiste der unglaubwürdigen Äußerungen.
Zudem müssen „nicht gut genug“ Geprägte nicht nur gut sein, sondern besser, perfekt. Sie neigen zu zwanghaftem Verhalten, zur Überforderung bis hin zum Zusammenbruch.

Abweisung, Abwertung, Kritik können sie als gerechtfertigt hinnehmen, sind verletzt und erniedrigt, aber das kennen sie und auch die daraufhin beginnenden von selbst laufenden Mechanismen, Selbstkritik, -zweifel, -vernichtung. Das Gefühlschaos von Wut, Trauer im Wechsel, von Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit ist wie ein alter Freund, mal wieder da. Nicht erwünscht, aber irgendwie erleichternd.

Hört sich schräg an? Ja. Man müsste meinen sie gieren nach positiven Erlebnissen, aber daran sind sie nicht gewöhnt, dem können sie kaum vertrauen.

Hier wird auch Freundschaft zum Problem. Akzeptanz, Nähe und Unterstützung stürzen in sich wiederholende Kreisläufe von diesen selbst laufenden Mechanismen und sind oft sehr anstrengend. Um diesen zu entgehen werden Menschen die diese Freundschaft anbieten, ohne Bereitschaft dem „nicht genug“ geprägten Menschen in seinem Verhaltensmuster zu bestätigen abgewertet.

Was tun?
Zuerst verstehen. Den Speicher kennen und damit Zugangswege finden.
Als Kind, ohne adäquate Möglichkeit sich verbal zu äußern werden Gefühle abgespeichert, die mit Worten nur schwer zugänglich sind. Sie liegen, vernetzt mit Auslösern, mit Verhaltensweisen, tief vergraben und oft ohne fassbare Verbindung zu Worten im Speicher / Gehirn. Das heißt nicht, der Erwachsene könne diese nicht benennen, das kann er so gut oder so schlecht wie jeder andere, aber eher rational, auf der Basis der eigenen Erkenntnisse im Verlauf seines Lebens. Der Weg dorthin, ein wirklicher Bezug, an dem man arbeiten kann, fehlt.

  • Identifizierung der ersten diese Gedanken prägenden Bezugspersonen.
  • In Gesprächen über diese das Wechseln in den Gefühlen zwischen „Hass“ und „Liebe“ genau beobachten und beide Seiten so akzeptieren, wie sie geäußert und gefühlt werden. Beide sind wahrhaftig, intensiv und gerechtfertigt.
  • Häufig findet sich in früher Kindheit eine Überforderung durch Parentifizierung, manchmal jedoch auch nur eine tief sitzende und durchgängige Ablehnung des damaligen Kindes, eine psychische Erkrankung der Bezugsperson.
  • Mit Mindmaps kann man dies aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sichtbar machen und dadurch „bewusstere“ Verbindungen von Gefühlen und nahezu automatischen Gedanken schaffen.
  • Man kann sozusagen „Reiz-Reaktionswege“ sichtbar machen und was sichtbar ist kann bearbeitet werden.

Allerdings ist die „nicht gut genug“ Prägung eine scheinbare Komfortzone, gewohnt und irgendwie bequemer, auch wenn es anstrengend ist als das große Unbekannte, das außerhalb dieser Prägung liegt. Und sie ist nicht immer da, sie wird verdrängt, kommt nicht jeden Tag, jede Stunde vor, verschwindet zeitweise und ist dann weder wichtig, noch es wert bearbeitet zu werden.

Ohne Leidensdruck, anhaltenden Veränderungswillen kommen dann wieder Widerstände hoch, die abgebaut werden müssen. Eine Bearbeitung dieser Prägung bedeutet dann ein scheinbares gegen den „nicht genug“ Menschen agieren, der doch in diesen Zeiten nur seine Ruhe und seinen Frieden haben will.

Wenn hier die Bindung der Arbeitsbeziehung nicht intensiv ist, (für den Therapeuten eine anstrengende Gratwanderung) verschwindet er und erscheint, wenn überhaupt, erst wieder in einer extremen Leidensphase.

Geduld, viel Zeit, ständige Wiederholungen, immer wieder aufflammender Widerstand machen allen Beteiligten das Leben schwer. Ungeschulte Menschen verlieren hier oft irgendwann die Geduld, haben das Gefühl der andere spiele mit ihnen, alles sei nur Show um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Erneut eine Bestätigung „nicht gut genug“ zu sein…

 

Du hast die Wahl…

Bitte keine Hühnchen essen
Viren in Hühner- und Putenfleisch sind Antibiotikaresistent. Rinder sind schon lange vom Wahnsinn befallen oder konnte das geheilt werden? Schweine sind ungesund, außerdem dem Menschen zu nahe. Das Meer ist überfischt, Hunde und Katzen mag ich zu gerne, Insekten gibt’s zu selten im Supermarkt und werden ja auch schon seltener. Auf Pflanzen ausweichen ist keine Option, die sind genetisch verändert. Selbst Eier und Honig sollte ich nicht mehr essen, denn darin wurde Gly… irgendwas gefunden.

Also Ernährungstechnisch bin ich ziemlich ratlos. Gesund ist nichts mehr, selbst gesundes nicht mehr.

Kleidung ist auch ein Problem, das preiswerte könnte aus dritte-Welt-Ländern kommen und ebenfalls giftig und unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt sein. Markenkleidung boykottiere ich um den Konsum und die Zerstörung der Umwelt nicht zu fördern. Bleibt nur der Secondhandshop.

Also Kleidungstechnisch sehe ich mich irgendwann schon in Lumpen herumlaufen.

Die Fortbewegung mit meinem Auto ist auch umweltschädlich, ein Diesel, sicher auch schlimmer als gedacht. Bahn fahren ist bei Hausbesuchen auf dem Dorf unmöglich und mit dem Fahrrad kriege ich nicht so viele Termine hin, das ich meine Miete zahlen könnte. Zum Glück fliege ich nicht oder reise mit dem Schiff, denn das würde der Umwelt ja noch mehr schaden.

Also Fortbewegungstechnisch wäre das einzig richtige zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren und ich bin ein Vollbrotversager und mache beides nicht ausreichend.

Die Wohnsituation da draußen scheint schlimm zu sein. Bei mir ist sie sogar mehr als ausreichend, eigentlich hätte ich ein Zimmer übrig. Aber für viele Menschen gibt es offensichtlich keinen bezahlbaren Wohnraum. Daher werden jetzt Häuser gebaut auf jeden freien Platz, alle nach gleichem Strickmuster und auch nicht mit allen energetischen Auflagen.

Also Wohnraumtechnisch bin ich aktuell gut versorgt, hab sogar supernette Vermieter. Aber ehrlich gesagt schäme ich mich das ich so viel Raum habe, den noch beheize und eigentlich nur mit unnötigen Konsumgütern vollstopfe

Die Arbeitssituation für mich und mein Leben finde ich gerade auch in Ordnung. Ich arbeite viel und gerne, es ist abwechslungsreich und ohne reich zu werden ist es ausreichend. Ab und an überfällt mich mal die Panik bezüglich der Rentenzeit. Rente kriege ich keine, ebenso wenig andere staatliche Leistungen, denn Steuern zahlen bedeutet nicht einen Leitungsanspruch zu haben. Steuern habe ich immer fleißig gezahlt, für was anderes hatte ich kein Geld, also private Versicherungen oder so, selbständig eben Nun werden mit mir ganz viele Leute alt. Ich bin in einen geburtenstarken Jahrgang geboren. Da weiß man heute schon das wir im Alter nicht versorgt werden können.

Also Alterstechnisch bleibt nur bis zum Tod fit sein und arbeiten oder eben früh sterben.

Um auf die Versicherungen zurückzukommen. Ich war gegen alles versichert, na fast alles. Dann habe ich die eine oder andere benötigt und ich habe festgestellt das alles ausgeschlossen ist, ich es einklagen müsste, oder wie bei der Krankenversicherung, es gerade seit letztem Jahr oder so nicht mehr bezahlt wird.

Also Versicherungstechnisch habe ich mich minimiert, denn gezahlt haben die bisher nicht, wenn was war.

Meine Informationen über das Weltgeschehen hole ich mir seit Jahren aus dem Radio und dem Internet. Fernsehen habe ich mit der ersten Übertragung von Kriegsbildern aufgegeben. Diese fallenden Bomben fand ich zu unrealistisch. Die Kriegsbilder vom menschlichen Leiden erst zu belastend, dann zu unethisch für diese Menschen und zu abstumpfend für mich. Hören und lesen reicht mir völlig um mich hilflos ausgeliefert, belogen, teil informiert und manipuliert zu fühlen.

Also Informationstechnisch bin ich zwar auf dem aktuellen Stand, weiß aber genau, dass ich nichts weiß.

Die Wahlen stehen an und ich habe mein Briefwahlformular hier vor mir liegen. Ich weiß was ich aus Überzeugung nicht wählen werde, ich weiß auch das ich wählen gehen muss, auch eine Überzeugung. Aber was soll ich da ankreuzen? Da bin ich so hilflos wie beim Essen, der Fortbewegung, dem Wohnen, dem Alter und den Versicherungen. Das Richtige gibt es für mich und den Staat in dem ich lebe nicht. Ich kann nur versuchen zu verhindern, dass das Falsche passiert – was auch immer das sein mag.

Also Wahltechnisch werde ich wohl auswürfeln was ich ankreuze, nachdem ich einiges ausgeschlossen habe

Das Leben, mit all den Informationen aus der ganzen Welt, dem Wissen aus meinen Ausbildungen (das plötzlich in vielerlei Hinsicht nicht mehr wahr ist; z.b. Öl scheinen wir ja noch in riesigen Vorkommnissen zu haben) gibt mir das Gefühl klein, dumm und hilflos zu sein.
Irgendwie bin ich noch gar nicht soooo alt, aber ich fühle mich an manchen Tagen viel älter, überfordert und wütend und traurig und alles zur gleichen Zeit.
Die Menschen, mit denen ich arbeite, kommen oft mit resignierten Haltungen, leben in den Tag, sind einfach ständig aktiv um möglichst wenig denken zu müssen. Definieren sich über Leistung, Konsumgüter, verdrängen, schlucken, versuchen irgendwie durch ihr Leben zu kommen.

Also Lebenstechnisch will ich nicht einfach nur durchkommen! Ich will lebendig sein, meine Ideale und meine Hoffnungen leben (und nicht vor ihnen sterben, weil sie ja am längsten leben wie man so sagt). Ich baue um mich herum die Welt, wie ich sie mir vorstelle.
Ich arbeite umsonst, um aufzufangen, was die Versicherungen nicht bieten, sofortige Beratung. Ich bemühe mich um ein wertschätzendes, authentisches Miteinander, auch und gerade, wenn andere das nicht leben. Ich engagiere mich ehrenamtlich (ohne Vereinsgedödels) und halte Vorträge zu diversen Themen.

Warum schreibe ich das?

Weil jeder der nichts tut, nur mit schwimmt, es über sich ergehen lässt, unweigerlich in Hilflosigkeit landet. Hilflosigkeit macht krank!
Also Leuteüberlegt, was Euch einmal wichtig war und wieder sein könnte und lebt es aktiv!
Das ist Wahltechnisch die beste Wahl, die Ihr treffen könnt – für Euch und für Euer Umfeld!
Wählt Euch, eure Ideale, Hoffnungen, Wünsche, Träume und lebt sie – hier heute, morgen

Viel Spaß mit einem Lebensgefühl, das deutlich besser ist als das im Schwarm!!!

:-*

Bin ich „verrückt“ ?

Was auch immer „verrückt“ sein soll, ich weiß es ebenso wenig, wie ich weiß was „normal“ ist. So viele Menschen benutzen diesen Begriff (und scheinen zu wissen was er bedeutet), das ich mir manchmal sogar schon ein wenig dumm vorkomme wenn ich immer wieder betone es eben nicht zu wissen.

Falls damit ver-rückt, im Sinne von anders, also außerhalb der Norm (sozusagen „A-sozial“) gemeint wäre, das kenne ich. Dann wäre ich ganz sicher auch verrückt.

Immer wieder stelle ich fest, das mich manche Menschen komisch finden. Sie irritiert das ich genau zuhöre und sie dabei auch noch ansehe (ist vielleicht auch nur meiner Wissbegierde und meinem Beruf geschuldet), das ich keinen Fernseher habe (ich lese lieber), das ich nicht Urlaub im Ausland mache (ich fahre lieber über die Landstraßen, gucke mir Städte und Landschaften an), das ich nicht Radio und die Charts höre, (ich mag lieber Heavy-Metal und fahre so oft es geht auf Festivals).

Auch verhalte ich mich scheinbar oft auffällig, wenn ich sage was ich denke, über Gefühle spreche ,  mich ernsthaft für das Befinden der Menschen die ich treffe interessiere,  kaum Alkohol trinke, freiwillig  morgens gerne früh aufstehe um in den Wald zu gehen.

Das andere etwas komisch finden was man tut, kennt ja aber wohl jeder von sich selbst. In vielen Dingen ist man eben anders als andere (nicht nur ich).

Das ich mir zum Beispiel gerade einen anderen Stuhl geholt habe, der Kater meines Vermieters hat meinen Schreibtischstuhl belegt und ich möchte ihn in seinem friedlichen Schlummer nicht stören, kenne ich von anderen Menschen auch, zum Glück!
Und natürlich bin ich nicht so anders, so ver-rückt, dass ich mein Leben nicht ge-regelt, also den wichtigsten Regeln entsprechend gestaltet kriege.

Eine Auffälligkeit allerdings mit der ich lange gekämpft habe, war das ich schon vor Jahren begonnen habe Namen und Gesichter von Menschen schnell wieder zu vergessen. Ich habe irgendwann prüfen lassen ob mit mir alles in Ordnung ist. Kein Alzheimer oder ähnliches, pfft, ich habe ein gesundes Gehirn. Anscheinend sortiert das nur rigoros aus wenn ich jemanden nicht häufig sehe.  (Manchmal echt peinlich, vor allem wenn ich Klienten treffe die vor Jahren lange Zeit bei mir waren.)
Im Großen und Ganzen bin ich wahrscheinlich ein recht durchschnittlicher Mensch, zumindest sagt das meine körperliche Konstitution, mein Gewicht – passend zum Alter und meine Arbeitszeiten – passend zum Job, aber auch meine Alltagsprobleme entsprechen denen der meisten Menschen die ich so kenne.

Die Woche war ich allerdings insgesamt ein bisschen sensibler als sonst, etwas antriebsloser, müder, schlaffer, lustloser und etwas mutloser. Mag daran liegen das ich nicht so gut geschlafen habe. Allerdings istmir dann etwas sehr seltsames passiert.

Ich hatte den Eindruck mit mir stimmt was nicht…

Die Heilpraktikerin, bei der ich wegen Verspannungen war, hatte auch zu mir gesagt es gäbe da etwas „Verhärtetes“. Sie riet mir, ich solle mal zu ihrer Bekannten gehen. Auf die halte sie große Stücke, die sei Psychologin. Denn das was sie da spüre könne sie nicht weiter behandeln, das liege in der Seele. Man kann sich denken, sie wusste nicht was ich beruflich mache…
Ich habe natürlich zu Hause sofort über ihre Bekannte recherchiert, hatte ich doch ernsthaft in Betracht gezogen mir mal eine weitere Meinung zu dieser Verhärtung anzuhören und muss ihr beim nächsten Besuch mitteilen, ihre Bekannte ist Dipl. Verw.wirtin (FH) mit einer Ausbildung systemischen Beraterin nach HPG.

Der Titel Psychologe ist als Studienberuf geschützt (mein Berufsverband legt darauf großen Wert), das sollte sie als Heilpraktikerin unbedingt wissen! Ich habe übrigens noch eine Weile recherchiert, mir die Ausbildungsstruktur ihrer Bekannten angesehen. Aber ich gestehe, unter dem Begriff „Counselor Training“ kann ich mir trotzdem nicht wirklich etwas vorstellen. Also habe ich die Idee dorthin zu gehen erst mal verworfen und gedacht ich frage demnächst erst mal meine Supervisorin nach meiner „Verhärtung“.

Ich kehrte jedenfalls nach diesem Ausflug in die Ausbildungsstrukturen zurück zu mir, dachte intensiv darüber nach was sie meinen könnte, vielleicht bin ich ja aber auch wirklich verhärtet? Vielleicht sogar psychisch krank? Vielleicht bin ich ja berufsblind, so das ich es nicht sehe?

Ich gab also, anfangs einfach nur neugierig, meine Symptome im Internet ein und kam zu dem Begriff Hypersensibel. Ich schaute mir die Kriterien dafür an, oh ja, da passte sehr viel auf mich.

„Ich traue mir öfter mal weniger zu als ich eigentlich zu leisten vermag. Ich brauche viel Zeit um Entscheidungen zu fällen, weil aufgrund der erhöhten Sensibilität, sehr viel mehr Daten und Denkprozesse einbezogen werden müssen und bin oft bei Entscheidungen unsicher. In Situationen, in denen ich unter Beobachtung stehe, reagiere ich häufig zu zurückhaltend, zeige zu wenig meine wahren Kompetenzen. Alles Unbekannte bedeutet Stress für mein hochsensibles Nervensystem.“
Und dann gehörte da noch dazu:
„Qualitativ und quantitativ hoher Informationseingang aus der Umgebung, sehr detaillierte und intensive Wahrnehmung und meist starke Gefühle dazu, sensorische Empfindsamkeit, aufgrund dessen oft in einem Zustand der Reizüberflutung. Die Gabe, sich in die Emotionen anderer hinein zu versetzen, u.a. aufgrund der hochsensiblen Wahrnehmung auf bewusster wie auf unbewusster Ebene. Werte, wie Gerechtigkeit, Loyalität, Verantwortung, Aufrichtigkeit, Harmonie, Genauigkeit oder Nachhaltigkeit und die Vorstellung einer bestimmten Ordnung im Leben, ein großes Bedürfnis nach einem Sinn im Leben und das Anstreben eines harmonischen Miteinanders. In der Lage in vielen Lebensbereichen alternative Lösungen zu entdecken, intensiv wahrzunehmen, tief zu Empfinden, besonders in der Natur. Beschränkung des Seins nicht nur auf das konkret Manifeste, sondern mit einer Erweiterung um eine spirituelle Dimension, Idealismus, das Verantwortungsgefühl für größere Zusammenhänge und eine schöpferische Kraft.“

Ich fand ich sei ganz eindeutig hochsensibel. Na, das erklärte ja mal vieles in meinem Leben! Ich bin also weder ver-rückt noch a-sozial, ich bin hypersensibel. Schon mal gut.
Um ganz sicher zu gehen, darauf bin ich ja bei der wissenschaftlich fundierten Diagnosestellung geschult, musste ich dann noch alles andere ausschließen. Also wühlte ich mich durch die Diagnosekriterien aller möglichen psychischen Erkrankungen die mit „Verhärtung“ oder der aktuellen Symptome (etwas antriebsloser, müde, schlaff, lustlos und etwas mutlos) etwas zu tun hatten.

Gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und Aktivität, die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert, ausgeprägte Müdigkeit nach jeder kleinen Anstrengung, Schlaf gestört, Appetit vermindert.

Vielleicht bin ich ja depressiv?
Okay die meisten Symptome passen, aber Appetit habe ich, so viel wie immer, wenn nicht noch mehr. Beim weiterlesen finde ich heraus warum ich weiterhin Appetit habe.
Eine Sonderform der Depression ist die sogenannte saisonale Depression. Hierbei kommt es in den lichtarmen Jahreszeiten (Herbst und Winter) zu Symptomen der Depression, die durch den Lichtentzug ausgelöst werden. Darüber hinaus leiden die Betroffenen auch häufig unter einem vermehrten Schlafbedürfnis und auftretendem Heißhunger. Also saisonale Depression!

Okay, aber da war auch noch meine in der letzten Woche instabile Stimmung, mein derzeitiger Hang mehr alleine zu sein als sonst, also soziale Isolation? Meine Launenhaftigkeit? Meine Inkonsequenz? Ich gab Symptom für Symptom ein und lande auf den unterschiedlichsten Seiten, oft boten sie Testverfahren an, die ich fleißig ausfüllte. Als ich fertig war mit meinen Recherchen war ich noch antriebsloser, müder, schlaffer, lustloser und viel mutloser als zu Beginn.

Ich ging trotzdem noch meine wissenschaftlich fundierten Diagnoseinstrumente durch und prüfte all das noch mal, was ich an Testergebnissen über mich gefunden hatte.

Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, ich hatte Anteile einer instabilen emotionalen, zwanghaften und narzisstischen, dependenten, histrionischen, passiv-aggressiven und paranoiden Persönlichkeit.

Mein Leben war ganz offensichtlich völlig verkehrt! Und ich saß wohl ewig schon der Illusion auf, ich sei eben einfach ein wenig anders…
Mir fielen sofort viele kritische Worte von Freunden ein, aber auch komische Blicke und beiläufige Kommentare.

In meiner Verwirrung und Verzweiflung rief ich meine Kollegin, meine Supervisorin und Freundin an und bat sie, um einen schnellen Gesprächstermin.

Zum Glück für mich, ich hatte so viel Kaffee getrunken wie möglich damit ich nicht noch müder, schlaffer, lustloser werden konnte, rief sie nach nur einer Stunde zurück.

Und schon nach nur 20 Minuten war ich wieder „gesund“! Wahrscheinlich noch etwas „ver-rückt“ und „a-sozial“ aber eben nicht mehr krank. Ich würde zwar auch diese Nacht, so voll mit Koffein wie ich war, kaum schlafen, aber meine Diagnosen waren alle schnell von meiner Kollegin widerlegt worden.

Die Frau kennt mich nicht nur gut, sie weiß auch viel über mein privates und berufliches Leben. So musste ich gar nicht so viel über mich erzählen und schon hörte ich ihr Schmunzeln durchs Telefon.
Sie sagte, wenn ich zu wenig geschlafen habe, es ein anstrengender Montag sei und die Woche noch lang, mit viel Arbeit vor mir liege, ich mir Sorgen um den einen oder anderen Patienten machen würde und in der Woche auch noch eine gute Freundin beerdigt werde, so wäre es kein Wunder das es mir nicht gut ginge.
Ich war ein wenig erstaunt wie schnell sie das alles auf den Punkt brachte, konnte aber nicht widersprechen.

Ich solle mal eine Runde spazieren gehen, länger schlafen und vor allem aufhören mich selbst ständig so in Frage zu stellen, zu hinterfragen und ständig zu prüfen welche Anteile ich an allem habe.
Sie betonte meine bewiesenermaßen vorhandene Kompetenz, meine Kreativität, mein Engagement und meine stabilen sozialen Netzwerke. Sie wies auf die Anerkennung von Kollegen und Klienten hin, auf die vielen beruflichen Erfolge und bat mich, nun wirklich lachend, in Zukunft mehr Tee als Kaffee zu trinken. Sie sagte noch viel, viel mehr, aber das ist privat. 🙂

Ich saß danach eine geraume Zeit an meinem Schreibtisch, in der Hand noch das Telefon und konnte über mich selbst nur den Kopf schütteln. Was war denn das?
Dann sah ich auf meinem PC all die offenen Seiten, meine Diagnosewerke, ICD und DSM auf dem Tisch und ich musste lachen.

Wer suchet der findet!
Mir wurde klar in was ich mich da und vor allem warum ich mich da so erfolgreich hineingesteigert hatte.

Müdigkeit, starke private und berufliche Belastung und dazu regnerisches Novemberwetter, reichen ja nun wirklich schon aus um in viele verallgemeinernde Diagnoseschemata zu passen. Die theoretische Konstrukte die einen vielseitigen, besonderen, emotionalen Menschen in seiner Umwelt beschreiben sollen, greifen eben oft ohne fachlich kompetente Analyse zu kurz.

Ich erläutere genau das tagtäglich meinen Klienten. Ich warne vor Schubladen, vor Zuordnungen und deren Folgen. Jetzt hatte ich selbst erlebt wie schnell man sich einordnen und „krank“ machen konnte.

Welch ein Glück das ich mal wieder erleben durfte wie normal ich bin! Von wegen „ver-rückt“ und hypersensibel 😉

Denn egal wie sehr jemand meine Kompetenz lobt und betont, ich bin nur ein Mensch und falle auch auf das herein was mir an Schubladen und Rastern angeboten wird. Ich bin mir selbst gegenüber auch nicht immer ganz aufrichtig, manchmal sogar vor mir auf der Flucht. Niemand kann sich selbst objektiv und fachlich korrekt diagnostizieren, auch ich nicht. Und schon gar nicht in so einer vielfach beeinflussten negativen Stimmung.

Also Finger weg von Selbstdiagnosen!

Systemische Familienaufstellung

Wann?
Samstag 19.11.2016 von 10 Uhr bis spätestens 18 Uhr
Wo?
Zeppelinstrasse 31 b in Landau / Pfalz
(inkl. Verpflegung und Nachsorge)
Anmeldung in der Psychologischen Praxis Petra Dahl
unter:
06346 / 9590850
oder
0170 / 8128824
Details

Familienaufstellung, systemisch, unter professioneller und kompetenter Anleitung. Inklusive einer Sprechstunde und einer Nachsorge, falls Fragen auftauchen.

Je nach Anzahl der Aufstellungen beenden wir den Tag. Spätestens jedoch um 18.00 Uhr. Für einen Snack Mittags und Getränke ist gesorgt.

Möchtest Du mehr über die Zusammenhänge in Deiner Familie wissen ? Verstehen warum sich jemand so verhält wie er / sie es tut? Möchtest Du Dein eigenes Verhalten näher ergründen?

In einer systemischen Familienaufstellung kannst Du all das herausfinden und noch viel mehr.
Du kannst Klärungen herbeiführen, Lösungen finden, einen Abschluss mit Personen oder Themen für Dich erreichen.
Natürlich inklusive eines Nachsorgeangebots, falls Fragen auftauchen.

Hast Du noch nie an einer Aufstellung teilgenommen?
Dann komme als Stellvertreter und Du wirst erleben wie Du etwas weißt was Du nicht wissen kannst, oder auf etwas reagierst ohne das diese Reaktion für Dich typisch ist.

Es ist anstrengend, es ist überraschend, es ist eine Erfahrung die Dich weiter bringt.
Ich freue mich schon sehr auf Dich, ob als Stellvertreter oder Aufsteller.

Telefonische Anmeldung unter: 06346 / 9590850
oder 0170 / 8128824

Selbstwert – Selbstbewusstsein – Selbstakzeptanz

Anfang Oktober hatte ich einen Vortrag zugesagt, Thema „Selbstwert – Selbstbewusstsein – Selbstakzeptanz“. Wie so viele Menschen neige auch ich dazu, zwar darüber nachzudenken was ich dort vermitteln möchte, aber anzufangen und den Vortrag vorzubereiten ist dann ein ganz anderer Schuh. Wie es dann so geht war irgendwann die Zeit die mir zur Verfügung stand kürzer als gedacht und die Vorbereitung artete in Stress aus. Selbst schuld! Durch viel Übung und Erfahrung (vielleicht auch nur durch fortschreitendes Alter) weiß ich, ich erwarte mehr von mir als die anderen dies meist tun. Daher musste ich mich zwar beeilen, aber es ging mir nicht schlecht dabei.

Gut gerüstet mit einer PC-Präsentation und einer für das Flipchart marschierte ich also los. Das Thema taucht in der Praxis oft auf, ist sozusagen die Wurzel vieler schwieriger Situationen und natürlich bin auch ich selbst nicht frei von Selbstzweifeln, nicht unempfänglich gegen Fremdkritik.

Gegen meine Erwartung war der Raum leerer als bei anderen Vorträgen dieser Serie. Ich war überrascht aber zu meiner eigenen Verwunderung nicht wirklich enttäuscht.

Meine Präsentation hatte ein paar Macken, lief nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt hatte. So ganz die Ruhe in Person war ich dadurch dann auch nicht. Alles in allem war ich am Ende nicht wirklich zufrieden mit mir, aber froh das es um war.

Im Anschluss sitzen die Teilnehmer dieser Veranstaltung oft noch ein wenig beisammen und die Vortragende bekommt so auch noch ein wenig Feed-back. Mit gemischten Gefühlen nahm ich das eine oder andere Lob entgegen, manch ernst gemeintes Danke und auch einige Kommentare zu eigenen Erkenntnissen der Teilnehmer.

Die Runde wurde kleiner und es ergaben sich wirklich tolle Gespräche – weit ab vom Thema des Vortrags.

Auf der Heimfahrt und die nächsten Tage bei den Nachfragen wie es denn gewesen sei, merkte ich, wie wenig ich selbst das beurteilen konnte. Eine Aussage von jemandem der mich schon länger kennt, kam mir immer wieder in den Kopf und beschäftigte mich lange. „Wenn man Dich kennt…locker wie immer…“ War das nun positiv oder nicht?

Nun, eine Woche später muss ich schmunzeln wenn ich daran denke. Mein ganzes Wissen hat nicht geholfen mich von der Fremdbewertung zu distanzieren. Zwar konnte ich gelassen damit umgehen, aber ich dachte über die Aussagen der anderen Frauen nach und versuchte herauszufinden ob der Vortrag in der Gesamtbewertung denn nun gut oder eben nicht so gut gewesen sei.

Selbst die Auswertung der dort erhobenen Daten zur Fremdbewertung (Die Personen beurteilen die Vorstellung der jeweils anderen in der Runde) die so gar nicht einheitlich waren, brachte mich nicht davon ab über meine „Wertung“ nachzudenken. Dabei hatte ich vorher noch großartig darüber referiert wie unwesentlich und von der Person welche die Wertung abgibt, subjektiv beeinflusst diese Fremdbewertungen sind.

Resümee? Meine Programmierung als Kind, seit Ewigkeiten in Arbeit, hatte um die Ecke geschaut, vorsichtiger als sonst, aber genauso gehässig wie immer. „Ätsch-bätsch“ hat es geflüstert und, „Bist Du Dir sicher das Du gut genug warst?“

Wart ab Du Rotznase, Dir ziehe ich die Ohren lang sobald ich Dich zu fassen kriege 😉

 

 

Allein, alleiner, am alleinsten! – Wer oder was macht mich einsam?

Was haben wir bloß mit uns machen lassen? Oder gemacht?

Immer häufiger habe ich vom Leid des „alleine seins“ gebeutelte, niedergedrückte Menschen in meiner Praxis sitzen. Draußen, in meiner Freizeit treffe ich ebenfalls viele Menschen aller Alterklassen, die ohne bewusst davon zu sprechen, von Einsamkeit reden.

Junge Menschen, meist in oder nach einer Trennung oder Menschen in mittleren Jahren, in einer Beziehung oder auch (aber seltener) ohne sind betroffen. Bei vielen wird dies zu einer Angst- oder Zwangssymptomatik, zu exzessivem Drogenmissbrauch oder zu psychosomatischen Erkrankungen.

Ich werde jetzt keine großartige Analyse schreiben, über Großfamilien, Zusammenhalt, unsere schnelllebige, manipulative, uns Ideale, Möglichkeiten vorgaukelnde, Flexibilität fordernde und das Alter verteufelnde Welt.

Ich möchte versuchen, anhand von Auswirkungen, Verhaltensmustern, hier (als Beispiel) ausgelöst durch eine unzureichend gute, also defizitäre Versorgung durch Eltern ein Verständnis und einen anderen Blickwinkel zu eröffnen. Dies kann helfen den Anfang einer Ablösung von „alten Denkstrukturen und Gefühlen“ zu finden:

Zum Verständnis:
Menschen die mit Eltern groß geworden sind, die zwar ihr Bestes gegeben haben, die aber die Zuwendung, die nötige Geborgenheit und Sicherheit trotz allem nicht bieten konnten, werden häufig extrem in ihrer Art des sozialen Kontaktes.
Hiervon sind nicht nur misshandelte, vernachlässigte Kinder betroffen, sondern auch durch Geschwister vom ihrer Position gestoßene (Zuneigung wird entzogen oder scheinbar ungleichmäßig verteilt) und solche die sehr beschäftigte „abwesende“ (süchtige, emotionslose, hart arbeitende) Eltern hatten.

Sie leiden oft an ihrem „anders sein“, fühlen sich als Außenseiter aufgrund ihrer Sensibilität, ihrer sehr sensitiven Wahrnehmung, ihrer eher pessimistischen Sicht auf sich, ihren Ängsten und der Übertragung ihres Selbstbildes auf all jene die sich ihnen zuwenden oder aufgrund einer verpassten Kindheit, einem zu frühen Erwachsensein und verpasster Entwicklungsstufen.

Darauf reagieren sie unterschiedlich, werden zu „aufopfernden Helfern“ die sich nur um andere drehen und sich selbst vergessen, oder werden zu eher egoistisch handelnden, die andere benutzen. Manchmal entwickeln sie auch andere Verhaltensweisen die isolierend wirken.
Wichtig dabei ist das kein Kind sich ausgesucht hat wie es mit dem Gefühl (denn es ist als Gefühl abgespeichert) „unwichtig“ und ungeliebt, ungewollt zu sein umgeht! Es hat einfach nur eine Überlebensstrategie gefunden, eine Art Aufmerksamkeit zu erhalten.

Der Mensch der ständig allen Geschenke macht, der fast alles für andere tun würde, der sich in jeden Konflikt wirft, oder biegsam wie ein junger Baum sich jeder Situation anpasst, unmögliche Risiken für sich eingeht, wünscht sich nichts anderes als Zugehörigkeit. Diese versagt er sich aber selbst, denn sobald er sie erreichen könnte, erreicht zu haben glaubt, erkennt er das seine „Dienstleistung“ auf Dauer so von ihm nicht zu leisten ist, befürchtet oder erlebt, das sein Umfeld ihn aber ohne diese nicht mehr zu sehen scheint. Manchmal bricht er auch schon früher ab, noch bevor er dazu gehört, könnte Nähe doch zu erneutem Verlassen werden, zu Schmerz führen.

Derjenige der egoistisch handelt, alles und noch mehr einfordert (wovon er glaubt, dass ihm das als Entschädigung zusteht) ist ebenfalls auf der Suche nach Anerkennung, gesehen werden.

Am schlimmsten sind aber all jene betroffen, die Zugehörigkeit erreichen und dann feststellen das sie diese so wie sie stattfindet nicht wollen, unzufrieden sind, aber bleiben, festhalten an etwas was sie nicht zufrieden stellt, nur besser ist als nichts.

Zur anderen Perspektive: (Für alle jene die hinschauen möchten)

Schau Dir an einem der Tage an denen Du Dich nicht so einsam fühlst Dein Leben an, Deine Kindheit, Deine Eltern. Überlege Dir, wenn Deine Eltern in der Lage gewesen wären dafür zu sorgen, dass es Dir gut geht, wenn sie die Fähigkeit gehabt hätten dafür zu sorgen, dass sie sich mit sich gut fühlen, hätten sie es getan?
Damit meine ich keine Flucht in den Konsum von stofflichen oder nichtstofflichen Drogen, sondern ein erfülltes, selbstbestimmtes und bewusstes Leben mit sich selbst und der Umgebung. – Hätten sie? Würdest Du?

Falls Du auf eine der Fragen mit „Ja“ antworten kannst, so hast Du hiermit festgestellt das ein anderes Verhalten stattfinden würde, wenn es machbar wäre.
So wie Du Dir wünschst so manches Mal Dinge anders oder gar rückgängig machen zu können, so wünschen sich viele andere Menschen, Deine Eltern, dies vielleicht auch, aber vielleicht fehlt Ihnen auch die Fähigkeit zu einer solchen Einsicht.
Du bist als Kind, aus der natürlichen Entwicklung heraus an Deine Eltern mit Forderungen herangetreten die sie, zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllen konnten, vielleicht nie erfüllen können. Du hast sie überfordert und damit Situationen geschaffen in denen sie, ihr alle, Euch schlecht gefühlt habt, jeder auf seine Weise und jeder mit seiner eigenen Reaktion darauf. Dafür konntest Du nichts, aber sie vielleicht auch nichts? Und ihre Reaktionen haben sie vielleicht auch nicht ändern oder kontrollieren können? Denn eigentlich wollten sie wohl von Dir geliebt werden, so wie Du von Ihnen.

Schade, aber leider im nachhinein nicht zu ändern!

Heute, jetzt, hier kannst Du entscheiden, ob Du weiterhin etwas erwarten willst was Deine Eltern nicht leisten können. Vielleicht kannst Du anfangen Ihnen zu verzeihen? Dir zu verzeihen das Du als Kind, Jugendlicher, Erwachsener von Menschen etwas eingefordert hast die dies nicht leisten konnten, weil Du es nicht besser wissen konntest, nicht besser wusstest, es nicht besser wissen wolltest? Weil Wut und Zorn und Vorwürfe sich lebendiger anfühlen als Trauer?
Vielleicht aber kannst Du auch aufhören zu trauern, Dich als Opfer zu sehen? Weil die Wut, dass sie nicht zeigen konnten was sie in der Lage waren zu leisten und was nicht, Dir helfen kann aus der Trauer auszusteigen.
Der Weg zu einer Lösung:

Alles was ich hier schreiben kann ist pauschal. Ich bin mir dessen bewusst und ich hoffe Du auch. Jede beschriebene Möglichkeit sieht vielleicht ein Stück von Dir, aber sicher nicht das Ganze!
Darum gibt es auch keine wirkliche Lösung, denn diese ist nur in Dir zu finden.
Aber: Es gibt Lösungswege und die können für ebendiese Teile Deiner Person, die sich hier vielleicht finden hilfreich.

Ein Weg zur Lösung ist die Überprüfung Deiner Grundhaltung.
Siehst Du Dich als Opfer?
Bist Du ein Kläger, anklagend?
Oder bist Du ein distanzierter Denker, weit weg von Deinen Gefühlen, immer wieder mehr mit dem Kopf dabei?
Lenkst Du Dich und andere stets von den eigentlich relevanten Dingen ab, machst den Clown oder vermeidest alles Konkrete?

Führst Du vieles zurück auf Deine Geschichte?

Dann prüfe, bevor Du es immer weiter hinnimmst so zu sein wie Du bist woher dies kommt. Schaue Dir an, wer Dich dazu animiert hat in diese Haltung zu gehen?
Passt sie zu Dir und Deinem Leben???

Sagst Du jetzt „Nein“ so möchte ich nicht leben? Dann werde aufmerksamer, notiere Dir wann Du zu solchen „Verhaltensweisen – Denkweisen“ neigst. Hast Du einen gute/n Freund/in, frag dort nach und lass Dir sagen wann und wie Du reagierst.

Siehst Du Dich als Opfer?
Probiere dies Verhaltensweisen einmal aus:
Arbeite an Deinen Verärgerungen und Vorurteilen.
Übe Nein zu sagen, stelle Forderungen, äußere Wünsche und übernimm Verantwortung für Dich.
Mach Dir Veränderungen bewusst (aufschreiben hilft dabei) die eintreten wenn Du Dich anders verhältst. Sieh sie als eine Grundlage für die Entscheidung ob und wie Du leben willst.

Bist Du ein Kläger, anklagend?
Höre mehr zu als zu reden, äußere Dich mehr in Sätzen die mit Ich beginnen und Bedürfnisse statt Ärger ausdrücken. Experimentiere mit Nähe und Distanz und unterbreche Deine erstickende und zerstörerischen Ausbrüche von Abwertung und Schuldzuschreibung.

Oder bist Du ein distanzierter Denker, weit weg von Deinen Gefühlen, immer wieder mehr mit dem Kopf dabei?
Achte einmal mehr auf Deine Körpersprache, schau sie Dir bei anderen an, ahme sie nach. Gehe achtsam, beobachte Deinen Körper, wie er sich wann bewegt. Werde Experte für Deine automatischen Körperreaktionen, atmen, schlucken. Lausche Den Geräuschen, dem Glucksen in Deinem Bauch, dem Knacken Deiner Gelenke. Beginne zu beobachten was um Dich herum krabbelt, wächst, was sich verändert von Tag zu Tag. Rede nicht darüber, tu es.

Lenkst Du Dich und andere stets von den eigentlich relevanten Dingen ab, machst den Clown oder vermeidest alles Konkrete?
Setze Dir täglich ein kleines Ziel, eine Tätigkeit, ein Handeln das Du an diesem Tag vollenden möchtest. Hast Du es erreicht so genieße was Du geleistet hast. Schau Dir an wie Du es gemacht hast und über ähnliches. So schaffst Du Strukturen, erkennst Deine Fähigkeiten Dich zu „bändigen“ wenn Du willst, oder Dich „frei“ laufen zu lassen, wenn Du das willst. Sei und werde Dir bewusst das Du Dein Handeln bestimmst – jederzeit!

All das sind nur Hinweise. Anregungen. Kleine Hilfen zu neuen Perspektiven.
Möchtest Du Dein Wissen über diese „Kommunikationsmuster“ vertiefen?

Lies Virginia Satir! Eine großartige kreative Frau!

Willst Du mehr ausprobieren?
Sei kreativ und mache mal das Gegenteil von dem was Du schon immer gemacht hast – gefällt es Dir machst Du mehr davon, falls nicht probiere etwas anderes. Es gibt viele Möglichkeiten zu leben und Du kannst Dich jeden Tag neu entscheiden, wie Du es tun möchtest!

Fotsetzung folgt…

Sprachschwierigkeiten – oder die 29. Tagung des Forums für Friedenspsychologie in Landau

Eine Tagung in der Nähe! Ein Thema mit dem ich mich noch nicht beschäftigt habe! Das muss ich mir anschauen und anhören!

Das ich an dem Wochenende Nachtschicht habe ist nicht so toll, aber ich werde es schon durchstehen, vielleicht verstehe ich im intuitiven Halbschlaf ja sogar noch mehr als hellwach?!.
Das Programm hört sich selbst für eine Praktikerin wie mich ganz spannend an, Konfliktmodelle, Kooperation, von gezielterer Information zu den Konflikten in den Ländern Israel, Chile und Kolumbien ganz zu schweigen.
Also Anmeldung raus, Geld überweisen.

Der erste Schock folgt sogleich.

Ich erhalte eine Mail, ich solle doch bitte meine Vita und mein Forschungsgebiet in Englisch, PC tauglich, in einer Präsentation fertigen und vorab übersenden.

Ähm, auf Englisch? Und meine Forschung?
Ich lese die Mail mehrfach, gebe sie an meine Ziehtochter zur Übersetzung, der Inhalt bleibt derselbe… Nachdem ich mich bei zwei Kolleginnen (jünger und älter) rückversichert habe das auch deren Englisch, die Fachsprache betreffend, eingerostet ist, beschließe ich Mut zur Lücke zu zeigen und fertige einfach nichts.

Im Workshop „Science slam“ Beginn 9.00 Uhr lerne ich zuerst so einiges über wissenschaftliche Präsentationen in volksnaher Form.

Zu meiner Erleichterung wird dieser entgegen der Ankündigung auf Deutsch abgehalten und so kann ich mich und meine Arbeit, keine Forschung, nur praktische Anwendung auf deutsch und sogar ohne PC vorstellen. Ich bin ein klein wenig beschämt über die Tatsache so ganz ohne Beitrag zur Weiterentwicklung des Faches zu leisten teilzunehmen, auch das ich nur direkt mit dem „Volk“ arbeite dem scheinbar alle anderen Teilnehmer große Neuigkeiten und präzises Fachwissen vermitteln.

Aber recht zufrieden mit dem Feedback der anderen zu meiner Vorstellung marschiere ich in die Pause.

Die Studierenden und Forschenden haben mich über den gemeinsamen Workshop aufgenommen in ihre Runde, stellen höflich Fragen zu meinem Alltag und vergleichen meine Studierendenzeit mit ihrer.
Abgesehen von der Tatsache das ich ca. 20 Jahre älter bin als die ältesten unter ihnen,  sie in ihrer „fachbezogenen Karriere“ zumeist im Doktorantenbereich sind oder  gar Professuren anstreben, wodurch ich mich fühle als wäre ich wieder Erstsemester, geht es mir gut in der Runde. (Ich muss betonen, das Gefühl kam alleine aus mir, sie haben mir definitiv keinen Anlass dazu gegeben.)

In den nächsten zwei Tagen lerne ich enorm viel.

Neben all dem Wissen aus den aktuellen, teilweise noch nicht veröffentlichen Forschungen, den Gesprächen mit den Forschern selbst, setze ich mich intensiv mit mir auseinander.
Nein, ich hätte keine Karriere in der Forschung machen wollen, stelle ich fest. Ich bin froh und glücklich so arbeiten zu dürfen wie ich das tue!

Meine Fragestellungen scheinen allerdings weit von der aktuellen Forschung entfernt, ebenso meine Sprache, egal ob Englisch oder Deutsch.
Nach einem Vortrag zum Menschenrecht, Menschenrechtsverfehlungen und Menschenrechtsmissbrauch, übrigns sehr desillusionierend, endet der Redner mit dem Satz:
„Die Menschheit wäre aufgrund ihres kumulierten Wissens und der technischen Möglichkeiten in der Lage jedem Menschen die Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.“

Erschreckt stelle ich fest, dass mich dieser Satz weitaus mehr erschüttert als all die Zahlen über Tod, Massaker und Menschenverachtung. Meine Nachfrage wo ich denn zu dieser Aussage Fakten finden kann wird mit einer Aufzählung von Organisationen die daraufhin arbeiten würden beantwortet.

Ich fühle mich unverstanden.

Meine Verschwörungstheoretiker in ihren abklingenden Drogenpsychosen, meine depressiv verstimmten, aufgrund ihres politischen Interesses häufig hoffnungslos gewordenen Therapiepatienten kann ich nicht mit Amnesty International oder ähnlichem definitiv nicht kommen.
Warum bitte ist eine Information wie „Black Beauty elf Projekt“ im Internet ebenso leicht zu finden wie die Allienforschung, Fakten die eine Rettung der Welt ermöglichen aber so versteckt?

Am ersten Tag gehe ich in eine Nachtschicht in der ich viel Zeit damit verbringe über Forschung, konkrete Ansagen und meine Möglichkeiten bei den Veränderungen in der Welt nachzudenken.

Am Tag zwei und drei halte ich mich mit meinen Wortmeldungen zurück und erspare mir die Peinlichkeit als Normalsterblicher enttarnt zu werden. In den Pausen bin ich weiterhin im Kreis der Workshopteilnehmer willkommen und verfolge so manch spannende Diskussion, zu der ich, vorsichtig und meine Worte vorher zurechtlegend auch ab und an etwas sage.

Sonntags endet die Tagung für mich schon mittags und ich setze mein Wochenende mit einem alkoholfreien Radler vor meiner Stammkneipe fort.

Während des faulen und entspannten Nachmittags mit albernen Sprüchen (häufigen nicht wirklich lustigen Witzen, sexistischen Äußerungen und oberflächlichen Gesprächen über alle möglichen Themen bei denen ich nicht viel zu sagen habe…) denke ich immer wieder über den Unterschied meiner Lebenswelten nach. Der Abend endet satt und tiefenentspannt nach einem Essen mit Bekannten aus der Stammkneipe. Ich fühle mich zufrieden, spüre aber auch hier, ich gehöre nicht so recht dazu.

Meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen drehen sich um den Spagat den ich jeden Tag lebe und grundsätzlich als angenehm, wenn auch manchmal ein wenig isolierend empfinde.

Ich gehöre weder zur Welt der Kollegen, noch zu der des Volkes… und gleichzeitig bewege ich mich ständig doch in beiden. (Die so gar nicht miteinander sprechen können, selbst wenn sie wollten…)

Mit einem Grinsen im Gsicht schlafe ich ein, ich bin und bleibe ein Cosmopolit!

Danke!

Die Tage an denen ich morgens aufstehe und verwirrt bin über das was mein eigenes Leben zu sein scheint, gibt es immer mal wieder. Ich bin diesen Tagen so dankbar, denn sie zeigen mir das ich normal bin.

Als ich ein Kind war hatte ich manchmal das Gefühl mich sehen zu können, ähnlich denen die berichten sie schauen bei Todeserfahrungen auf sich hinunter. Ich hatte Bilder von mir im Kopf, wie ich Fahrrad fahre oder wie ich da sitze wenn meine Mutter mit mir schimpft. Gezweifelt das dies normal ist habe ich nicht, aber drüber gesprochen auch nicht.

Als ich älter wurde habe ich begonnen mir Gedanken darüber zu machen und mich geängstigt. Ich habe mich nicht mehr so deutlich gesehen, aber weiterhin das Gefühl gehabt mir selbst zuschauen zu können bei dem was ich tue und sage, so als stände ich außerhalb. Geredet darüber habe ich nicht, nur nachgelesen welche schlimme Erkrankung das sein könnte, Angst gehabt ich sei vielleicht schizophren oder ähnliches.

Als ich das erste Mal darüber sprach, sah ich verwunderte Blicke und den Zweifel in den Augen meines Gegenüber, so schwieg ich wieder, nährte meine Ängste und bemühte mich diese Gefühle und Gedanken zu unterdrücken.

Nun arbeite ich seit mehr als 15 Jahren in meiner psychologischen Praxis. Immer noch schaue ich mir manchmal zu was ich tue und sage. Weiterhin rede ich in meinem Privatleben nicht darüber das ich manchmal, gefühlt, neben mir stehe und mir zuschaue. Angst habe ich keine mehr.

Andere Menschen in meiner Praxis erzählen mir davon das sie das Gefühl haben neben sich zu stehen, sich zuzuschauen was sie tun und sagen. Ich erläutere Ihnen dann das dies normal ist, keine Krankheit, keine Diagnose, sondern eine Metaebene wie das Denken über das Denken.

Ich bin in der glücklichen Lage das mir Menschen ihre Gedanken und Gefühle anvertrauen. Sie wissen das ich sie nicht komisch anschaue, sie für anders, abartig oder krank halte, gar an ihrem Verstand zweifle.

Ich habe für mich den Beruf gefunden der mich glücklich macht, der mir die Möglichkeit gibt anderen das Leben zu erleichtern und zu verbessern.

Dafür muss ich mich bei Euch bedanken!

Danke all jenen die mir vertrauen und mir diese Möglichkeit geben!

Der innere Zweifelzwerg und das konsequente Handeln

Kennst Du diese Augenblicke in denen Du Dir etwas vornimmst und es nicht nur machbar, sondern auch der einzig sinnvolle Weg für Dich zu sein scheint?
Alle Gründe für diese Veränderung in Deinem Leben liegen vor Dir ausgebreitet, logisch, in sich schlüssig und so deutlich, so dass niemand Dich in diesem Augenblick vom Gegenteil überzeugen könnte. Dass Du es nicht schaffst oder das es nicht das Richtige für Dich ist genau dies umzusetzen erscheint Dir unwahrscheinlich, wenn es denn überhaupt als Zweifel in Deinen Gedanken auftaucht.

Was machst Du mit dieser Erkenntnis? Du setzt Dir ein Startdatum für die angedachte Veränderung. Dann freust Du Dich darauf anzufangen, gehst dafür einkaufen oder wirfst Dinge weg, räumst auf, initiierst so oder so die Veränderung.

Die gesamte Zeit ist Dein kleiner Teufel der Versuchung und des Zweifels an Deiner Konsequnez, dieser dumme Zweifelzwerg, still und nahezu unsichtbar. Er wirft ab und zu mal vorsichtig einen Satz voller Zweifel ein, der jedoch ungehört bleibt oder beiseite geschoben wird und keine Macht über Dich hat.

Wunderbar diese Zeit der Stärke und der Kraft dem kleinen Gesellen die Stirn zu bieten!!!

Der von Dir gesetzte Startzeitpunkt ist eingetreten und Du beginnst, womit auch immer… Klasse, das Hochgefühl hält noch an, etwas abgeschwächter zwar, aber es ist noch da und treibt Dich vorwärts. Du bist voll Stolz es nicht nur angedacht, sondern auch begonnen zu haben, stärker zu sein als der Zweifelzwerg, dieser Teufel, dieser Schweinehund!

Dann bist Du, in Deiner Sicherheit das Du es ja hinbekommst, ja schon angefangen und ausgehalten hast einen Moment nicht wachsam und konzentriert. Schon kreisen vom Zweifelzwerg eingegebene Gedanken in Deinem Kopf. Verstärkt durch die doch eigentlich angenehmen und wie gewohnt Kleidung bequemen Gewohnheiten, die Du (Aus welchen Gründen noch genau?) verändern willst und von Alltag (Der echt anstrengend genug ist!) und seinen Belastungen (Die gerade außergeöhnlich hoch sind!)… Du bleibst aber trotz all dem stark und schiebst mit viel Energieaufwand diese dummen Gedanken beiseite – Ich zieh das jetzt durch! – denkst Du, und machst weiter!

Irgendwann schnappt er Dich jedoch in einem Augenblick in dem Du unachtsam, gestresst, müde oder einfach nur „Bäh“ bist. Er schüttelt Dich und Deine Gedanken durch, wie ein Hund sein Spielzeug und zerzaust wie Du bist hast Du vielleicht keine Kraft mehr Widerstand zu bieten, Energie in Dein Vorhaben der Veränderung  zu investieren.
Du gibst Du nach, denkst (so wie er das wollte) – Das schaffe ich eh nicht! Oder zumindest nicht gerade jetzt wo alles doch eh schon so stressig ist… ich mach das im Urlaub… oder so! – Du tust was Du nicht tun, oder läßt sein was Du tun wolltest.

Jetzt läßt er Dich los. Im Gegenteil, er massiert Dir die geistigen Schultern, verspannt durch die Zeit des achtsam seins, des Energie investierens und flüstert Dir sanft ins Ohr „Du hast es nicht nötig etwas zu ändern! Du kannst das auch nicht! Du hast ja gerade, wie so oft zuvor bewiesen das Du es nicht hinbekommst. Laß Dich fallen, ruh Dich aus, Du machst das wenn, eben wann anders wenn es wirklich nötig ist…!“
Deine schwache Auflehnung gegen diese Abwertung Deiner Willenskraft pustet er sanft hinweg, erläutert mit logischen Argumenten es sei nun eh zu spät, Du hättest ja schon versagt und könntest jetzt einfach so weitermachen wie zuvor, das sei einfacher, schöner, leichter und auch viel sinnvoller für Dich, als ein neuer Versuch, der zum Scheitern verurteilt sei.

Einerseits fühlst Du Dich jetzt wirklich als Versager. Andererseits tut es so gut sich nicht anstrengen zu müssen und ihm nachzugeben… Wozu also der Energieaufwand es nochmal und wieder und wieder zu versuchen? Dauernd fällst Du hin und je öfter Du fällst, je schlechter geht es Dir…je weniger trast Du Dir zu…

Ein üblicher Weg auf dem er Dich kriegt der innere Schweinehund, der Zweifelzwerg! Wobei Du Dich ja selbst boykottiert hast, er musste nur abwarten…

Was, wie, wo Du Dich boykottiert hast?
Du hast im Augenblick des Lichts, der Klarheit, des Wissens warum dieses Verhalten verändert werden sollte, dies weder aufgeschrieben noch aufgesprochen, noch in irgendeiner Form festgehalten.

Du hast, obwohl Du aus lebenslanger Erfahrung weißt das gute Argumente und klare Einsichten manchmal, je nach Stimmung verschwinden, darauf vertraut in diesem Fall sei es anders.
Ist es aber nicht!

Daher, schreib es auf! Sprich es Dir als Notiz auf Dein Handy, oder mache die Gedanken und Argumente wie auch immer dingfest! Und das sofort! Sobald das Licht, die Klarheit des Augenblicks kommt festhalten! (Zur Not schließ Dich aus der Toiltette ein, aber mach es sofort!!!)

Du hast den Zweifelzwerg ignoriert, seine Einwürfe nicht ernst genommen und den Angriff darin nicht gesehen, nicht sehen wollen. Er lauer, er kennt Dich, er ist immer da und er hat Ausdauer und sonst nichts zu tun – im Gegensatz zu Dir…
Hol Dir Unterstützung!

Nein, Du musst niemanden in Deine Pläne einweihen. Je nachdem wie oft Du verkündet hast etwas zu ändern ist das auch einfach zu peinlich. Daher Unterstützung die ebenfalls nur von Dir ausgeht.
Schreibe die Argumente des Moments der Erleuchtung auf! All die klaren Gründe etwas zu ändern sollten sofort aufgenommen oder aufgeschrieben werden! Unsortiert, so wie sie kommen!

Formuliere Deine gesammelten Gründe dann positiv, also als Zukunftsperspektive. Nicht bezogen auf die Dinge die wegfallen, sondern auf die neuen Möglichkeiten. Nimm dazu dann nicht nur ein Blatt, sondern viele kleinere Zettel um sie zu formulieren. (Statt, ich will nicht rauchen – Ich kann rauchfrei leben!; Statt ich werde nicht mehr so viel essen – Ich ernähre ich mich gesund, kontrolliert und nach meinem Energiebedarf!) Klebe diese – so dies möglich ist, um Deinen Spiegel. Erweitere sie immer sofort um Argmeunte die Dir einfallen, sobald Du ein neues entdeckst. Mach Dir zudem einen Spickzettel mit Stichworten für Deinen Geldbeutel, denn der Zweifelzwerg ist immer dabei und überfällt Dich auch im Beisein anderer Menschen fern von zu Hause.

Überlege Dir Belohnungen. Eine für jede Woche. Die erste sollte gleich eine große Belohnung sein und ist für die zweite Woche, den Generalangriff des Zweifelzwergs gedacht. Danach können die Belhnungen kleiner werden, denn mit der Zeit wird es ja immer leichter den Zweifelzwerg zum Verstummen zu bringen. Nur bei einem Stolpern, hinfallen kommt wieder eine größere Belohnung für das Aufstehen und Weitermachen!

Sammel gute Laune Lieder die Du immer dann abspielen kannst wenn Du die Zweifelzwergstimme hörst. Dann dreh die Musik auf und übertöne den Zwerg, falls Du kannst bewegt Dich zur Musik. Ich verspreche Dir, die ersten Tage hörst Du viel Musik. Aber, der Zweifelzwerg vergisst von Tag zu Tag mehr was er Dir einimpfen wollte. Nur Vorsicht! Nach der ersten Woche merkt er das und startet einen gewaltsamen Angriff, rafft alle Kräfte zusammen und springt Dich aus dem nichts mit voller Kraft an. Er übertönt dann die Musik, schreit laut, so dass Dir alles weh tut. Dies ist der Zeitpunkt Dich nicht nur zu loben, sondern zu belohnen.

Erstelle ein Blatt mit auskreuzbaren Tagen, datiert auf den ersten Tag, Tag 1, Datum bis letzten Tag, Tag 56, Datum. Das sind 8 Wochen die Du im Durchschnitt benötigen wirst um die Veränderung zu festigen in die neue umzuformen und zu stabilisieren. Ein Ende des Widerstands gegen den Zwerg ist absehbar! Sorge dafür das Du mindestens die gleiche Anzahl an auskreuzbaren Tagen anhängen kannst, warum erklärt Dir der nächste Tipp.

Rückfälle sind erlaubt und gut! Solltest Du von Deinem Vorhaben abweichen, also rückfällig werden, dem Zweifelzwerg nachgeben, so ist das kein versagen, keine Schande und nichts beschämendes! Es ist völlig in Ordnung! Der Zweifelzwerg hat einen Schwachpunkt bei Dir entdeckt den du übersehen hattest. Und? Jetzt hat er ihn offenbart und Du kannst dort den Schutz gegen ihn höher ziehen. Bätsch, Zweifelzwerg! Hier kommst Du nicht mehr an mich ran. Nutze dieses „Hinfallen“ um nochmal zu spüren das Du wirklich lieber „aufrecht stehen“ willst. Rappel Dich hoch, Du wirst daran wachsen, wenn Du Dich nicht dafür verurteilst, sondern Dir zugestehst das Fallen erlaubt ist, weh tut, dieser Schmerz aber vergeht und das Dich das cleverer macht und stärker. Den Rückfall darfst Du nicht auskreuze auf Deinem Blatt, aber der Neuanfang wird ganz sicher die Anzahl der schon ausgekreuzten Tage schnell überschreiten!

So nun bist Du gut gerüstet für Deinen Neuanfang.

Wahrscheinlich wirst Du noch einige Ideen haben wie Du Deinen Zweifelzwerg zum Schweigen bringen kannst, wie das Belohnungssystem verbessert werden könnte, oder wie man sich selbst noch mehr als nur durch die Anerkennung des Auskreuzens loben kann.
Vielleicht hast Du aber auch schon Erfahrungen mit anderen Methoden gemacht die noch besser sind?
Ich bin gespannt, lass mich, lass uns doch bitte teilhaben!

Systemische Therapie

Was ist systemische Therapie? Probleme, Schwierigkeiten, Krisen und Co.

Einigen wir uns doch zuerst mal auf ein Wort, auf eine Bezeichnung für eine problematische Situation. Es gibt so viele Begrifflichkeiten, die man hierfür im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt, das hier als „Stellvertreter“ für Krise, Schwierigkeiten, etc. das sehr gebräuchliche Wort Problem gewählt wird.

Dazu werden hier einige „Einsichten“ aufgezählt und erläutert:

  • Nicht Sie sind das Problem!

Sie sind weder die finanzielle Notlage, noch die schwierige Kommunikationsbasis und auch nicht das Fremdgehen. Sie sind „nur“ teilhabender an einer Situation. Diese, also das Problem, existiert nur durch seine Auswirkungen auf eine und in einer Situation. Es gehört niemandem und daher kann es auch niemand „haben“. 

  • Sie und das Problem können nicht eins sein.

Die in unserem Denken entstandene Verknüpfung: „die Person, die das Problem hat (zu haben scheint), ist das Problem“ dient der Schuldzuschreibung, also der Entlastung anderer und ist unnütz, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Schon die Wortwahl, „Ich habe ein Problem“, sagt eindeutig Person und Problem sind verschieden. Auch wenn der „Probleminhaber“ sich mit dieser Aussage schon wieder täuscht…

Solange jemand allerdings glaubt, das Problem zu sein, es zu haben, zu besitzen, der alleinige Verantwortliche für die Beseitigung des Problems zu sein, solange hat die Person wirklich eines und zwar ein ganz persönliches

  • Sich und das Problem nicht zu trennen hat Vorteile!

Man kann sich mit einem Problem identifizieren, damit versinken andere Dinge die man tun müsste im Untergrund. Auch kann man mit dem Problem was einem gehört Diskussionen initiieren, Menschen mit Helfersyndrom um sich scharen und so eine neue Zugehörigkeit begründen. So kann ein Problem ähnlich kontaktstiftend sein, wie z.B. ein Hund. Allerdings muss man streng darauf achten, dass das Problem nicht verschwindet, die Situation sich nicht ändert.

  • Das Problem ist immer angewiesen auf Situationen.

Ein Problem, eine Schwierigkeit, eine Krise ist immer nur „das Problem“, „die Schwierigkeit“ oder „die Krise“ solange es eine Situation gibt auf die es sich auswirken kann. Sonst bemerkt man es nicht und damit ist sein Sinn und Zweck verloren. Eine „Schwierigkeit“, ist nicht greifbar wie ein Gegenstand, es existiert nur in der Situation,  lebt von seinen Auswirkungen und durch die erscheint es uns existent. keine Situation keine Existenz. Es wirkt nur durch sein Umfeld, also alleine in einem System in dem es Auswirkungen haben kann. (Ohne eine monogame Beziehung gibt es kein „Fremd gehen“, ohne materielle Ausrichtung in Form von finanzieller Absicherung gibt es keine finanzielle Krise, etc.)

Man kann versuchen es sich anzueignen, es bleibt aber nur ein „Problem“, eine „schwierige Situation“, oder gar eine Krise die Situationsabhängig existiert. Dazu hier als konkretes visuelles Beispiel ein Bild:Stein im Wasser

Der Stein der ins Wasser fällt, hätte in einem anderen System, z.b. an Land, keine Chance diese Wellen zu verursachen.

Jeder Mensch für sich ist ein System. Aufzugliedern in (innere Systeme) biologisch, sozial und psychisch. Zudem eingebunden in andere große Systeme die nicht der Mensch sind (äußere Systeme: Partnerschaft, Verwandtschaft, Arbeit, Gesellschaft, etc.).

Die Auswirkungen eines Problems können sich im äußeren oder inneren System zeigen. Zum Beispiel in dem psychischen Teil des Menschen in Form von Sorgen und Grübeln, sie können jedoch gleichzeitig oder zeitversetzt auch biologische Auswirkungen haben, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Müdigkeit. Bei Kindern kann man den Zusammenhang meist schneller erkennen, Probleme verursachen häufig Bauchschmerzen. Das wäre dann ein psycho-somatisches Problem, eine Auswirkung die der Mensch körperlich spürt.

  • Die systemische Therapie betrachtet daher das „System“, inneres wie äußeres.

Schaut man nur auf das Problem, so wird man kaum zu den Ursachen und der Auflösung desselben kommen. Denn nur diesen einen (innen oder außen wahrnehmbaren) Teil alleine anzuschauen würde verhindern das die Auswirkungen des Problems im gesamten System sichtbar werden. Nur mit den Auswirkungen läßt sich das Problem, ähnlich einem Luftballon der Luft ja sichtbar und greifbar macht, erkennen. Und nur durch das sichtbar und greifbar machen lassen sich Probleme, Schwierigkeiten oder Krisen verändern oder auflösen. Schaue ich nur auf das Bauchweh des Kindes, so kann ich mit diversen Mitteln Verbesserungen erreichen, aber den „Grund“, also das Problem beseitige ich so nicht.

Blickwinkel

Der Schatten zeigt das Licht…

Ich hoffe ich konnte Ihnen ein wenig verständlich machen, wie systemische Therapie an Situationen herangeht. Falls Sie noch Fragen haben – melden Sie sich.